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Altersgemischte Wohngemeinschaft auf Zeit: Anne Mittelbach (links) und Marlies Schmidt.  Foto: dpa
Altersgemischte Wohngemeinschaft auf Zeit: Anne Mittelbach (links) und Marlies Schmidt. Foto: dpa
09.10.2016

WG mit Senioren und Studenten

Karlsruhe/Pfinztal. Theresia P. sitzt auf ihrer Küchenbank und freut sich still. Sie schaut auf ihre Hände, manchmal geht ihr Blick nach links, hin zu Hossein Pazouki. Läuft. Die beiden wirken freundlich und vertraut, ein eingespieltes Team sind sie in ihrer „WG“ in Pfinztal. Und ein Ungewöhnliches obendrein. Er studiert, sie nicht. Er kommt aus dem Iran, sie hat fast ihr ganzes Leben in dem kleinen Ort verbracht. Er ist 32 und sie 85. Und sie teilen das kleine Häuschen von Theresia P. im Rahmen des Projektes „Wohnen für Hilfe“.

P. bietet kostenlosen Wohnraum. Pazouki hilft ihr dafür im Alltag beim Staubsaugen, Bodenwischen, Flaschentragen. Nur Nebenkosten muss er zahlen. „Wohnen für Hilfe“ gibt es in vielen deutschen Städten, von Aachen bis Würzburg listet die Website 36 Städte auf, die solche Wohnpartnerschaften anbieten. Darmstadt hatte Ende der 90er das Angebot erstmals eingeführt, es folgten München und 2002 Freiburg, erzählt Nicole Krauße vom dortigen Studierendenwerk.

Ursprünglich stammt die Idee aus England. Mitmachen kann jeder; vorher werden die Wohnungen angeschaut und geprüft, wer zusammenpassen könnte. Faustregel: Pro Quadratmeter Wohnraum muss der WG-Partner dem „Vermieter“ eine Stunde Hilfe im Monat leisten; Pflegedienstleistungen sind ausgeschlossen. Das Angebot richtet sich an Studenten mit schmalem Budget und sozialem Interesse und an Senioren, Familien oder Menschen mit Behinderung, die Unterstützung suchen, Gesellschaft, Sozialkontakte.

„Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich: Das isses!“, sagt Theresia P. Ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen, das ist ihr zu privat. Sie hat drei Söhne großgezogen, ein Leben lang hart gearbeitet und vor 14 Jahren ihren Mann verloren. Danach lebte sie allein. Bis einer ihrer Söhne vom Angebot „Wohnen für Hilfe“ las. Seitdem ist ihm wohler – und seiner Mutter auch.

2013 wagte sich die gehbehinderte Seniorin in eine erste Wohnpartnerschaft mit einer jungen Frau. Kurz vor Vorlesungsbeginn im laufenden Wintersemester sind auch die Wartelisten für „Wohnen für Hilfe“ wieder vergleichsweise lang, erzählt Stefanie Bienwald von den Paritätischen Sozialdiensten, in Karlsruhe verantwortlich für das Projekt. Die Wohnungsnot für Studenten sei ohnehin sehr groß.