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Fans feiern den deutschen Viertelfinalsieg gegen Frankreich. © Ketterl
04.07.2014

Deutsche Nationalelf nach 1:0 über Frankreich im WM-Halbfinale

Jetzt ist der ganz große Coup drin! Exakt 60 Jahre nach dem «Wunder von Bern» hat die deutsche Nationalmannschaft zum 13. Mal das WM-Halbfinale erreicht und damit einen großen Schritt zum vierten WM-Triumph nach 1954, 1974 und 1990 gemacht. Kopfball-Schreck Mats Hummels versetzte am Freitag mit seinem zweiten Turniertreffer zum 1:0 (1:0)-Sieg in der Hitze von Rio de Janeiro Frankreich den K.o. und sorgte bei den Fans in der Heimat endgültig für riesen WM-Euphorie. In der Schlusssekunde rettete Manuel Neuer mit einer Glanzparade den Sieg.

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Mit dem überzeugenden Kapitän Philipp Lahm wieder als rechtem Verteidiger schaffte Bundestrainer Joachim Löw die Grundlage für den umjubelten Vorstoß unter die besten Vier, wo die DFB-Auswahl bereits in den vergangen drei Turnieren stand. Am Dienstag ist in Belo Horizonte Brasilien oder Kolumbien der Gegner.

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Nach kontroversen Diskussionen auch in seinem engsten Stab verwarf Löw sein bisheriges Personalkonzept und beorderte Lahm aus dem Mittelfeld zurück auf die rechte Seite in der Viererkette. Doch der Bundestrainer hatte im 110. Länderspiel seiner Amtszeit noch mehr in petto: In der Innenverteidigung musste Abwehrchef Per Mertesacker für den genesenen Hummels Platz machen, Sami Khedira rückte neben Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos ins Mittelfeld und in der Sturmspitze kam Miroslav Klose zu seinem Startelfdebüt in Brasilien.

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«Jogi hat gespürt, dass die Mannschaft eine Stimulans braucht. Dem hat er mit Lahm und Klose entsprochen», berichtete Teammanager Oliver Bierhoff vor dem Anpfiff in der ARD und fügte mit Blick auf die Personalie Mertesacker hinzu: «Das war eine schwere Entscheidung für den Trainer, auch menschlich. Er hat mit ihm persönlich gesprochen und Per hat das super aufgenommen.»

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In neuer Formation startete die DFB-Auswahl vor 74 240 Zuschauern im legendären Maracana schwungvoll in ihr 890. Länderspiel seit der Premiere im Jahr 1908. Und wie beim Auftakt-4:0 gegen Portugal war es Hummels, der die Löw-Truppe und Millionen Fans in der Heimat früh jubeln ließ. Nach einem Freistoß von Kroos behauptete sich der BVB-Verteidiger im Luftkampf gegen Raphael Varane und köpfte den Ball unhaltbar für Frankreichs Schlussmann Hugo Lloris unter die Latte. Es war das vierte Länderspieltor für Hummels - und das vierte per Kopf.

Mit der Führung im Rücken kontrollierte die DFB-Auswahl das Geschehen, obwohl die personellen Schachzüge von Löw nur bedingt aufgingen. Kapitän Lahm machte die rechte Seite hinten dicht und entwickelte viel Drang nach vorn, wo Klose jedoch kaum zur Geltung kam. Nur in der 24. Minute ließ der 36 Jahre alte Routinier seine Gefährlichkeit aufblitzen, als er im Strafraum von Mathieu Debuchy gehalten wurde und zu Boden ging. Schiedsrichter Nestor Pitana aus Argentinien winkte jedoch ab und ließ weiterlaufen.

In der sengenden Mittagshitze von Rio de Janeiro fielen aber nur zwei Akteure in der ersten Hälfte richtig ab. Mesut Özil war überhaupt nicht im Spiel und bot erneut eine enttäuschende Vorstellung. Und der erst kurz vor der WM von einem Kreuzbandriss genesene Khedira offenbarte einmal mehr Probleme mit Kraft und Antrittsschnelligkeit. Der Champions-Leaguer-Sieger von Real Madrid konnte kaum einen Zweikampf für sich entscheiden und kassierte nach dem Wechsel nach einem taktischen Foul auch noch Gelb.

Die Franzosen berappelten sich nur langsam von dem Tiefschlag des Rückstandes und kamen erst gegen Ende der ersten Halbzeit zu einigen gefährlichen Angriffen. Nachdem Karim Benzema in der Anfangsphase per Direktabnahme knapp das Tor verfehlt hatte, dauerte es allerdings fast eine halbe Stunde bis zur nächsten Chance. Die hatte es aber in sich: Einen Schuss von Mathieu Valbuena parierte Manuel Neuer im Stile eines Klassemannes, den Nachschuss von Benzema blockte Hummels ab. Kurz vor dem Pausenpfiff musste Neuer in seinem 50. Länderspieleinsatz noch einmal gegen Benzema retten.

Nach dem Wechsel riss die Equipe tricolore das Spiel immer mehr an sich. Die DFB-Auswahl wurde nun in der Defensive wesentlich häufiger gefordert und entwickelte kaum noch eigene Angriffe. Immerhin gelang es weitgehend, die Positionen zu halten und dadurch die Räume eng zu machen. Die Abwehr stand, so dass Neuer lediglich bei einem Kopfball von Varane (60.) eingreifen musste.

Löw reagierte auf die veränderte Spielsituation, die ihm sichtlich nicht behagte, und brachte nach 68 Minuten Joker André Schürrle für den ausgelaugten Klose. Der glück- und erfolglose Stürmer von Lazio Rom verpasste sein 16. Endrundentor und muss sich den Titel des besten WM-Schützen weiter mit dem Brasilianer Ronaldo teilen.

Erst in der Schlussphase wurde es dann noch einmal aufregend. Erst köpfte Benedikt Höwedes bei einem Abwehrversuch den Ball an den Kopf von Hummels, der dadurch fast ein Eigentor fabrizierte. Dann hätte Schürrle im Gegenzug das Spiel entscheiden müssen, doch der England-Legionär vom FC Chelsea scheiterte völlig frei vor Lloris am französischen Keeper. Drei Minuten vor Ultimo vergab Schürrle erneut, doch das ging am Ende im Jubel unter.