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Claus Schmiedel, der 

Fraktionsvorsitzende der SPD im baden-württembergischen Landtag, steht 

am Samstag (13.11.2010) auf dem Stuttgarter Schlossplatz bei einer 

Kundgebung von Gewerkschaften mit mehreren tausend Teilnehmern.
Claus Schmiedel, der Fraktionsvorsitzende der SPD im baden-württembergischen Landtag, steht am Samstag (13.11.2010) auf dem Stuttgarter Schlossplatz bei einer Kundgebung von Gewerkschaften mit mehreren tausend Teilnehmern. © dpa
13.11.2010

Zehntausende demonstrieren gegen Sozialabbau

STUTTGART. ­Gewerkschafter gehen gegen Sozialabbau auf die Straße: Mehrere zehntausend Menschen haben am Samstag in Stuttgart auf einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gegen den Sparkurs der Regierung protestiert. Der Veranstalter sprach von 45 000 Teilnehmern, die Polizei von 30 000.

IG-Metall-Chef Berthold Huber sprach auf der Kundgebung von einer Beeinflussung von Politik durch Wirtschaftsinteressen. «Wir wollen keine Republik, in der mächtige Interessengruppen mit ihrem Geld, mit ihrer Macht und mit ihrem Einfluss die Richtlinien der Politik bestimmen», sagte er. Egal ob in Berlin oder Stuttgart, wer so eine Politik betreibe, stoße überall auf Widerstand. Nicht die Interessen der Finanzbranche, sondern die Bedürfnisse der Menschen müssten laut Huber Maßstab für politisches und wirtschaftliches Handeln sein. «Wer glaubt, sich hemmungslos bereichern zu können, steht nicht mehr auf dem Boden unserer Verfassung», sagte der IG-Metall-Chef.

Ein Schlaglicht warf Huber auf die schlechte Situation der Praktikanten und Auszubildenden: «Statt guter Ausbildung und guten Arbeitsplätzen werden sie in unsichere und schlecht bezahlte Arbeitsplätze abgedrängt. Schaffen Sie endlich mehr Ausbildungsplätze, investieren Sie in gute Bildung», forderte er.

Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf sagte, die Folgen der Finanzkrise gingen zulasten der Arbeitnehmer und der kleinen Leute. «Eine Politik, die die Schwachen drangsaliert, aber die Reichen schont ist zutiefst unsozial», sagte er zu den Demonstranten, die aus ganz Baden-Württemberg angereist waren. Auch die Rente mit 67 müsse gestoppt werden. Von den Regierenden wünscht er sich, dass ein besserer Schutz von Geringverdiener durchgesetzt wird. «Wir brauchen Mindestlöhne als Haltelinie nach unten», meinte Landgraf.

Mit der Großkundgebung in Stuttgart läutete der DGB seine gewerkschaftlichen Herbstaktionen ein, die auf die soziale Ungerechtigkeit in Deutschland aufmerksam machen sollen. In ganz Deutschland hätten sich 100 000 Menschen daran beteiligt, hieß es. dpa