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hammer © picture alliance / dpa
21.02.2014

Zehn Jahre Haft für Mordversuch mit Chloroform

Heidelberg (dpa/lsw) - Weil er seine Ex-Frau mit einem Elektroschocker angegriffen und ihr Chloroform in beide Arme gespritzt hat, muss ein 38-Jähriger für zehn Jahre hinter Gitter. Die Richter des Heidelberger Landgerichts werteten die Tat am Freitag als Mordversuch und gefährliche Körperverletzung. «Es sollte eine perfekte Tat sein», sagte der Vorsitzende Richter.

Der Mann aus Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) hatte sich im Internet ausführlich über die Wirkung von Chloroform informiert. Die Frau überlebte zwar, leidet aber laut Kammer bis heute: «Psychisch ist sie auch neun Monate nach der Tat noch stark mitgenommen.»

Der Mann hatte zwar ein Teilgeständnis abgelegt. Bis zuletzt beteuert er aber, er habe sein Opfer nicht töten wollen. Die Verteidigung hatte daher auf schwere Körperverletzung plädiert. Ihr zufolge wollte der Angeklagte der Frau glauben machen, sie habe einen Anfall gehabt - und er sei ihr Retter gewesen. Auf diese Weise habe er seine «große Liebe» wieder an sich binden wollen.

Täter und Opfer waren Jahre nach ihrer Scheidung wieder zusammengekommen. Da der Mann stark eifersüchtig war und die Frau ständig kontrollierte, wollte sie sich jedoch bald wieder von ihm trennen.

Das Gericht folgte mit dem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Version des Angeklagten fanden die Richter «reichlich absurd»: «Wenn er fürsorglich sein wollte, wo blieb dann die Fürsorge, als er die bewusstlose Frau einfach liegenließ?»

Letztlich habe der Mann zwar einen Arzt gerufen - aber nur, weil der gemeinsame Sohn ihn dazu drängte. Die Frau lag mehrere Tage in einem künstlichen Koma. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; die Revision ist binnen einer Woche möglich.