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Nach schweren Verbrechen in und um Freiburg haben Land und Stadt 2017 die erste Sicherheitspartnerschaft im Südwesten gestartet. Sie bringt mehr Polizisten und Kontrollen nach Freiburg und hat die Zahl der Verbrechen gesenkt.

Weniger Verbrechen nach erhöhter Präsenz der Polizei in Freiburg

Freiburg. Zwei Jahre nach dem Start der landesweit ersten Sicherheitspartnerschaft zwischen dem Land und einer Kommune sieht sich die Polizei in Freiburg in ihrer Arbeit bestätigt. Die erhöhte Polizeipräsenz in der Stadt sowie mehr Kontrollen haben zu einem spürbaren Rückgang der Gewaltkriminalität geführt, sagte Freiburgs Polizeipräsident Bernhard Rotzinger der Deutschen Presse-Agentur.

Das Ziel, die Zahl der Verbrechen in der viertgrößten Stadt im Land um mindestens zehn Prozent zu senken, sei erreicht worden. Das Sicherheitsgefühl der Menschen, das nach einer Serie von Verbrechen in und um Freiburg spürbar gelitten hatte, habe ich so verbessert. Die Polizei werde diese Arbeit fortsetzen.

«Die Sicherheitspartnerschaft hat sich als geeignetes Instrument erwiesen, Kriminalität zu bekämpfen», sagte Rotzinger. Polizei sei durch zusätzliches Personal sichtbarer präsent und könne Straftäter gezielter verfolgen. So habe die Freiburger Polizei eine zwölf Beamten zählende Ermittlungsgruppe eingerichtet, die Intensivtäter im Blick habe und gegen sie ermittle. Zudem seien dauerhaft zusätzliche Polizisten nach Freiburg gekommen, die dort nun auf Streife gehen und an Kriminalitätsschwerpunkten verstärkt kontrollieren.

Dies habe Erfolg: Gewalttaten seien in den vergangenen zwei Jahren in der Stadt um mehr als zehn Prozent gesunken, in der als Brennpunkt geltenden Altstadt um deutlich mehr als 20 Prozent. Freiburg habe so die niedrigste Kriminalitätszahl der vergangenen sechs Jahre erreicht. Zurückgegangen seien vor allem Gewalt- und Raubdelikte. Dagegen sei die Zahl der Sexualverbrechen gestiegen.

Das Programm war vor zwei Jahren gestartet, nachdem es in und um Freiburg mehrere schwere Verbrechen gab, unter anderem Morde an zwei Frauen in Freiburg und Endingen. Vereinbart wurden mehr Polizisten, der Einsatz kommunaler Ordnungshüter, die Einrichtung eines Frauentaxis sowie Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten.

Nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg hatten das Land und die Stadt die Sicherheitspartnerschaft im vergangenen November ausgeweitet und unbefristet verlängert.

«Uns hilft, dass auch andere Akteure wie etwa die Kommune sich nun verstärkt um mehr Sicherheit bemühen», sagte Rotzinger, der als Polizeipräsident nächste Woche in Ruhestand geht. Dies sei das Erfolgsrezept: «Es ist gesellschaftlicher Konsens geworden, dass gemeinsam etwas getan werden muss, damit Kriminalität stärker bekämpft wird und die Menschen sich sicher fühlen.» Dies sei beispielhaft, auch für andere Kommunen. Von Bürgern erhalte die Polizei nun positive Rückmeldungen. Das Verhältnis in der als linksliberal geltenden Stadt zur Polizei habe sich verbessert.

«Früher ist Polizei in Freiburg in der eigenen Stadt eher zu einem Auswärtsspiel ausgerückt, heute haben wir ein Heimspiel», sagte Rotzinger. Die Akzeptanz sei gestiegen. Die Beamten setzten darauf und planten Bürgerdialoge, um Sicherheitsthemen zu diskutieren.

Das Land veröffentlicht an diesem Freitag konkrete Zahlen und die landesweit geltende polizeiliche Kriminalstatistik. Nach der Sicherheitspartnerschaft in Freiburg hatten Politiker und Kommunalvertreter solche Programme auch für andere Städte im Südwesten gefordert. Einfach übertragen auf weitere Orte lasse sich das Freiburger Modell aber nicht, hatte Innenminister Thomas Strobl (CDU) vor einem Jahr gesagt. Jede Kommune brauche ein auf den jeweiligen Ort und die aktuelle Lage angepasstes Sicherheitskonzept.