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Mag nicht so recht: Wilhelma-Eisbär Wilbär ist zwar schon groß, aber paaren will er sich offenbar noch nicht. © dpa-Archiv
07.05.2010

Wilbär hat kein Interesse an Sex mit Ewa

ORSA/STUTTGART. Ruft die reifere Eisbärdame brünstig zum Sex, kann das einen unerfahrenen Eisbärbubi ganz schön in Verlegenheit bringen. Und dann auch noch in Schweden, wo die Frauen angeblich aktiver sind als anderswo. Damit hat Wilbär, der Eisbär aus der Wilhelma, offenbar ein Problem.

Bildergalerie: Wilbärs letzte Tage in der Wilhelma

„Wilbär weiß nicht, wohin mit den Hormonen. Er tut immer so, als wenn er lieber mit den Plastiktonnen im Teich spielt“, berichtet Pernilla Thalin aus dem Bärenpark Orsa Grönklitt über den Zuwanderer aus dem Zoologisch-Botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart.

Bildergalerie: Wilbär wächst weiter

Genau ein Jahr lebt Wilbär jetzt im hohen Norden, wo er nicht zuletzt für Nachwuchs sorgen soll. Er zeigt aber vorerst nicht das geringste Interesse an einer Paarung mit der zwei Jahre älteren Ewa, einer „Migrantin“ aus dem Rotterdamer Zoo. „Das mit dem Nachwuchs wird vor 2011 oder 2012 nix“, sagt Thalin.

Bildergalerie: Wilbärs erster Ausflug

Ein Jahr lebt Wilbär im Bärenpark in Orsa, gut 300 Kilometer nördlich von Stockholm. Genau wie viele Menschen-Paare haben Ewa und Wilbär viel Spaß am gemeinsamen Alltag, solange sie die unterschiedlichen erotischen Interessen ausklammern können. „Bei uns gab's im Winter 30 Grad Frost, das haben die beiden sehr genossen“, berichtet Thalin. Ewa und Wilbär lebten und leben hier im hohen Norden rund um die Uhr im Freien, menscheln aber durchaus auch beim Thema Kaltbaden: „Sobald das Wasser unter Null Grad war, sind sie nicht mehr reingegangen.“

Apropos menscheln: Gestaunt haben die Schweden über das innerliche Verhältnis deutscher Eisbär-Fans zu „ihrem“ Wilbär: Am 10. Dezember, dem zweiten Geburtstag des Raubtiers, brachte der Postbote jede Menge Spielsachen, Fresspakete und auch persönliche Geburtstagsbriefe mit Absendern aus Deutschland. „Alles lieb gemeint, aber Wilbär würde das Plastikspielzeug auffressen, und uns wäre Bargeld für unsere Arbeit lieber gewesen“, bekennt Thalin.

Sie hat nach Wilbärs Reise von Stockholm in die Nähe des Polarzirkels ein bisschen als „Ersatzmama“ fungiert und freut sich wie jede Mutter über gesunden Appetit: „Er hat es bei uns in einem Jahr von 160 auf 260 Kilo Gewicht gebracht.“ Ausgewachsen ist der Eisbär damit lange nicht: „Der Papa hat 600 Kilo gewogen.“ Daheim in Stuttgart trauern sie Wilbär noch immer nach - zumal ein neues Eisbärbaby im Dezember nach nur drei Tagen starb. Wilbärs Schwester, die fast auf den Tag genau zwei Jahre nach Wilbär geboren wurde, war nicht lebensfähig. Sie hatte Fruchtwasser eingeatmet und starb an einem Lungenödem. Kontakt nach Orsa gebe es regelmäßig, sagt eine Sprecherin. Auf der Internetseite der Wilhelma gibt es ein „Wilbär Tagebuch“. Trotz des Umzugs nach Schweden bleibt die Wilhelma auch rechtmäßige Besitzerin des Eisbären.

Nach Knut in Berlin und zeitgleich mit Flocke in Nürnberg stand Wilbär für einen Eisbär-Hype in Deutschland. „Die Bären sind mit dieser Entwicklung in Deutschland wirklich zu einer Art Markenzeichen geworden, und wir sehen das nicht negativ“, kommentiert Thalin den teutonischen Einfluss auf ihren schwedischen Arbeitsplatz. 150 000 Besucher hat das nach der Eröffnung im letzten Jahr gebracht. Nicht alle ihrer Landsleute teilen die Begeisterung der Deutschen: „Bei uns denken die meisten, dass es ein Jammer für die Bären ist, in einem Zoo oder Park eingesperrt zu sein.“