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Die Gerichte im Südwesten schickten im vergangenen Jahr rund 5000 Menschen hinter Gitter. Damit endete jedes 20. Schuldspruch-Verfahren mit einer Gefängnisstrafe.
Die Gerichte im Südwesten schickten im vergangenen Jahr rund 5000 Menschen hinter Gitter. Damit endete jedes 20. Schuldspruch-Verfahren mit einer Gefängnisstrafe. © dpa
29.08.2012

Weniger Menschen verurteilt - Zunahme bei Sexualdelikten

Im Südwesten steigt gegen den sonstigen Trend die Zahl der Sexualstraftaten an. Die Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und wegen Vergewaltigungen nahmen im vergangenen Jahr um jeweils mehr als elf Prozent auf 231 und 258 Fälle zu. Das teilten das Statistische Landesamt und Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) am Mittwoch in Stuttgart mit.

Insgesamt ist die Zahl der verurteilten Straftäter mit 108 200 Schuldsprüchen (minus 2000) jedoch rückläufig. Besonders deutlich war diese Entwicklung im Bereich der Gewaltkriminalität. Hier wurden mit 4889 Fällen so wenige Verurteilungen verzeichnet wie seit zehn Jahren nicht mehr. «Der Rückgang im Bereich der Gewaltkriminalität ist eine gute Nachricht», sagte Stickelberger.

Der Minister erklärte, dass insbesondere die geringere Zahl von Verurteilungen wegen gefährlicher Körperverletzung für diesen Trend verantwortlich sei. Das müsse jedoch nicht heißen, dass die Menschen auch gesetzestreuer seien, erläuterte Statistik-Chefin Carmina Brenner. Es könnten auch die Bevölkerungsentwicklung, die Fahndungserfolge, das Anzeigeverhalten sowie gesetzliche Rahmenbedingungen eine Rolle spielen.

Die Zahl der Schuldsprüche wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz von Kinderpornografie ging 2011 um 25 Prozent auf 180 zurück. «Es liegt nahe, dass diese Entwicklung mit dem Wegfall der Vorratsdatenspeicherung zu tun hat», erklärte der Minister.

Die jüngeren Strafmündigen müssen sich vergleichsweise häufig vor Gericht verantworten: Rechnerisch wurde jeder 36. Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre) und jeder 65. Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre) vor Gericht schuldig gesprochen, aber nur jeder 94. Erwachsene.

Kriminalität bleibt überwiegend «männlich». Nur jeder fünfte Verurteilte im Südwesten war 2011 eine Frau. Der Frauenanteil bei Strafen für Betrug und Untreue stieg dagegen auf 29 Prozent an und liegt damit deutlich höher als bei jeder anderen Straftat. Mehr als jeder vierte Verurteilte hatte 2011 eine ausländische Staatsbürgerschaft (27,7 Prozent). Die absolute Zahl stieg um 180 oder auf 30 000.

Bei den 108 200 Schuldsprüchen wurden 17 300 mal Haftstrafen ausgesprochen. Rund 12 300 davon wurden zur Bewährung ausgesetzt. 5000 Verurteilte mussten ins Gefängnis oder in den Jugendarrest. Am häufigsten waren Straßenverkehrsdelikte (24 Prozent) sowie Betrug und Untreue (22 Prozent). Gewaltdelikte wie gefährliche Körperverletzung, Raub, Mord, Totschlag und Vergewaltigung machten 2011 rund fünf Prozent der Verurteilungen aus. Die Schuldsprüche wegen Mordes und Totschlags blieben insgesamt unverändert bei 107.