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Bestreikter Zug im Hauptbahnhof Essen. Foto: Caroline Seidel
Bestreikter Zug im Hauptbahnhof Essen. Foto: Caroline Seidel
05.09.2014

Warnstreik der Lokführer legt Bahnverkehr im Südwesten lahm

Stuttgart/Berlin. Blaue Infotafeln weisen auf verspätete oder ausfallende Züge hin. Fahrgäste der Deutschen Bahn stehen verwirrt an den Bahnsteigen am Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Lokführer der Deutschen Bahn waren am Samstagmorgen zum zweiten Mal in einen Warnstreik getreten. Vom dreistündigen Ausstand waren in Stuttgart Regional- und Fernzüge und die S-Bahnen sowie der Güterverkehr in Mannheim betroffen. Bereits am vergangenen Montag hatte ein Warnstreik die Fahrpläne durcheinandergewirbelt.

«Wir möchten ein zweites Signal setzen», sagte Norbert Quitter, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Stuttgart. «Der Vorstand der Deutschen Bahn soll uns ein verhandlungsfähiges Angebot stellen», fügte er hinzu. Das Unternehmen hätte ein großes Verwirrspiel zulasten der Kunden und der Beschäftigten betrieben.

Die Gewerkschaft will ein besseres Tarifangebot von der Bahn erzwingen. Sie verlangt fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Sie erhebt ihre Forderungen auch für Zugbegleiter und andere Beschäftigte in den Zügen.

Die Bahn hatte in Berlin angekündigt, in den Zügen und auf Bahnhöfen mehrere Hundert Mitarbeiter zur Verstärkung einzusetzen, vor allem beim Service-Personal, den Betriebszentralen und Transportleitungen und bei der Reisendeninformation. «Das ist alles sehr schlecht organisiert hier», regte sich eine Bahnreisende auf, die anonym bleiben wollte. Die Frau war auf dem Weg nach Lippstadt. «Mir wurde zugesagt, dass mein Zug noch kommt. Ich kann nur abwarten», sagte sie.

Eine dreiköpfige Familie wurde vom Warnstreik der Lokführer ziemlich überrascht. «Wir sind gerade aus dem Urlaub zurückgekommen», sagte der Familienvater. «Die Lokführer nehmen sich zu viel heraus. Es gibt andere Berufsgruppen, die sich das nicht leisten können», sagte der gelernte Techniker.

Im Regionalverkehr und bei der DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodenseee GmbH waren in der Zeit von 6.00 Uhr bis 9.00 Uhr jeweils deutlich über 50 Prozent der Züge ausgefallen, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart mitteilte. Im Fernverkehr standen sehr viele Züge bundesweit still. In Basel warteten einige Bahnen auf die Weiterfahrt.

Der S-Bahn-Verkehr war zudem durch abgestellte Züge an der Haltestelle Feuersee in der Stuttgarter Innenstadt gestört. Die Linien S4, S5 und S6 stoppten am Tiefbahnhof und fuhren wieder zurück. Die Linien S1, S2 und S3 steuerten den oberirdischen Bahnhof an und fuhren über die Gäubahnstrecke unter anderem zum Flughafen.

Die Situation im Güterverkehr sei am Samstagmorgen nicht so dramatisch gewesen, sagte der Stuttgarter Bahnsprecher. Einige Dutzend Züge sollen bundesweit betroffen gewesen sein. Die Bahn rechnete mit Auswirkungen der Streiks im Fernverkehr bis in die Abendstunden. «Im Regionalverkehr sollte sich die Lage gegen Mittag wieder beruhigt haben», sagte der Bahnsprecher.

Die Deutsche Bahn bot ihren Kunden die Möglichkeit an, gelöste Tickets umzutauschen oder ihre Reise mit besseren Produktklassen wie ICE-Zügen fortzusetzen. Am Flughafen wurden ankommende Fluggäste über einen Infoticker auf die Arbeitsniederlegungen der Lokführer hingewiesen. Eine 27-Jährige, die auf dem Weg nach Wiesbaden war, hoffte, dass ihr Zug doch noch kommt. «Jetzt heißt es erstmal Kaffee trinken und frühstücken», sagte sie lachend.

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