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Ein seit langem währender Richtungsstreit zwischen dem Grünen-Parteilinken Jürgen Trittin und dem Realo-Flügel in Baden-Württemberg bricht wieder auf.
Tritin © dpa
21.10.2014

«Waziristan» in Baden-Württemberg - Trittin verärgert seine Partei

Ein seit langem währender Richtungsstreit zwischen dem Grünen-Parteilinken Jürgen Trittin und dem Realo-Flügel in Baden-Württemberg bricht wieder auf. Grund ist ein angebliches Zitat Trittins im Magazin «Der Spiegel». Darin bezeichnet der frühere Vorsitzende der Grünen-Bundesratsfraktion das von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) regierte Bundesland als «Waziristan» der Grünen.

Die pakistanische Region Waziristan gilt als Rückzugsgebiet der radikal-islamischen Taliban. Auch einigen Parteilinken gelten die baden-württembergischen Grünen mit ihrem wirtschaftsfreundlichen Kurs als zu konservativ.

Trittin bestritt allerdings laut «süddeutsche.de» in einem Brief an den «Spiegel», sich derart öffentlich geäußert zu haben. Dennoch forderte Bundesparteichef Cem Özdemir eine Klarstellung und Entschuldigung. «Die Äußerungen von Jürgen Trittin sind völlig überzogen. Ich weiß nicht, welcher Teufel ihn da geritten hat», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Flügelübergreifend seien viele in der Partei über diese Wortwahl und den Umgang miteinander verärgert.

Auch Vize-Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Kerstin Andreae, reagierte irritiert. «Dieser verächtliche Ton ist weder im Stil gegenüber Fraktions- und Parteifreunden noch in der Sache gegenüber den äußerst erfolgreichen baden-württembergischen Grünen akzeptabel.» Andreae stammt wie Özdemir aus dem Südwesten. Beide gehören dem realpolitischen Flügel der Grünen an. Ein Regierungssprecher Kretschmanns sagte auf Anfrage, die Äußerung Trittins sei abwegig und haltlos und nicht wirklich noch ernst zu nehmen.

Trittin war nach der Bundestagswahl 2013, die für die Grünen in einer herben Enttäuschung endete, als Fraktionschef zurückgetreten. Kretschmann hatte zuletzt vor allem im linken Lager der Grünen für Empörung gesorgt, weil er der schwarz-roten Asylrechtsreform im Bundesrat bei der Abstimmung im September zu einer Mehrheit verhalf. Im Bund stehen die Grünen vor einer programmatischen Erneuerung. Damit wird sich auch der Bundesparteitag im November beschäftigen.

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