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25.05.2011

Wer schickte die Killer? 42-Jährige vor Gericht

Rottweil (dpa/lsw) - Eine 42-jährige Frau steht seit Mittwoch vor Gericht, weil sie vor 12 Jahren ein perfides Mordkomplott gegen ihren Lebenspartner ausgeheckt haben soll. Mit viel Glück war das Opfer damals in letzter Sekunde den mutmaßlichen Killern entkommen.

Den Richtern am Rottweiler Landgericht steht nun ein schwieriges Verfahren bevor, denn die wichtigsten Zeugen schweigen: Die 42-jährige Angeklagte verweigerte zum Auftakt jede Aussage. Und das heute 60 Jahre alte Opfer ließ seinen Anwalt ausrichten, dass er zu einer Aussage vor Gericht aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sei. Der ersten Prozesstag war nach nur 30 Minuten zu Ende.

Es war eine außergewöhnliche Beziehung, die die Angeklagte und das Opfer geführt hatten. Die damals 30-jährige Serbin war ihrem ersten Ehemann nach Deutschland gefolgt. Doch die Ehe ging zu Bruch und die Frau stand plötzlich alleine und ohne Geld da. Über eine Partnerschaftsagentur lernte sie den damals 48-Jährigen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis kennen. Der wohlhabende Mann fasste volles Vertrauen zu seiner Partnerin. Doch das hat die junge Frau nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft schamlos ausgenutzt.

Heimlich ging sie an den Tresor ihres Partners und fand darin 245 000 Mark Bargeld. Der 48-Jährige bemerkte den Diebstahl natürlich und hatte sofort die 30-Jährige im Verdacht. Die soll daraufhin zum Äußersten gegriffen haben: Sie heuerte zwei Bekannte an, die den Mann umbringen sollten, so die Staatsanwaltschaft. Auf einem Parkplatz an der Bundesstraße 523 bei Tuttlingen wurde der 48-Jährige in einen Hinterhalt gelockt. Der Mann habe die entsicherte Pistole schon an der Schläfe gehabt, als er sich in letzter Sekunde befreien und weglaufen konnte, hieß es in der Anklage.

Aber das Rottweiler Landgericht hatte schon einmal Zweifel daran, ob es an jenem 5. Dezember 1999 tatsächlich um einen Mordversuch ging. Im Jahr 2000 war die Tat schon einmal verhandelt worden. Damals saß einer der beiden mutmaßlichen Auftragskiller auf der Anklagebank. Doch die Beweise gegen den 29-jährigen Kung-Fu-Meister reichten den Richtern nicht aus. Sie glaubten dem Angeklagten, dass der 48-Jährige lediglich verprügelt werden sollte um ihn einzuschüchtern. Außerdem hatten Experten des Landeskriminalamts damals festgestellt, dass die Pistole vom Kaliber 7,65 Millimeter durch einen selbst gebauten Schalldämpfer gar nicht schussfähig gewesen wäre.

Die angebliche Anstifterin des Komplotts saß damals noch nicht auf der Anklagebank. Die heute 42-Jährige hatte sich nach der Tat nach Serbien abgesetzt. Erst elf Jahre später wagte sie zum ersten Mal wieder eine Reise nach Deutschland, und wurde sofort verhaftet. Mit Hilfe von 21 Zeugen will die Staatsanwaltschaft diesmal beweisen, dass die 42-jährige Angeklagte ihren Partner tatsächlich umbringen lassen wollte. Ein Urteil könnte Ende Juni gesprochen werden.