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Ministerpräsident Winfried Kretschmann kommt mit seiner bescheidenen Art auch bei den Wählern der CDU an. Er wirkt lange nicht so überheblich und abgehoben wie andere Politiker. © dpa
21.03.2012

Winfried Kretschmann punktet auch bei CDU-Wählern

Aus Sicht des Politikwissenschaftlers Klaus von Beyme kommt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit einer Mischung aus Modernität und Konservatismus bei den Bürgern gut an. Besonders bei älteren Menschen und auch bei CDU-Wählern könne der Grüne punkten, sagte von Beyme der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart.

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«Nach einem Jahr Amtszeit waren andere Regierungschefs schon deutlich stärker verschlissen als Kretschmann», fügte er mit Blick auf Horst Seehofer (CSU) in Bayern und den früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) hinzu. Der 63-jährige Kretschmann wirke engagiert und energiegeladen.

Der Grünen-Politiker sei nach seinem Amtsantritt im Mai vergangenen Jahres wegen einer gewissen Hilflosigkeit und seines «penetranten schwäbischen Akzents» belächelt worden. «Doch sein Understatement ist mittlerweile sehr beliebt. Extravaganzen sind in Schwaben ohnehin nicht gefragt.» Viele Politiker überschätzten im Gegensatz zu Kretschmann ihre Kompetenz oder würden von außen überbewertet, kritisierte der Heidelberger Professor. Im Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 habe sich Projektgegner Kretschmann sehr fair verhalten. «Er war ein hervorragender Verlierer.»

Bei einer Wahl jetzt würden die Grünen nach seiner Einschätzung noch besser abschneiden als am 27. März 2011; damals landeten sie bei 24,2 Prozent. «Ich denke, sie könnten zwei Prozentpunkte mehr holen.» Damit würden sie auch ihren Abstand zur SPD vergrößern, die nach Ansicht von Beymes in der Wählergunst abrutschen würde. Damals kamen die Sozialdemokraten auf 23,1 Prozent der Stimmen.

Die CDU sieht von Beyme unverändert bei 39 Prozent. «Deren Hauptproblem ist, dass sie keinen Koalitionspartner hat.» Denn die Chancen der FDP (2011: 5,3 Prozent), derzeit die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen, seien ebenso gering wie die der Linkspartei. Dagegen sieht von Beyme genug Potenzial im Südwesten für die Piratenpartei, den Sprung ins Parlament zu schaffen. «Die CDU wird versuchen, sich auf die Grünen zuzubewegen», prognostizierte der Experte. Doch sei die Wahrscheinlichkeit einer schwarzen-grünen Koalition sehr gering, zumal Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin dies bereits in Nordrhein-Westfalen schlichtweg abgelehnt habe. dpa

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