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Eine Bewährungsstrafe erhielt der Vater des Amokläufers von Winnenden. Die Eltern der in der Realschule von Winnenden getöteten Kinder hatten auf einen Schuldspruch als Zeichen gehofft. © dpa
10.02.2011

Winnenden-Amoklauf: Bewährung für Vater von Tim K.

STUTTGART. Der Vater des Amokläufers von Winnenden muss nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Stuttgart verurteilte den 52- jährigen Unternehmer am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. Der Sportschütze hatte die Pistole, mit der sein Sohn vor knapp zwei Jahren 15 Menschen und sich selbst erschoss, unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt.

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Er sei der 15-fachen fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung in 14 Fällen schuldig, urteilte das Gericht. Außerdem habe er gegen das Waffengesetz verstoßen.

Hinterbliebene des Amoklaufs von Winnenden erhofften sich von dem Urteil gegen den Vater des Täters ein wichtiges Zeichen für die Öffentlichkeit. «Die Frage des Strafmaßes ist sekundär», sagte Jens Rabe, ein Vertreter der Nebenklage, am Donnerstag im Landgericht Stuttgart. Am wichtigsten sei, dass es ein klares Signal des Gerichts gebe und der Vater nicht nur wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt werde, sondern auch wegen fahrlässiger Tötung. «Der Prozess war für die Hinterbliebenen emotional sehr belastend, gleichwohl aber hilfreich.» Sie hätten unter anderem erfahren, wie ihre Kinder genau zu Tode gekommen seien.

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Wer in seiner privaten Wohnung gefährliche Waffen halte, habe eine erhöhte Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, sagte die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, Gisela Mayer, im ZDF-«Morgenmagazin». «Wenn man diese Norm verletzt, dann wird man deutlich bestraft.» Der Vater ist angeklagt, weil er die Waffe, mit der sein Sohn 15 Menschen und sich selbst im März 2009 erschossen hatte, unverschlossen aufbewahrt hatte.

Mayer, die bei dem Amoklauf ihre Tochter verloren hatte, sagte: «Es gibt keine Gerechtigkeit, die diesen 15-fachen Mord in irgendeiner Weise sühnen könnte.» Allerdings sitze auf der Anklagebank nicht der Amokläufer, sondern sein Vater. Die Vorsitzende der Stiftung kritisierte, dass das Waffengesetz bis heute nicht wirklich verschärft wurde.

Das Aktionsbündnis kritisierte in einem offenen Brief die mangelhafte Einsicht bei Waffenbesitzern und Schützenverbänden. Sie setzten sich noch immer gegen eine bessere Kontrolle und Sicherung von Schusswaffen vor Missbrauch zur Wehr, sagte Bündnis-Sprecher Hardy Schober.

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