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Das Großklinikum in Villingen-Schwenningen wird am 6. Juli offiziell eröffnet.Es soll kleinere Krankenhäuser ersetzen.
Das Großklinikum in Villingen-Schwenningen wird am 6. Juli offiziell eröffnet.Es soll kleinere Krankenhäuser ersetzen. © dpa
05.07.2013

Zukunft der Kliniklandschaft: AOK-Chef kritisiert fehlende Planung

Streit um die Klinikplanung im Südwesten: Die Zeiten zersplitterter Krankenhauslandschaften sind aus Sicht von AOK-Landeschef Christopher Hermann vorbei. «Denn mangelnde Koordination und ausufernde Konkurrenz machen das Gesundheitssystem teuer und die Behandlung weniger kompetent, als sie sein könnte», sagte der Chef der größten gesetzlichen Kasse im Südwesten der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Das Land müsse ähnlich wie in der regionalen Schulentwicklungsplanung eine Krankenhausplanung vornehmen und Schwerpunkte setzen.

Gesundheitsministerin Katrin Altpeter (SPD) wies die AOK-Kritik zurück. Hermann sei offenbar entgangen, dass der Südwesten unter allen Bundesländern die geringste Zahl an Krankenhausbetten je 100 000 Einwohner habe. Allein dies widerlege die geradezu abenteuerliche Behauptung, im Land würden Kliniken «auf Zuruf» ausgebaut. Die SPD-Politikerin betonte, das Land habe neue Förderkriterien verabschiedet, wonach nur zukunftsfähige Kliniken aus Steuermitteln gefördert werden dürften. Hingegen erklärte Hermann, Altpeter tue sich mit politischen Vorgaben sehr schwer. Aber mehr Zentralisierung der Versorgung sei unverzichtbar.

Der Vorgang in Villingen-Schwenningen sei beispielhaft: Dort wird an diesem Samstag ein 263 Millionen Euro teures neues Klinikum in Betrieb genommen. Dafür werden mehrere andere Kliniken in der Umgebung still gelegt, sagte der AOK-Chef.

Zwar müssten die Patienten im Südwesten künftig längere Wege zur medizinischen Behandlung in Kauf nehmen. «Das sollte aber niemanden beunruhigen. Denn die fachliche Behandlung bei hoch spezialisierten Leistungen ist wichtiger als mehr oder weniger lange Wege.» Das gelte auch für die Hilfsfrist von 15 Minuten bei Notfällen, bei denen der Südwesten im Bundesvergleich schon sehr gut liege. «Wichtig ist doch, wo jemand hinkommt», meinte der 58-Jährige.

Die Grünen-Fraktion unterstützen Hermanns Vorstoß. Der Abgeordnete Manne Lucha wies aber darauf hin, dass der rechtliche Rahmen sehr eng gesteckt sei. «Im Gegenzug erwarten wir, dass die Krankenkassen sich für eine ordentliche Finanzierung der Krankenhäuser einsetzen.» Der gesundheitspolitische Sprecher, der FDP-Landtagsfraktion, Joachim Haußmann, sagte, Hermanns Ansatz gehe in die richtige Richtung. «Das Land muss zu einer aktiven Krankenhauspolitik mit Gestaltungsmut finden, statt in Wahlkampfmanier die Schuld beim Bund zu suchen, der angeblich zu wenig Geld bereitstellt.»