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Weltreisende in Sachen Brot lernen Backkunst in Weinheim.
Weltreisende in Sachen Brot lernen Backkunst in Weinheim © dpa
18.02.2014

Weltreisende in Sachen Brot lernen Backkunst in Weinheim

Weinheim. Geschäftig kneten sie den Teig, formen Brötchen und Hefezöpfe, schieben Brezeln in den Ofen. Immer wieder der Blick auf die Uhr. Es ist kein Tag wie jeder andere im internationalen Backkurs an der Bundesakademie des Bäckerhandwerks im baden-württembergischen Weinheim.

Was die 18 Teilnehmer aus Kanada, Australien, Indonesien, Portugal und anderen Ländern aus dem Ofen holen, wird benotet und geht ein in das Zertifikat, das sie am Ende mit in ihre Heimat nehmen. Die Tipps von Kursleiter Frank Sweningson saugen sie wissbegierig auf. «Das Topthema ist Sauerteig, den gibt es so nur in Deutschland.» Darüber wollen sie alles ganz genau wissen.

«Ihr habt das beste Brot auf der Welt», sagt Carlos Posada aus Kolumbien. Der 61-Jährige ist schon in Rente und hat sein Familienunternehmen an seinen Sohn übergeben, wie er erzählt. Bislang stellen sie dort vor allem weiches, weißes Brot her. «Jetzt wollen wir anfangen, gesündere Zutaten zu verwenden - die Kunden fragen das immer mehr nach.» Das deutsche Brot sei viel weniger süß als in seinem Heimatland, das gefalle ihm, sagt Posada.

Viele Teilnehmer träumen noch von der eigenen Bäckerei in ihrem Land, zum Beispiel David Katamba aus Uganda und seine Schwester. Ein Jahr wollen sie noch warten und üben, dann soll es losgehen - auch mit deutschen Backwaren im Sortiment. «Ich habe hier meine erste Brezel gegessen», sagt der 25-Jährige mit leuchtenden Augen. «Die wäre in Uganda der Renner.» Dafür würden viele sicher auch tiefer in die Tasche greifen, ist er überzeugt. «Das deutsche Brot soll gesünder sein als alle anderen Brote auf der Welt.»

Die weltweite Begeisterung für deutsche Backkunst kennt auch der Direktor des Museums der Brotkultur in Ulm, Andrea Fadani. Er bekommt fast jeden Tag Besuch von japanischen Touristen. «Bäcker können hier eine große Vielfalt erzeugen, das haben wir in keinem anderen Land der Welt.» Das Bäckerhandwerk wirbt sogar dafür, die deutsche Brotkultur von der Unesco zum immateriellen Kulturerbe erklären zu lassen. Die Chancen stünden gut, sagt Fadani. Viele Deutsche sähen die Vielfalt zwar als nichts Besonderes, aber Menschen von anderswo seien fasziniert. In vielen Ländern gebe es ja nur Weizenbrot.

Als ziemlich eintönig empfinden auch die meisten Teilnehmer des Weinheimer Seminars die Brote und Brötchen in ihrer Heimat. «Die deutsche Brotkultur ist ein guter Botschafter für unser Land», sagt der Direktor der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk, Bernd Kütscher. «Nach unseren Kursen in den vergangenen Jahren sind deutsche Bäckereien in Indien und Südafrika entstanden.» Dabei kann der bis zu fünfwöchige Kurs nur ein Anstoß sein. Die Prüfung für die internationale Gruppe ist alles andere als eine Gesellenprüfung.

Anspruchslos ist sie trotzdem nicht - durchfallen ist selten, aber möglich. «Sie müssen Teile der Rezepte reproduzieren können, die wir vormachen», sagt Kütscher. «Sie sind aber natürlich nicht wie ein deutscher Bäckermeister in der Lage, eigene Rezepte zu kreieren.» Nirgendwo sei die Bäckerausbildung so umfangreich und intensiv wie in Deutschland, betont er.

 Die Backfans aus aller Welt drapieren Kaiserbrötchen liebevoll neben Körnerbrötchen mit Karotten. «Das Auge isst mit», sagt Kursleiter Sweningson und schaut prüfend über das Angebot. «Hier war der Ofen wohl etwas zu heiß eingestellt, die sind ziemlich wild aufgegangen», bemerkt er und zeigt auf einige Igel und Schildkröten aus süßem Teig. Die Stimmung ist trotz der Anspannung gut. Einer der Teilnehmer fasst sich lachend an den Bauch und sagt: «Wir haben sehr viel gegessen in den letzten Wochen.» Bis zum ersten Nachbacken in Indonesien, Uganda oder Kolumbien wird es wohl nicht lange dauern.