nach oben
Schüler der Geschwister-Scholl- Schule in Tübingen (Baden-Württemberg) melden sich am 16.01.2012 während des Unterrichts. Die Schule ist ein Schulverbund mit Gymnasium, Realschule und Hauptschule.
Schüler der Geschwister-Scholl- Schule in Tübingen (Baden-Württemberg) melden sich am 16.01.2012 während des Unterrichts. Die Schule ist ein Schulverbund mit Gymnasium, Realschule und Hauptschule. © dpa
12.08.2015

Wolf positioniert sich klar gegen neue Gemeinschaftsschulen

Stuttgart. Unter einer CDU-geführten Landesregierung wird es keine neuen Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg geben. Dies machte der Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2016, Guido Wolf, klar. Der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart sagte er: «Wir werden als CDU-geführte Landesregierung keine neuen Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg gründen.»

Zugleich räumte er ein, dass die Frage eines acht- oder neunjährigen Gymnasiums (G8, G9) in der Partei umstritten sei. «Wir werden die endgültige Entscheidung auf dem Parteitag im November fällen», sagte er. Für ihn sei die Frage allerdings falsch gestellt. «Sie darf nicht lauten: G8 oder G9? Die Frage muss lauten: Was müssen wir tun, um an unseren Gymnasien maximale Qualität zu gewährleisten?»

Das sogenannte Turbo-Abitur in acht Jahren war noch unter der früheren Landeskultusministerin Annette Schavan (CDU) in Baden-Württemberg eingeführt worden. Das früher übliche, neunjährige Abitur gibt es heute im Südwesten nur an wenigen Modellschulen.

Wolf beteuerte, dass er gegen die Wiedereinführung der von Grün-Rot abgeschafften verbindlichen Grundschulempfehlung sei. «Wir hätten sie nicht abgeschafft. Sie aber nach fünf Jahren wieder einzuführen, hielte ich für den falschen Weg.» Er befürwortete aber ein verpflichtendes Beratungsgespräch auf Basis der Grundschulempfehlung.

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) glaubt aber nicht, dass die CDU im Wahlkampf mit dem Bildungsthema punkten kann. «Die Opposition kann keine Alternativen zum zweigliedrigen Schulsystem, zur Inklusion und zum Ausbau von Ganztagsschulen bieten», sagte er. «Auch die Attacken gegen die Gemeinschaftsschulen laufen ins Leere, weil viele CDU-Kommunalpolitiker diese Schulart sehr schätzen.»

Bildungspolitik sei immer ein schwieriges Feld, meinte Stoch. «Dass gilt für die CDU-geführte Vorgängerregierung und wie für die Kollegen in anderen Bundesländern», sagte der Minister. «Wenn es Veränderung gibt, herrscht Unzufriedenheit - ebenso wenn es keine gibt.»

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger steht Gemeinschaftsschulen abwartend gegenüber. «Ob die Gemeinschaftsschule richtig ist, muss sich erst noch zeigen», sagte Dulger der dpa. «Noch gibt es ja keine Absolventen.» In der Gemeinschaftsschule werden Schüler mit der Empfehlung für das Gymnasium, für die Realschule sowie für die Haupt- und Werkrealschule in einem Klassenverband unterrichtet.

An den Schulen sei eine stärkere Berufsorientierung nötig, meinte Dulger. «Ich wünsche mir eine Stärkung der MINT-Fächer», sagte er. «In den Sekundarstufen braucht es mehr Technik und Informationstechnik.» Das Kürzel MINT umfasst die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.