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Nagold wird zum Blütenmeer. Am kommenden Freitag wird dort die Landesgartenschau eröffnet. © dpa
22.04.2012

Zehntausende Blumen blühen schon vorm Landesgartenschau-Start in Nagold

Es ist wie ein riesiges Blütenmeer aus 70.000 Blumen: Monatelang haben Gärtner in Nagold für die Landesgartenschau gepflanzt und gesät. Kurz vor der Eröffnung am Freitag, 27. April, leuchten die Blumen schon in ihren schönsten Farben. Doch die Blüten sind nur das eine - bei den alle zwei Jahre veranstalteten Landesgartenschauen geht es vor allem darum, dass die Städte langfristig profitieren und lebenswerter werden. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen: Auch wenn die Blumen längst verblüht sind, profitieren die Städte noch deutlich von einer Gartenschau.

Bildergalerie: Nagold erwartet den Start der Landesgartenschau

In Nagold laufen die Vorbereitungen bis zur letzten Minute. Einige Blumen müssen noch gepflanzt werden, Wege sind noch nicht fertig, für die geplante Parkeisenbahn fehlen noch die Schienen. Trotzdem sind die Geschäftsführer Richard Kuon und Manfred Wenninger schon sichtlich zufrieden. Entlang der Flüsse Nagold und Waldach blühen Stiefmütterchen, Hornveilchen, Tulpen, Narzissen, Vergissmeinnicht und Island-Mohn. Insgesamt 4000 Quadratmeter groß sind die Beete.

Wo früher ein trister Parkplatz war, liegt heute der Krautbühlpark. Wo früher eine Betonplatte und der Busbahnhof die Waldach verdeckten, wurde der Fluss wieder freigelegt und abschnittweise renaturiert. Ein Minigolfplatz wurde komplett modernisiert, ein riesiger Spielplatz für Kinder und Jugendliche gebaut. «Das alles bleibt auch nach der Landesgartenschau», sagt Kuon. «Das ist wirklich ein großer Mehrwert für uns Nagolder.»

Und auch die Gebäude werden weitergenutzt. Im Treffpunkt Baden-Württemberg, in dem sich während der Gartenschau die Landesregierung präsentiert, wird anschließend eine Kindertagesstätte eröffnet. In den Landkreis-Pavillon zieht die Jugendkunstschule ein, und das Gebäude des Landesbetriebs Forst sollen Vereine weiternutzen.

Minister Alexander Bonde (Grüne), der für den ländlichen Raum zuständig ist, hält das für ein ganz wichtiges Ziel. «Landesgartenschauen sind keine sechsmonatigen Blümchenschauen, sondern sie verbessern die Infrastruktur», betont er. Mehr als 250 Millionen Euro sind seit 1980 in die Landesgartenschauen geflossen. Mehr als 650 Hektar Grünanlagen sind in den Städten neu errichtet oder neu gestaltet worden. Mit bleibendem Erfolg.

«Wir haben hier wirklich Dauerhaftes geschaffen», erzählt Rupert Kubon (SPD), Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis), dem Ort der Gartenschau 2010. Die damals geschaffene drei Kilometer lange Grünfläche von der Schwenninger Stadtmitte bis zum Naturschutzgebiet Schwenninger Moos sei heute ein beliebtes Naherholungsgebiet. Die Gebäude, die damals errichtet wurden, werden heute von Vereinen und den Kirchen genutzt.

Zwar müssen die Städte einen Großteil der Investitionen selbst finanzieren. Aber ohne Landesgartenschau ist das laut Kubon einfach nicht realistisch. «Da geht es um Psychologie, um die Idee, für eine Landesgartenschau die Kräfte zu bündeln. Einfach nur zu sagen: Wir machen jetzt einen neuen Grünzug, das funktioniert nicht so leicht.»

Die Nagolder jedenfalls scheinen sich nach anfänglicher Skepsis inzwischen auf ihre Landesgartenschau zu freuen. Seit Tagen stehen immer wieder Neugierige am Zaun. 15.000 Dauerkarten sind in der 22.500 Einwohner großen Stadt verkauft worden.

In Schwäbisch Gmünd, der nächsten Gartenschau-Stadt, laufen unterdessen schon die Vorbereitungen für 2014 auf Hochtouren. Die Stadt im Ostalbkreis nutzt die Gartenschau, um das Zentrum weitgehend neu zu gestalten. Mit Hilfe eines 230 Millionen Euro teuren Tunnels soll mit der B29 eine der meistbefahrenen Bundesstraßen im Land nicht mehr an der Rems entlangführen. Wo früher zehntausende Autos pro Tag unterwegs waren, wird nach der Landesgartenschau ein idyllischer Grünstreifen am Fluss erhalten bleiben. dpa