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Diese Elefantenkuh im Safaripark in Schloß Holte-Stukenbrock, die von ihrem Pfleger Stefan Frank gefüttert wird, hatte einen Menschen getötet und wurde daraufhin aus dem Zirkus Luna in eine neue Heimat gebracht. In Heilbronn hat der Gemeinderat beschlossen, Zirkusse mit Wildtieren nicht mehr im Stadtgebiet auftreten zu lassen.
Diese Elefantenkuh im Safaripark in Schloß Holte-Stukenbrock, die von ihrem Pfleger Stefan Frank gefüttert wird, hatte einen Menschen getötet und wurde daraufhin aus dem Zirkus Luna in eine neue Heimat gebracht. In Heilbronn hat der Gemeinderat beschlossen, Zirkusse mit Wildtieren nicht mehr im Stadtgebiet auftreten zu lassen. © dpa
06.12.2015

Zirkusse mit Wildtieren dürfen nicht mehr in Heilbronn auftreten

Der Gemeinderat in Heilbronn hat es gewagt. Von 2016 an dürfen Zirkusse mit Wildtieren nicht mehr in der Käthchenstadt auftreten. Tiger und Elefanten hätten im Zirkus nichts mehr zu suchen, wird Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) zitiert. Man reagiere auf einen Wertewandel. Zwei Drittel der Deutschen finden es laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF nicht gut, wenn Elefanten, Giraffen und Tiger in Zirkusbetrieben gehalten werden. Verbote wie in Heilbronn wurden andernorts aber auch schon von Gerichten gekippt - mit Verweis auf die Berufsfreiheit.

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Beim Weihnachtscircus auf dem Wasen in Stuttgart treten Elefanten auf, für einen Zirkus in Waiblingen wird mit Löwen geworben. Und auch beim Weihnachtszirkus in Heilbronn darf es noch bis 2019 Raubtiernummern geben, aber nur weil die Verträge schon gemacht sind. Auch Tiere im Altbestand von Zirkussen sind von dem Verbot dort ausgenommen. Es sein ein Kompromiss, sagt OB Mergel.

Mit aller Regelmäßigkeit streiten Tierschützer und Zirkusse darum, ob Wildtiere aus reisenden Unternehmen verbannt werden müssen. Zuletzt sorgte im Sommer ein schlimmer Vorfall in Buchen im Odenwald für Debatten: Ein Elefant war aus einem Zirkus ausgerissen und hatte einen Spaziergänger getötet. Wie die Bundestierärztekammer forderte auch der Bundesrat zuletzt 2011 ein Verbot von Großaffen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden in der Manege. Die große Koalition in Berlin ging darauf aber bisher nicht ein - auch mit Verweis auf die Berufsfreiheit.

«Es ist nicht notwendig, alles zu verbieten», sagt Baden-Württembergs Tierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. Heißt: Pferde ließen sich vernünftig halten, Giraffen aber eben nicht. «Das kann nicht gehen.» Genauso unrealistisch sei es, zu behaupten, man könne als Zirkus Flusspferde angemessen halten. Überdies gefalle sowas den Zuschauern gar nicht mehr. Vielen seien «regelrecht beschämt», so Jäger. Zirkusse mit Wildtieren seien ein «überholtes Zeitphänomen».

Tipps, die Jäger den Kommunen an die Hand gab, um Zirkussen mit Elefanten oder Giraffen den Zugang zu den Festplätzen zu verwehren, hatten 2013 für Protest der Zirkusse gesorgt. Einen regelrechten «Boykott-Aufruf» an die Kommunen sieht etwa der Berufsverband der Tierlehrer hinter dem Jäger-Papier. Nur wenige Branchen würden so streng kontrolliert, behauptet Frank Keller vom Zirkus Krone. «Wir haben auch schwarze Schafe, aber dafür muss man die guten nicht bestrafen.» Laut Verband gibt es in deutschen Zirkussen noch zwei Giraffen, zwei Nashörner, zwei Nilpferde und rund 40 Elefanten.

Das Wildtierverbot für Zirkusse in Heilbronn sei «wissenschaftlich nicht begründbar», heißt es beim Aktionsbündnis «Tiere gehören zum Circus». Diverse Wissenschaftler hielten eine tiergerechte Haltung von Wildtieren im Zirkus durchaus für möglich. Das Training in der Manege habe eine stimulierende Wirkung auf die Tiere und fördere somit deren körperliche und geistige Fitness.

Der Städte- und der Gemeindetag wollen im Frühjahr entscheiden, ob sie sich den Jäger-Tipps anschließen. «Die Tendenz geht dahin», sagt Gerhard Mauch, Dezernent beim Städtetag Baden-Württemberg. Geklärt werden müssten jedoch noch Fragen etwa zum Kontrollaufwand. Eine nicht verbindliche Empfehlung sei wohl das Wahrscheinlichste.

Die Bewegungsarmut der Tierarten, die in freier Wildbahn weite Strecken zurücklegen, ist Tierschützern ein besonderer Dorn im Auge. Viele Elefanten würden über Nacht angekettet, damit sie nicht ausbrechen könnten. In Stuttgart dürfen Zirkusse mit Wildtieren nur auf den Wasen, wie Amtstierarzt Thomas Stegmanns berichtet. Dort sei Platz, etwa für die Elefanten, die dort mit dem Weltweihnachtscircus gastieren. «Und die Giraffen stehen in der Wilhelma», sagt Stegmanns.

Der Weihnachtszirkus in Waiblingen wirbt mit Löwen. Betrieben wird er laut Stadt von einer Zirkusfamilie, die jedes Jahr in der Winterzeit ihre Heimatstadt besucht. Die «Haltungsanforderungen der Zirkusleitlinie», seien bisher stets eingehalten worden. Zumindest sei nichts Gegenteiliges bekannt.

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