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Dank Reus! Mit viel Glück gelang Dortmund in der Schlussphase noch der Ausgleich. Foto: Federico Gambarini
Dank Reus! Mit viel Glück gelang Dortmund in der Schlussphase noch der Ausgleich. Foto: Federico Gambarini
10.12.2016

Torgarant Reus bewahrt BVB vor weiterem Rückschlag

Köln (dpa) - Thomas Tuchel wirkte erleichtert, aber nicht wirklich zufrieden. Schließlich kam das 1:1 (0:1) seines Dortmunder Teams beim Tabellennachbarn 1. FC Köln nur mit viel Glück zustande.Erst der Last-Minute-Treffer von Marco Reus (90.) bewahrte den Revierclub vor der vierten Saisonschlappe und damit einem weiteren empfindlichen Rückschlag. Der Fußball-Lehrer bevorzugte deshalb eine pragmatische Sicht der Dinge. «Heute ist das Kompliment größer als der erhobene Zeigefinger», kommentierte Tuchel, «es war das dritte Spiel in einer Woche. Dass es dann ein bisschen zäh aussieht, halte ich für normal.»

Wieder einmal konnte sich der BVB bei «Bessermacher» Reus bedanken. Als das Spiel bereits entschieden schien, nutzte der einstige Dauerpatient die Vorarbeit des eingewechselten Adrian Ramos und traf aus kurzer Distanz ins Glück. Die Comeback-Bilanz des Nationalspielers bleibt damit imposant: In seiner fünften Partie nach halbjähriger Verletzungspause erzielte der Nationalspieler sein fünftes Tor. Hinzu kommen fünf Torvorlagen.

«Das ist sehr eindrucksvoll», lobte Tuchel, «er ist ein Spieler, der nicht zu ersetzen ist. Das wussten wir schon vorher. Jetzt wird es offensichtlich.» Wie schon beim 2:2 bei Real Madrid rettete Reus seinem Team kurz vor dem Abpfiff einen Punkt.

Der Ausgleich täuschte jedoch nicht über die spielerischen Mängel hinweg. Zum wiederholten Mal tat sich der BVB nach einem Champions-League-Spiel mit dem Ligaalltag schwer. Vor allem die zuletzt hochgelobte Offensive wirkte ideenlos und wenig durchschlagskräftig. Nicht zuletzt deshalb sah es nach dem Treffer von Artjoms Rudnevs (28. Minute) vor 50 000 Zuschauern im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion lange nach einer Niederlage aus.

Doch die Dortmunder bewiesen Moral - ähnlich wie nach dem 0:2 in Madrid. Zum 10. Mal traf sein Team in der Schlussviertelstunde - das ist Ligabestwert. Dennoch fiel die Bilanz von Abwehrspieler Matthias Ginter zwiespältig aus: «Für den Spielverlauf ist der Punkt zu wenig.»

Dabei hätte diese Aussage mehr zu den Kölnern gepasst. Anders als eine Woche zuvor beim 0:4-Aussetzer in Hoffenheim war die Deckung bis zum späten Gegentor wieder gewohnt stabil. Zudem fand der FC zurück zu alter Konterstärke. «Es war wichtig, nach dem 0:4 zu zeigen, dass wir bereit sind», lobte Peter Stöger, der auch in seinem fünften Spiel als Kölner Coach gegen den BVB ohne Niederlage blieb. Vor allem der unbändige Einsatz seiner Profis imponierte dem Österreicher: «Das bestätigt mich in meiner Einschätzung, warum ich so gern mit dieser Mannschaft arbeite. Sie ist bereit, alles zu geben.»

Der späte gelb-rote Karte für Salih Özcan in der Nachspielzeit nach wiederholtem Foulspiel passte ins Kölner Bild von einer unglücklichen Schlussphase. «Schade, dass der Schiedsrichter nicht ein bisschen eher abgepfiffen hat», klagte Stöger.