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Mit einem Autokorso fahren streikende Mitglieder der IG Metall am Mittwoch durch ein Industriegebiet in Freiburg. Dahinter laufen Protestierende mit Bannern und Fahnen. In ganz Deutschland gibt es Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie.
Mit einem Autokorso fahren streikende Mitglieder der IG Metall am Mittwoch durch ein Industriegebiet in Freiburg. Dahinter laufen Protestierende mit Bannern und Fahnen. In ganz Deutschland gibt es Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie. © dpa
02.05.2012

Warnstreikwelle der Metaller rollt im Südwesten an

Die IG Metall im Südwesten erhöht die Schlagzahl im Kampf um ein sattes Einkommensplus, mehr Macht bei Leiharbeit und die unbefristete Übernahme aller Azubis. Nach ersten Nadelstichen vom Montag weitete die Gewerkschaft am Mittwoch ihre Warnstreikwelle auf rund drei Dutzend baden-württembergische Betriebe aus.

«Das Angebot der Arbeitgeber vom 19. April hat die Gräben vertieft, nicht geglättet», sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann der Nachrichtenagentur dpa am Vormittag. Die Gegenseite vermutete «reine Machtdemonstration und Mitgliederwerbung».

IG-Metaller Hofmann sagte: «Statt uns einer Lösung näher zu bringen, wurde der Konflikt mit Gegenforderungen unnötig befeuert. Jetzt gibt es von den Beschäftigten die passende Antwort und die wird deutlich ausfallen.» Unter anderem ruhte die Arbeit am Mittwoch vorübergehend an Standorten der beiden Branchenriesen Bosch und Daimler. Auch kleinere Betriebe aus den Südwest-Schlüsselindustrien Maschinenbau und Automobilzulieferung waren in den Aufrufen genannt.

Ein Bosch-Sprecher sagte am Vormittag, dass sich die Auswirkungen am betroffenen Standort Reutlingen in Grenzen halten würden. Reinhold Götz von der IG-Metall Mannheim nannte die Aktion bei der Daimler-Tochter EvoBus einen vollen Erfolg. «Alle Bänder stehen still, es geht nichts mehr», sagte er am Mittag. 4500 Mitarbeiter seien nach einer Kundgebung gegen Mittag direkt nach Hause gegangen. Auch im Verwaltungsbereich sei der Ausstand zu spüren gewesen. «Die Belegschaft steht voll hinter den Forderungen der IG Metall.» Für die folgende Schicht war für den Abend eine weitere Kundgebung geplant.»

Eine Sprecherin des Autozulieferers ElringKlinger berichtete, die Frühschicht sei anderthalb Stunden vor Ende nach Hause gegangen. Zwar habe das am Mittwoch noch keine direkten Auswirkungen gehabt, zum bereits angekündigten Fortgang des Arbeitskampfes sagte sie aber: «Wir können nicht ausschließen, dass dann Lieferengpässe entstehen.»

Ein Sprecher der in Reutlingen bestreikten Kion-Gruppe, die unter anderem Gabelstapler herstellt, sagte: «Warnstreiks haben in der Regel Auswirkungen auf die Auslieferungen. Es kann also sein, dass der eine oder andere Kunde sein Fahrzeug nicht rechtzeitig bekommt.»

Teils sollten die Warnstreiks auch erst am Nachmittag oder Abend anlaufen. Die IG Metall wollte am Nachmittag Zwischenbilanz ziehen. Die Arbeitgeberseite sprach von überzogenen Aktionen. «Warnstreiks richten einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden an. Sie sind unverantwortlich und schädlich für Betriebe und Beschäftigte», ließ der Chef der Freiburger Südwestmetall, Stephan Wilcken, erklären.

Neben Baden-Württemberg liefen Warnstreiks am Mittwoch auch in Niedersachsen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Seit Ende der Friedenspflicht am 28. April gab es schon erste Warnstreiks mit knapp 1000 Teilnehmern im Südwesten und knapp 5000 im Tarifgebiet Mitte. Im Bezirk Küste sind für Donnerstag erste Aktionen geplant.

IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte am Dienstag, dem Tag der Arbeit, ein härtere Gangart bei den Tarifverhandlungen angekündigt. «Wir werden keine substanzlosen Verhandlungen mehr führen», sagte er in Hamburg. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die IG Metall keinen Scheinfrieden schließen werde. «Es gibt kein Ergebnis, ohne dass in allen drei Forderungen tragfähige Lösungen erzielt werden.»

Die IG Metall fordert für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche 6,5 Prozent mehr Geld - gerechnet auf zwölf Monate - sowie mehr Mitbestimmung bei Leiharbeit und die unbefristete Übernahme von ausgelernten Lehrlingen. Die Arbeitgeber haben bislang 3 Prozent mehr Geld auf 14 Monate angeboten, die übrigen Forderungen aber abgelehnt.

Wenn es bis Pfingsten keine Lösung im Tarifkonflikt gebe, werde es zu Urabstimmung und Streiks kommen, sagte Huber. Auch Südwest-Chef Hofmann hatte das bereits angekündigt. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 8. Mai in Baden-Württemberg angesetzt, tags darauf kommen die Tarifparteien des Bezirks Küste in Bremen zusammen. dpa