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Im Kampf gegen Sexualdelikte haben Staatsanwälte immer mehr zu tun. Vor allem die Verbreitung von Kinderpornos beschäftigt die Anklagebehörde in der Landeshauptstadt. 

Zahl der Verfahren wegen Sexualdelikten steigt um 33 Prozent

Stuttgart. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ächzt unter immer mehr Verfahren wegen Sexualdelikten. Die Zahl der Verfahrenseingänge stieg im Jahr 2020 massiv um 32,8 Prozent auf 2965, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Dittrich am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Das sei vor allem auf die stark zunehmende Zahl der Verfahren wegen des Verdachts des Besitzes oder der Verbreitung von Kinderpornografie zurückzuführen.

Der Austausch solcher Dateien in Chat-Gruppen habe eine Vielzahl an Verfahren zur Folge, sagte Dittrich. Es gebe zudem immer wieder Phasen, wo ausländische Behörden verstärkt Daten in dem Bereich auswerteten und an die Staatsanwaltschaften lieferten.

Nach Angaben des Innenministeriums war die Zahl polizeilich erfasster Sexualdelikte im Jahr 2020 in Baden-Württemberg um rund 14 Prozent gestiegen - vor allem wegen der Verbreitung kinderpornografischen Materials. Im vergangenen Jahr gab es demnach 1660 entsprechende Verdachtshinweise, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Wie viele Menschen wegen solcher Taten im Jahr 2020 verurteilt wurden, sei bislang nicht ausgewertet, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Zahlen dazu sollen im Oktober vorliegen.

Auch Gesetzesänderungen führten zu immer mehr Verfahrenseingängen bei Sexualdelikten, sagte Oberstaatsanwalt Dittrich. So sei die sexuelle Belästigung nun ein Straftatbestand. Mit dem Gesetz zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder, das weitere Strafverschärfungen enthält und seit Juli in Kraft ist, erwarten die Stuttgarter Staatsanwälte eine weitere starke Zunahme an Verfahren.

Auch das Gesetz zur Bekämpfung von Hass und Hetze im Internet, das im April in Kraft getreten ist, werde viel Arbeit bescheren, sagte Dittrich. Gerichte und Staatsanwaltschaften müssten deshalb mit dem notwendigen Personal ausgestattet werden.

Insgesamt bekommt die Staatsanwaltschaft immer mehr Verfahren auf ihre Tische: 2020 habe die Zahl der Verfahren gegen bekannte Beschuldigte mit 117 317 auf dem höchsten Niveau seit einigen Jahren gelegen. Der größte Anteil waren allgemeine Strafsachen (74 476, +5,6 Prozent), gefolgt von Verkehrsstrafsachen (20 004, -2,8 Prozent) und Wirtschaftsstrafsachen (3273, -0,5 Prozent). Betäubungsmittelstrafsachen haben den Angaben zufolge um drei Prozent auf 12 831 zugelegt, Kapitaldelikte um 13 Prozent auf 130 Verfahren.

Im vergangenen Jahr wurden mehr Verfahren erledigt als eingegangen sind - 118 920 Verfahren konnten abgeschlossen werden. Am Jahresende waren noch 14 937 Verfahren offen. Die durchschnittliche Verfahrensdauer verkürzte sich von knapp 58 Tagen im Vorjahr auf knapp 55 Tage, wie es weiter hieß.