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Die Fußball-WM 2014 in Brasilien stellt die europäischen Teams vor einige Herausforderungen. © dpa
26.02.2014

100 Tage bis zum Anstoß in Brasilien

Rio de Janeiro. Dem großen Pelé kribbelt es förmlich in den Füßen, WM-Rekordtorschütze Ronaldo sehnt den ersten Anpfiff herbei. Brasiliens Fußball-Legenden freuen sich wie Millionen Fans rund um den Globus auf die erste Weltmeisterschaft am Zuckerhut seit 64 Jahren. «Ich bin total überzeugt, dass das die beste WM aller Zeiten wird», sagte Ronaldo, Vize im Organisationskomitee kurz vor dem 100-Tage-Countdown für das Turnier vom 12. Juni bis 13. Juli. Alle durch Bauverzögerungen und Sicherheitssorgen ausgelösten Zweifel werden im Land des Rekordchampions weggewischt. Staatspräsidentin Dilma Rousseff gibt sich als Parade-Optimistin und verspricht die «WM aller WMs».

Bildergalerie: 100 Tage bis zur WM

Die Aussagen der Offiziellen des Weltverbandes FIFA waren zuletzt verhaltener. Generalsekretär Jérôme Valcke reiste mehrfach als Problemlöser quer durch das Riesenland. Vier von zwölf Stadien hinken dem Zeitplan noch deutlich hinterher. In Curitiba (Arena da Baixada) und Sao Paulo (Corinthians Arena) werden die Bauarbeiten wohl erst knapp vor dem Turnier beendet sein. Die FIFA-Funktionäre müssen sich seit langem daran gewöhnen, was auch die 32 Teams und die rund 600 000 aus dem Ausland erwarteten Fans wissen müssen: In Brasilien ticken die Uhren ein bisschen anders.

«Wer sich nicht anpasst, hat schon verloren», sagte auch Bundestrainer Joachim Löw vor seiner trotz Vertragsverlängerung bis 2016 vielleicht letzten Titelmission. «Wir brauchen Spieler, die körperlich fit sind und mit den Gegebenheiten in Brasilien klarkommen können: Hitze, längere Reisezeiten, veränderte Anstoßzeiten, Zeitunterschiede», zählte der Chefcoach auf. Teammanager Oliver Bierhoff beugte Klagen vor: «Es gibt kein Jammern und Lamentieren - das ist die Mentalität, die wir den Spielern mitgeben werden.»

Vier Tage nach dem Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien startet die DFB-Elf am 16. Juni in Salvador gegen Cristiano Ronaldos Portugiesen in das Rennen um ihren vierten WM-Triumph. Weitere Gegner in der Vorrundengruppe G sind Ghana (21. Juni/Fortaleza) und die USA mit Trainer Jürgen Klinsmann (26. Juni/Recife). «Wir wollen um den Titel spielen, das Problem ist, das wollen andere auch», sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu den deutschen Ambitionen.

Natürlich Brasilien, aber auch Argentinien, Italien, die Niederlande und Titelverteidiger Spanien - die Liste der Favoriten ist lang. Die Brasilianer sehen sich spätestens nach dem Gewinn des Confederations Cups im Sommer 2013 in der besten Ausgangslage für ihren sechsten Titel. «Jeden Tag bin ich überzeugter, dass wir die Copa gewinnen», sagte Trainer Luiz Felipe Scolari.

«Alle in einem Rhythmus» lautet das WM-Motto im Samba-Reich. Zur großen Herausforderung für die Stars werden weite Flugdistanzen von mehreren tausend Kilometern, eine Infrastruktur jenseits europäischer Standards im Nahverkehr - sprich stundenlanges Warten im Stau ist nicht ausgeschlossen - sowie ein Klimazonen-Hopping von gemäßigten Temperaturen im Süden des Landes bis zur Dschungelhitze im Norden.

Die Herausforderung für die Organisatoren wird neben dem Stadionendspurt (Pelé: «Leider hinken wir ein bisschen hinterher») die Sicherheitsfrage sein. Die Massendemos gegen Misswirtschaft und Korruption beim Confed Cup sind noch in unguter Erinnerung bei FIFA und lokalen WM-Machern. «Não Vai Ter Copa» (Es wird keine WM geben), lautet der Slogan der Protestbewegung, die die WM sicher nutzen wollen wird, um auf die Missstände im Land auf einer weltweiten Bühne aufmerksam zu machen.

Die große Begeisterung von Millionen Brasilianern für den Fußball und ihre WM ist aber ungebrochen. Der Run auf die Tickets hält an. 2,3 Millionen Karten sind vergeben. Viele der 64 Spiele bis zum Finale am 13. Juli im Heiligtum Maracana werden ausverkauft sein. Brasilien lebt Fußball. Brasilien ist Fußball. «Der Fußball bekam von den Engländern seinen Körper, in Brasilien aber bekam er seine Seele», sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter.