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© Screenshot Facebook
20.08.2014

Werbe-Anzeige für Schwarzwald mit Geschmäckle: Werberat eingeschaltet

Die schlüpfrige Werbung eines Tourismusvereins im Schwarzwald sorgt für Diskussionen. Nun schaltet sich sogar der Deutsche Werberat ein.

Wo sonst Kühe auf malerischen Weiden grasen, Touristen Kirschtorten genießen und Kuckucksuhren den Takt angeben, herrscht helle Aufregung. Der Grund: Die Anzeige des Tourismusvereins Ferienland Schwarzwald im Bordmagazin einer Fluggesellschaft. Sie wirbt nicht etwa für gute Luft, Wanderwege oder Wasserfälle. Sie preist «Große Berge, feuchte Täler & jede Menge Wald» an. Neben dem Spruch ist die Silhouette einer sich räkelnden Frau mit Schwarzwald-typischem Bollenhut zu sehen. Nun hat sich der Deutsche Werberat eingeschaltet.

«Uns hat eine Beschwerde erreicht», sagte Geschäftsführerin Julia Busse der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Berlin. Man habe das Unternehmen zu einer Stellungnahme aufgefordert. Der Geschäftsführer des Ferienlands Schwarzwald werde noch heute eine Stellungnahme an den Werberat schicken, sagte der Vize-Geschäftsführer des Tourismusvereins Hans-Peter Weis. Bis dahin werde man die Anzeige vorerst nicht weiterverbreiten. Sie war einmalig im dem Magazin veröffentlich worden. «Sicherlich ist die Anzeige frech, provokant und vielleicht frivol. Aber die Aufmerksamkeit gibt uns doch recht», sagte Weis, bevor er die E-Mail vom Werberat bekommen hatte.

Entworfen hat das Motiv die Designstudentin Selina Haas aus Triberg im Schwarzwald (Schwarzwald-Baar-Kreis). «Zusammen mit meinem Verlobten habe ich überlegt, was den Schwarzwald ausmacht», sagte die 24-Jährige. «Dann sind wir auf große Berge, feuchte Täler und jede Menge Wald gekommen.» Die sich räkelnde Frau habe sie dazu entworfen, damit es «frech» ist. Neben dem aufsehenerregenden Plakat hat die Studentin zehn weitere Plakate entworfen. Etwa eines mit der Silhouette einer Kuckucksuhr und dem Spruch: «Haben Sie auch schon einen Vogel?» «Ich finde es schade, dass die Aktion als sexistisch bezeichnet wird», sagte Haas. Gleichzeitig verstehe sie es, wenn sich jemand durch die Anzeige angegriffen fühlt. «Verletzten wollte ich aber niemanden», beteuert die Studentin.

Im Internet hatte der Satiriker und Europaparlamentarier Martin Sonneborn (Die Partei) die Anzeige einer breiten Masse bekanntgemacht. Das Bild mit seiner Beschreibung «Schwarzwald? Geile Gegend!» hatten bis zum Mittwochnachmittag knapp 3500 Personen auf Facebook mit einem «Like» versehen, also mit einem «Daumen hoch» bewertet. Mehrere Medien hatten anschließend darüber berichtet.

Hier geht es zum Facebook-Post von Martin Sonneborn.

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