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Zumba machen manche Männer lieber heimlich © dpa
30.08.2012

Zumba machen manche Männer lieber heimlich

Ellhofen/Obersulm. «Sind heute alle freiwillig da», fragt Fitnesstrainer Jörg Ziegler schmunzelnd in die Runde. In seinen Zumba-Kursen sind meistens ein paar Männer - fünf oder sechs unter rund 40 Frauen. Warum begeistert der Trendsport nicht mehr männliche Teilnehmer? «Die meisten trauen sich nicht in die frauendominierten Kurse», sagt Ziegler, der der Liebe wegen nach Ellhofen (Kreis Heilbronn) gezogen ist. In der Region gibt er in neun Studios bis zu 30 Fitnesskurse pro Woche, darunter achtmal Zumba. Als «Spaß mit Musik» beschreibt er die Tanzform, die den ganzen Körper beansprucht.

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Seit gut fünf Jahren sind auch viele Deutsche dem Zumba-Hype verfallen. Der Sport kombiniert lateinamerikanische Rhythmen mit Fitness. Der Zufall wollte es wohl, dass vor rund 20 Jahren ausgerechnet ein Mann - der Tänzer und Choreograph Alberto Perez - aus Kolumbien Zumba erfand. Er hatte bei einem Kurs seine Aerobic-Musikkassette vergessen und kurzerhand eine Kassette aus seinem Auto mit Latin Salsa und Merengue genutzt. Zumba war geboren.

Inzwischen vereint Zumba verschiedene Tanzstile. Darunter sind Elemente von Hip-Hop, Salsa, Samba, Merengue, Mambo, Bollywood, irischer und griechischer Tänze. Jeder Trainer variiert ein bisschen nach seinem Geschmack. Dazu bewegen sich die Kursteilnehmer nach einer bestimmten Choreographie. Schon steigt der Puls, der Schweiß rinnt - und so sollen auch die Pfunde schmelzen.

«Trotz des hohen Spaßfaktors haben Männer Angst davor», meint Ziegler. Es geht nach seinen Angaben sogar soweit, dass manche ihre Frauen zum Testen vorschicken. Manfred aus dem Kreis Heilbronn etwa trainiert lieber im heimischen Wohnzimmer und lässt sich Trainings-DVDs von Ehefrau Gudrun mitbringen, die Zumba unterrichtet. Sie erzählt, zu groß sei für ihn die Hemmschwelle.

Dennoch entdecken immer mehr Männer Zumba für sich. Kurse bieten etwa Fitnessstudios, Tanzschulen oder Volkshochschulen an. «Ein Muss» nennt Sascha Bohn (27) aus dem Kreis Ludwigsburg Zumba, «wenn Mann etwas für sich tun möchte». Fitness-Fan Hans-Ulrich Ott aus Heilbronn verbringt acht bis zehn Stunden pro Woche im Fitnessstudio. «Selbstverständlich ist auch Zumba mit dabei», sagt er.

Zum lockerer Werden hat Motocross-Fahrer Bernd Mössinger aus Neckarsulm (Kreis Heilbronn) vor kurzem Zumba für sich entdeckt. Für ihn sei körperliche Fitness sehr wichtig und daher mache es ihm nichts aus, dass er fast alleine unter Frauen ist. «Meistens stehe ich in der letzten Reihe», sagt er. Turnschuhe, kurze Hose, T-Shirt. Vorne vor dem Spiegel müsse er nicht stehen. «Ein bisschen genieße ich dann die Aussicht» - wenn bei Bauchtanz-Elementen die weiblichen Hüften wackeln. Er habe sogar schon Werbung für Zumba gemacht. «Aber in meinem Bekanntenkreis trauen sich die Männer nicht.» Tanzlehrer Klaus Brenner aus Heilbronn bringt es auf den Punkt: «Männer brauchen halt immer ein bisschen länger, um einen Trend auszuprobieren.»

Klaus aus Obersulm (Kreis Heilbronn) könnte als Gegenbeispiel gelten. Schon vor zwei Jahren fing er mit Zumba an. Seitdem habe ihn sein Arzt nicht mehr gesehen, erzählt der heute 64-Jährige. Mit Stolz sage seine Tochter: «Der verrückte Alte, das ist mein Papa.»