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Sieben Streifenwagen waren an einer Verfolgungsjagd auf einen Lkw-Fahrer beteiligt. Der hatte rücksichtslos andere Autofahrer, Fußgänger und Polizisten gefährdet.
Sieben Streifenwagen waren an einer Verfolgungsjagd auf einen Lkw-Fahrer beteiligt. Der hatte rücksichtslos andere Autofahrer, Fußgänger und Polizisten gefährdet. © Symbolbild: dpa
04.05.2012

Wilde Verfolgungsjad auf gnadenlosen Sprinter-Fahrer

Hollywood im Landkreis Göppingen. Sieben Streifenwagen waren nötig, um nach einer filmreifen Verfolgungsjagd einen Sprinter-Fahrer zu stellen. Auf seiner 20 Kilometer langen Flucht hatte ein 53-jähriger Mann aus Schorndorf mit seinem weißen Fiat Ducato etliche Verkehrsteilnehmer massiv gefährdet. Die mussten ausweichen, bremsen oder zur Seite springen, um Schlimmeres zu verhindern. Ein Polizeibeamter wäre beinahe von dem Fiat erfasst worden.

Zu der wilden Flucht vor der Polizei ist es am Donnerstagvormittag in Schorndorf gekommen. Die Jagd auf den rücksichtslos rasenden Sprinter-Fahrer endete schließlich in Ebersbach/Fils im Landkreis Göppingen. Hollywood lässt grüßen: Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt, obwohl der 53-Jährige andere Verkehrsteilnehmer über 20 Kilometer hinweg immer wieder in große Gefahr gebracht hatte.

Um 11:30 Uhr war einer Streifenbesatzung der Polizeihundeführerstaffel in Schorndorf der Fiat-Fahrer aufgefallen, da er seinen Sicherheitsgurt nicht angelegt hatte. Als sie ihn anhalten wollten, beschleunigte er und versuchte zu flüchten. Hierbei überfuhr er eine Sperrfläche und überholte trotz Gegenverkehr ein Fahrzeug. Der Flüchtige fuhr kreuz und quer durch Wohnsiedlungen, raste auf der L1147 weiter in Richtung Oberberken, wobei er trotz Überholverbot und Gegenverkehr mehrere Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit waghalsig überholte.

Inzwischen hatte eine weitere Streifenbesatzung aufgeschlossen, die den Flüchtigen ebenfalls mit Blaulicht und Martinshorn verfolgte. Die Flucht führte durch Oberberken, die er mit deutlich über 100 Stundenkilometer, anstatt erlaubtem Tempo 50, durchfuhr. Am Ortsende Oberberken fuhr der 53-Jährige an einer Verkehrsinsel links vorbei und überholte einen Linienbus. Ein entgegenkommender Lkw-Fahrer konnte nur durch eine starke Bremsung einen Frontalzusammenstoß verhindern.

Der Fiat-Raser setzte seine Fahrt unbeeindruckt mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Göppingen fort. Nun versuchte zweimal eine Streifenbesatzung den Flüchtigen zu überholen, um ihn zum Anhalten zu bewegen. Beide Überholversuche mussten abgebrochen werden, da der 53-Jährige durch Lenkbewegungen versuchte, den Streifenwagen von der Straße zu drängen.

In einer Linkskurve am Waldbeginn nach Unterberken schnitt er die Kurve, so dass ein entgegenkommender Motorradfahrer stark abbremsen und nach rechts ausweichen musste. Beim ehemaligen Bundeswehrdepot bog der Flüchtige nun in den Wald ab und fuhr weiter über Feldwege in Richtung Nassachtal. Beim Waldparkplatz Bärentobel musste sich eine 65-jährige Fußgängerin mit ihrem Hund mit einem Sprung über einen Abhang retten. Sie wäre sonst von dem rücksichtslosen Fiat-Fahrer erfasst worden.

Anschließend fuhr der Verkehrsrowdy auf der L1152 durch die Ortschaften Nassach und Nassachtal bis nach Uhingen weiter. Dort bog er in ein Industriegebiet ab. Als er bemerkte, dass er sich in einer Sackgasse befand, wendete er und fuhr zurück. Eine Streifenbesatzung hatte ihr Fahrzeug inzwischen an einer Einmündung quer gestellt und wollte so eine Durchfahrt verhindern. Der Fiat-Fahrer raste jedoch auf den ausgestiegenen Beifahrer zu. Nur durch die geistesgegenwärtige Reaktion des Streifenwagen-Fahrers, der sein Polizeiauto stark beschleunigte, und durch einen Sprung des Beifahrers zurück in den Streifenwagen, konnte verhindert werden, dass der Beifahrer zwischen Polizeiwagen und Fiat Ducato eingequetscht worden wäre.

Anschließend flüchtete der hemmungslose Sprinter-Fahrer aus dem Industriegebiet über die L1192 in Richtung Ebersbach. Hierbei missachtete er das Rotlicht einer Ampelanlage. Unter Beteiligung von sieben Streifenbesatzungen von den Polizeidirektionen Waiblingen und Göppingen konnte der Flüchtige schließlich am Ortsbeginn Ebersbach angehalten und festgenommen werden. Von der hollywoodreifen Verfolgungsjagd offenbar müde geworden leistere er bei seiner Festnahme keinen Widerstand.

Dem nun ruhig gestellte 63-Jährige war nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis, weshalb er sich zur Flucht entschieden hatte. Im droht nun ein Strafverfahren. Mit Sicherheit dürfte er die nächste Zeit keinen Führerschein mehr bekommen. pol

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