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Die französische Tageszeitung «Le Figaro» berichtet am Donnerstag, dass aufgrund von geplanten Einsparungen das 110. französische Jägerregiment aus dem deutschen Donaueschingen werden soll.
Die französische Tageszeitung «Le Figaro» berichtet am Donnerstag, dass aufgrund von geplanten Einsparungen das 110. französische Jägerregiment aus dem deutschen Donaueschingen werden soll. © dpa
10.10.2013

Zeitung: Frankreich erwägt Abzug von Soldaten aus Donaueschingen

Paris/Donaueschingen (dpa/lsw) - Das französische Verteidigungsministerium erwägt offensichtlich den Abzug des im deutschen Donaueschingen stationierten Infanterieregiments. Wie die Tageszeitung «Le Figaro» am Donnerstag unter Berufung auf «mehrere gut informierte Quellen» berichtete, könnten die Soldaten in Baden-Württemberg bereits im kommenden Sommer den Abmarschbefehl erhalten. Hintergrund seien die geplanten Einsparungen im Verteidigungshaushalt, hieß es.

Die Politik hält sich über die Pläne für das 110. Infanterieregiment bislang bedeckt. Eine Auflösung gilt als heikel, da es Teil der Deutsch-Französischen Brigade ist. «Ich habe noch keine abschließende Position», sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian der Regionalzeitung «Dernières Nouvelles d'Alsace» (Mittwoch). Er plane Stück für Stück.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte der dpa in Berlin: «Es gibt keine abschließende Entscheidung der französischen Seite. Wir sind im Gespräch. Unsere Position ist der französischen Seite klar.»

Donaueschingen werde für den Erhalt der Brigade kämpfen, sagte Bürgermeister Bernhard Kaiser. Das deutsche und französische Militär sei für die 21 000 Einwohner zählende Stadt im Schwarzwald sowie für die Region ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsmotor. Zudem sei die binationale Brigade ein wichtiges Symbol der Partnerschaft beider Länder. Kaiser forderte die deutsche Regierung auf, sich für den Erhalt der Brigade und des Standorts Donaueschingen einzusetzen.

Die Brigadeführung selbst wollte sich auf Anfrage zunächst nicht äußern. Vor dem Aus stand die Brigade zuletzt im Sommer 2008. Schon damals wollte Frankreich den Rotstift ansetzen. Nach monatelangem Tauziehen hatten sich die Regierungen in Paris und Berlin dann schließlich auf den Fortbestand der Militäreinheit geeinigt.

In französischen Militärkreisen werden die Überlegungen nach Angaben des «Figaro» mit großer Beunruhigung verfolgt. «Die Auflösung des 110. Infanterieregiments käme der Auflösung der Deutsch-Französischen Brigade gleich», zitierte das Blatt einen namentlich nicht genannten Offizier. Einen solche Entscheidung wäre taktisch und politisch ein Fehler.

Die Deutsch-Französische Brigade gilt als ein wichtiges Symbol der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Sie wurde 1987 von Helmut Kohl und François Mitterrand ins Leben gerufen und umfasst rund 5000 Soldaten.