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Im Landgericht Ellwangen (Baden-Württemberg) geht Ahmed K. an einem Justizwachtmeister vorbei in den Gerichtssaal. In dem Prozess um eine wohl geplante Zwangsheirat stehen er und sein Sohn vor Gericht. Beiden wird Freiheitsberaubung und Mordversuch vergeworfen. Motiv soll eine Zwangsheirat sein.
Im Landgericht Ellwangen (Baden-Württemberg) geht Ahmed K. an einem Justizwachtmeister vorbei in den Gerichtssaal. In dem Prozess um eine wohl geplante Zwangsheirat stehen er und sein Sohn vor Gericht. Beiden wird Freiheitsberaubung und Mordversuch vergeworfen. Motiv soll eine Zwangsheirat sein. © dpa
29.01.2013

Zwangsehe als Motiv für Mordversuch? Vater vor Gericht

Ein 39-Jähriger aus Blaufelden (Schwäbisch Hall) steht seit Dienstag wegen Freiheitsberaubung und versuchten Mordes vor dem Landgericht Ellwangen. Laut Staatsanwaltschaft soll der kurdischstämmige Mann den türkischstämmigen Verlobten seiner Tochter abgelehnt haben. Demnach sperrte er die damals 17-Jährige im August 2012 in der Wohnung ein, weil er sie im Winter mit einem Cousin in der Türkei verheiraten wollte. Bei einem Fluchtversuch der Tochter, soll er versucht haben, den Verlobten umzubringen.

Die Taten soll er gemeinsam mit seinem heute 17-Jährigen Sohn begangen haben. Es gab wohl bereits länger Konflikte zwischen Vater und Tochter. Der Versuch, sie in die Türkei zu verschleppen, weil sie einen deutschen Freund hatte, scheiterte. Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen.

Die vermutlich geplante Zwangsheirat ist nicht Teil der Anklage. «Sie wird erst dann strafbar, wenn sie im Versuchsstadium war», erklärte Oberstaatsanwalt Dirk Schulte. «Das war in diesem Fall noch in weiter Ferne.» Allerdings spielt die offenbar geplante Zwangsehe als Motiv eine Rolle. «Das Besondere an diesem Fall ist der kulturelle Hintergrund, in die das Ganze eingebettet ist.» Der Prozess wurde zunächst unterbrochen, da die Verteidiger die Eignung des Dolmetschers für einen kurdischen Dialekt infrage stellten. Der Prozess ist auf insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt, 17 Zeugen, darunter auch die Tochter, sollen gehört werden.