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Vereistes Spektakel im Südwesten. © dpa
07.02.2012

Winterlust und Kältefrust im Südwesten

Stuttgart/Rottenacker/Mannheim. Der klirrende Frost hat Baden-Württemberg weiter fest im Griff: Bis zu minus 24,6 Grad hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) Stuttgart in der Nacht zum Montag im Land gemessen. Der kälteste Ort war demnach Leutkirch (Kreis Ravensburg). «Es ist durchaus möglich, dass örtlich in einigen Senken auf der Albhochfläche oder im Südschwarzwald Werte bis minus 26 Grad erreicht wurden», sagte DWD-Meteorologe Klaus Riedl am Montag in Stuttgart.

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Warm eingepackt trotzten viele Menschen der Kälte und ließen sich die Sonnenstrahlen auf die Nase scheinen. Schlittschuhläufer drehten auf kleineren Seen ihre Runden. Dabei war jedoch Vorsicht geboten: Mehrfach waren schon am Wochenende Schlittschuhläufer durchs Eis gebrochen; ein 58 Jahre alter Mann starb. Die Polizei in Stuttgart jagte sicherheitshalber rund 150 Spaziergänger und Freizeitsportler vom Max-Eyth-See. Auch die Stadt Heilbronn warnte, dass die Eisdecke mit unter 15 Zentimetern noch zu dünn sei. Die Stadt Freiburg gab dagegen den Waldsee bis zum nächsten Wetterumschwung frei, weil das Eis mehr als zehn Zentimeter dick ist. Auch hier gilt dennoch: Betreten auf eigene Gefahr.

Über guten Zulauf freuten sich mehrere Mineralbäder. Weil die Wintersportmöglichkeiten wegen des geringen Schneefalls eher begrenzt seien, tummelten sich mehr Badegäste als sonst in den wohlig warmen Außenbecken, sagte eine Sprecherin der Bäderbetriebe Stuttgart.

Frost-Frust hatten dagegen viele Autofahrer: Bei der klirrenden Kälte gaben deutlich mehr Batterien den Geist auf als sonst. «Die Nachfrage ist um etwa 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen», sagte Dietmar Clysters, Sprecher des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Er rät Autofahrern, bei Kurzstrecken nicht gleich Klimaanlage, Scheibenheizung und Sitzheizung einzuschalten.

Einen völlig unterkühlten Afghanen fand ein 32 Jahre alter Lastwagenfahrer am Montag in Plochingen (Kreis Esslingen) in seinem Anhänger. Die Polizei geht davon aus, dass sich der 22-Jährige bereits in Serbien in den Lastwagen geschlichen und trotz bitterer Kälte tagelang im Laderaum versteckt hatte. In Rottenacker (Alb-Donau-Kreis) wurden zwei Männer am Montag schwer verletzt, als sie den eingefrorenen Dieseltank ihres Lastwagens mit einem Gasbrenner erwärmen wollten. Sie fingen dabei selbst Feuer. Einem 41 Jahre alten Autofahrer in Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis)half dagegen der Winter: Er konnte sein brennendes Auto nach Polizeiangaben mit Schnee löschen.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis blieben am Montag etliche Menschen auf ihrem Abfall sitzen. Die Müllabfuhr konnte laut Landratsamt vielerorts nicht fahren, weil der Diesel-Kraftstoff in den Tanks gefror oder die Hydraulik wegen des Frosts nicht mehr funktionierte. In höheren Lagen platzten zum Teil auch Wasserrohre und Wasserzähler. Auf den Schienen kam es wegen der Eiseskälte ebenfalls zu einigen Verzögerungen: Rund ein Dutzend der etwa 9000 Weichen in Land setzten zeitweise aus und mussten nachjustiert werden, sagte ein Bahnsprecher auf Nachfrage. Auf Rhein und Neckar sind mehrere Arbeitsschiffe als Eisbrecher unterwegs, um anderen Schiffen den Weg frei zu machen.

Die Kälte sorgt in der Textilbranche für steigende Umsätze und haufenweise Kunden, wie der Einzelhandelsverband Baden-Württemberg am Montag berichtet. Das Modehaus Breuninger nannte als Top 3 der meistgekauften Winteraccessoires Mützen, Handschuhe und Winterjacken. ««Sämtliche Waren aus den Lagern befinden sich infolge der starken Nachfrage auf den Verkaufsetagen. Alles, was irgendwie warm hält. Besonders gefragt ist auch Funktionsbekleidung, wie Skijacken»», sagte Breuninger-Sprecher Christian Witt.

Nach Angaben des Deutschen Hausärzteverbands in Baden-Württemberg ist die Mütze auf dem Kopf bei den frostigen Temperaturen am wichtigsten. Bis zu zehn Prozent der Gesamtkörperwärme verliere der Mensch über den Kopf. Bei Kälte verengten sich die Blutgefäße in Hände und Füße zuerst. Sie würden weniger durchblutet. Darum seien dicke Handschuhe und warme Stiefel bei Minusgraden Pflicht.

Für die Nacht zum Dienstag rechnet Meteorologe Riedl mit ähnlichen eisigen Temperaturen wie am frühen Montagmorgen. In den Nächten danach könne es wegen aufziehender Bewölkung, die auch etwas Schneefall mit sich bringe, einen Hauch wärmer werden. Der Frühling ist jedoch noch nicht in Sicht: Bis Mitte kommender Woche würden frostige Nächte mit minus 5 bis minus 10 Grad erwartet.