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Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Hermann Simon sagt dem deutschen Mittelstand gute Zukunftsaussichten voraus. Foto: dpa
simon © dpa
20.09.2011

Wirtschaftsexperte: Mittelstand vor goldenen Zeiten

Stuttgart/Bonn. Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Hermann Simon sieht auf den innovativen deutschen Mittelstand goldene Zeiten zukommen - falls der sich auf seine Stärken konzentriert.

«Was diesen Teil der deutschen Wirtschaft anbelangt, bin ich überaus optimistisch. Man sagt, China wird die Fabrik der Welt. Es fragt aber keiner, wer diese Fabrik denn baut. Die bauen nämlich wir», sagte Simon - der für sein Wissen über verborgene Weltmarktführer (Hidden Champions) bekannt ist - in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Elektrizität, Wasser, Eisenbahnen, Häfen: Bei Infrastruktur dieser Art hat die Welt unendlichen Bedarf - die Wachstumschancen sind auf Jahrzehnte unbegrenzt.»

Der Marktführerschafts-Forscher warnte angesichts der verlockenden Chancen davor, dass sich Unternehmen zu breit aufstellen. Anstatt in verwandten Marktsegmenten weitere Verdienstmöglichkeiten zu suchen, sollten sie vielmehr auf den Ausbau ihrer Kernkompetenzen setzen. Die hundertfachen Beispiele deutscher Weltmarktführer, die in ihren Nischen unschlagbar sind, bestätigten den Erfolg dieser Taktik. «Wer auf fünf Hochzeiten gleichzeitig tanzt, wird nie ein Hidden Champion. Man muss sich auf eine Sache konzentrieren und über Jahrzehnte dabeibleiben.»

Als eine der größten strukturellen Gefahren für den Mittelstand sieht auch Simon den allseits viel beklagten Fachkräftemangel. «Dass zu wenige Leute in technische Berufe gehen - sei es an der Uni oder auf der Facharbeiterebene - ist ein Riesenthema, das wir meiner Meinung nach nur mit qualifizierter Zuwanderung lösen können - ein Thema, vor dem sich Deutschland unerklärlicherweise, man kann auch sagen in großer Dummheit, drückt.» dpa