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02.10.2013

Vorbestrafter wegen Racheakts zu fast sechs Jahren Haft verurteilt

Für eine Messerattacke nach einer Faschingsveranstaltung in Trochtelfingen (Kreis Reutlingen) muss ein junger Mann fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Die Jugendkammer des Landgerichts Tübingen verurteilte den 20-Jährigen am Mittwoch wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlags.

Im Februar hatte der damals 19-Jährige während der Faschingsfeier einen Faustschlag abbekommen. Um sich zu rächen, bewaffnete er sich und passte eine Vierergruppe auf ihrem Heimweg ab. Mit einem 23 Zentimeter langen Messer stürmte er hinterrücks auf sie zu. Durch einen Reflex konnte sein erster Angriff abgewehrt werden, der zweite traf einen 26-Jährigen am Nacken. Nur durch «glückliche Umstände» seien durch den 14 Zentimeter tiefen Stich in die Halsregion keine lebenswichtigen Gefäße verletzt worden, sagte der Richter.

Die heimtückische Art und Weise, mit der der Täter den Angriff einleitete, wertete die Kammer als versuchten Mord. Die Tat, die zur schweren Verletzung des Mannes führte, legte die Kammer als versuchten Totschlag aus. Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von sieben Jahren Haft. Die Verteidigung ordnete die Tat als gefährliche Körperverletzung ein.

Bei der Polizei hatte der vorbestrafte Mann eingeräumt, das Messer von zu Hause geholt zu haben, um «eine Show zu machen». Verletzungs- oder gar Tötungsabsichten habe er nicht verfolgt. Die Verletzung müsse während einer Rangelei entstanden sein.

Dieser Version schenkte das Gericht keinen Glauben - ebenso wenig wie der Angabe des 20-Jährigen, er sei zum Tatzeitpunkt erheblich betrunken gewesen. «Sie wussten genau, was Sie taten», sagte der Richter, nachdem ein gerichtsmedizinisches Gutachten eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten verneinte. Dieser willigte ein, 7500 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zu zahlen. Seine Entschuldigung nahm der 26-Jährige zunächst nicht an.