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Stalking nimmt nach Einschätzung der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Baden-Württemberg zu.
Stalking nimmt nach Einschätzung der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Baden-Württemberg zu. © dpa
21.05.2013

Weißer Ring verzeichnet zunehmend Stalking-Opfer

Stuttgart. Verfolgung oder üble Nachrede, Telefonanrufe, Psychoterror oder Angriffe: Stalking nimmt nach Einschätzung der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Baden-Württemberg zu. «Ob durch abgewiesene Liebhaber oder verächtliche Nachbarn – wir haben immer mehr Stalking-Opfer, die sich an uns wenden», sagte der Landesvorsitzende des Weißen Rings, Erwin Hetger, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart.

«Stalker machen ihre Opfer durch permanentes Kontaktieren und Terrorisieren - ob real oder virtuell - so madig, dass diese irgendwann zusammenbrechen», sagte Hetger. Der ehemalige Polizeipräsident von Baden-Württemberg rät potenziellen Opfern daher, sich frühzeitig an die Sicherheitsbehörden zu wenden und die Nachstellungen nicht zu verharmlosen.

Auch Mobbing im Internet sei nach wie vor ein brisantes Thema, sagte Hetger. «Mich bewegt besonders, dass es einfach so hingenommen wird.» Er beklagte in diesem Zusammenhang «eine Verrohung der Sitten», durch die viele Schüler und Studenten psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssten. «Auch im Internet muss die Würde des Menschen berücksichtigt werden», sagte Hetger.

In 1147 Fällen leistete die Organisation 2012 mit finanzieller Unterstützung Hilfe. Diese reicht von persönlicher Ansprache über Hilfestellungen beim Umgang mit Behörden oder der kostenlosen Vermittlung von Erstberatungen bis hin zur Prozessbegleitung.

Dringlichste Aufgabe im Opferschutz ist nach Einschätzung Hetgers die Einrichtung von Trauma-Ambulanzen, in denen Opfer von Sexual- oder Gewaltdelikten zeitnah nach dem Erlebnis von Psychologen beraten und behandelt werden. «Oft müssen Opfer monatelang auf einen solchen Termin warten, dann sind die Verletzungen der Seele schon vernarbt und es dauert viel länger, sie zu heilen.»

Erst kürzlich hat die Opferschutzorganisation ihren diesjährigen Preis für Zivilcourage an Bürger in Schwäbisch Gmünd verliehen - für beherztes Eingreifen bei einem Überfall. «Das war ein mustergültiges Zusammenwirken von Ersthelfern und weiteren Passanten, die sich um das Opfer kümmerten und den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festhielten», sagte Hetger. «Wenn ich ein Drehbuch für einen Film über Zivilcourage schreiben müsste - so würde es aussehen.»

Der Weiße Ring hat in Baden-Württemberg 5841 Mitglieder und 274 ehrenamtliche Helfer. Bundesweit zählt der Verein rund 55 000 Mitglieder und rund 3000 ehrenamtliche Helfer.