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Ob Land- oder Amtsgericht: der Justiz in Baden-Württemberg geht die Arbeit nicht aus. Foto: dpa
Ob Land- oder Amtsgericht: der Justiz in Baden-Württemberg geht die Arbeit nicht aus. Foto: dpa
12.09.2016

Weniger Verurteilte, aber trotzdem mehr Arbeit für Gerichte

Die Zahl der Verurteilten in Baden-Württemberg geht weiter zurück. Rund 102.600 Menschen wurden im vergangenen Jahr von Gerichten im Südwesten schuldig gesprochen, wie Justizminister Guido Wolf (CDU) am Montag mitteilte. Niedriger war die Zahl der Schuldsprüche laut Statistikamt zuletzt 1978. Doch welche Trends lassen sich aus den vielen Zahlen der Strafverfolgungsstatistik ablesen?

Betrug: Verurteilt wurden die Angeklagten vor allem wegen Betrugs und Untreue, wie die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Carmina Brenner, sagte. Rund jeder fünfte Verurteilte (23 Prozent) wurde wegen solcher Delikte schuldig gesprochen. Es folgen Straßenverkehrsdelikte, überproportional bei deutschen Verurteilten, und Diebstahl, besonders bei Verurteilten mit ausländischem Pass.

Einbruch: Auffällig ist der Anstieg der Verurteilungen nach Wohnungseinbruchdiebstahl. Ein sattes Plus von 18,2 Prozent steht da in der Statistiktabelle für 2015. Wobei 2014 noch ein Minus von 12,3 Prozent verzeichnet wurde. Nach dem deutlichen Anstieg der Einbruchszahlen hatte die Polizei dort in den vergangenen Jahren einen Schwerpunkt gelegt – der jetzt bei den Gerichten ankam.

Jugendliche: Als „besonders erfreulich“ wertete Wolf die Tatsache, dass vor allem die Schuldsprüche gegen Jugendliche zurückgegangen sind. Ein Minus von 10,5 Prozent steht bei den 14 bis 18 Jahre alten Verurteilten. Rund 4400 waren es dennoch wieder, mehr als jeder Zweite wegen Diebstahls.

Ausländer: Der Anteil der Verurteilten mit ausländischem Pass wuchs laut Brenner leicht. 36,2 Prozent der 2015 in Baden-Württemberg Verurteilen waren demnach Ausländer. Der Anteil wuchs in allen Altersgruppen um einstellige Prozentzahlen. Bezogen auf die allgemeine Bevölkerungsentwicklung errechnete Brenner einen Anstieg insgesamt um 0,9 Prozent.

Gewalt: Etwa 3600 Menschen wurden 2015 in Baden-Württemberg wegen Körperverletzung, Raub, Mord, Totschlag oder Vergewaltigung schuldig gesprochen, 200 weniger als im Jahr vorher. Vor allem bei den Jugendlichen (minus 23,4 Prozent) und bei den Heranwachsenden (minus 11,2 Prozent) gab es erneut deutliche Rückgänge.

Arbeit: Die sinkenden Verurteiltenzahlen belegen aber keineswegs, dass die Gerichte und Staatsanwaltschaften weniger zu tun haben. Wolf verwies auf weiter erheblich gestiegene Eingangszahlen bei den Staatsanwaltschaften. Mehr als 508.600 neue Verfahren gegen bekannte und gut 347.500 neue Verfahren gegen unbekannte Personen bedeuteten ein Zehn-Jahres-Hoch. Die bundesweiten Erhebung „Pepsi“, die den Bedarf an Richtern, Staatsanwälten und Rechtspflegern nach der Zahl eingehender Fälle ermittelt, hatte für den Südwesten 213 fehlende Stellen vor allem in den Staatsanwaltschaften ermittelt.