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Das lange Warten auf den Fußball hat sich zumindest für die Gladbacher Fans gelohnt. Sie erlebten einen 3:1-Sieg gegen Bayern München.  © dpa
Marco Reus von Borussia Mönchengladbach möchte am Freitag wieder jubeln. Wenn er, wie im Hinspiel, den Bundesliga-Rekordmeister Bayern München besiegt. Pikantes Detail am Rande: Die Bayern wollten Reus haben, aber den hat es zum Konkurrenten Borussia Dortmund gezogen. © dpa
20.01.2012

Endlich geht's los! - Gladbach schlägt Bayern 3:1

Das elende Warten hat endlich ein Ende: Die quälend lange Winterpause ist vorbei! Jetzt heißt es hoch konzentriert und höchst motiviert in den Rückrundenauftakt. Und die Bundesliga meldet sich gleich mit einem Kracher zu Beginn zurück: Der FC Bayern verliert bei den Gladbachern mit 3:1. Dabei hatten die Münchner noch eine Rechnung offen.

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Lucien Favres Himmelsstürmer haben Titelfavorit Bayern München zum Rückrundenstart der Fußball-Bundesliga erneut entzaubert. Der Herbstmeister verlor am Freitagabend mit 1:3 (0:2) bei Borussia Mönchengladbach und musste den Rivalen vom Niederrhein in der Tabelle bis auf einen Punkt herankommen lassen. Jung-Nationalspieler Marco Reus (11. Minute) nach schwerem Fehler von Nationaltorhüter Manuel Neuer und Patrick Herrmann (41./71.) trafen vor 54.047 begeisterten Zuschauern im Borussia-Park - darunter Bundestrainer Joachim Löw - für die Gladbacher, die mit dem verdienten Erfolg eigene Titelansprüche untermauerten. Die Münchner kamen durch Bastian Schweinsteiger (76.) nur noch zum Anschlusstor.

Bildergalerie: Paukenschlag zum Bundesligastart: Gladbach schlägt Bayern 3:1

Alle Augen waren beim ersten Spiel nach der Winterpause auf Gladbachs Jung-Star Reus gerichtet, und der im Sommer für 17,1 Millionen Euro nach Dortmund wechselnde Angreifer enttäuschte seine Anhänger nicht. Reaktionsschnell spritzte der 22-Jährige dazwischen, als Neuer ein Abschlag völlig misslang, und brachte seine Mannschaft mit einem Schuss ins leere Tor in Führung. Mit seiner Vorlage zum 3:0 von Herrmann setzte Reus dann noch einen drauf. Die Münchner traten dagegen nicht wie ein Titelaspirant auf. Zwar bemühte sich Rückkehrer Schweinsteiger, der zweieinhalb Monate wegen eines Schlüsselbeinbruchs gefehlt hatte, Linie ins Spiel seiner Mannschaft zu bringen, doch im Abschluss fehlte den Gästen lange Zeit die Entschlossenheit.

Bildergalerie: Bundesliga startet in die Rückrunde

Die 88. Auflage des Bundesliga-Klassikers begann mit einem Paukenschlag, und wieder war Neuer entscheidend beteiligt. Dem Nationaltorhüter, der schon beim 0:1 im Hinspiel durch seinen Fehler das Gegentor verschuldet hatte, missglückte bedrängt von Mike Hanke ein Abschlag. Reus fing den flach geschossenen Ball ab und traf aus gut 30 Metern ins leere Bayern-Tor. Die Reaktion der Münchner auf das 11. Saisontor des Jung-Nationalspielers ließ nicht lange auf sich warten. Arjen Robbens Flanke köpfte Mario Gomez platziert Richtung Torecke, doch Marc-Andre ter Stegen lenkte den Ball mit toller Reaktion noch um den Pfosten (14.).

Der Spitzenreiter bemühte sich nach dem Rückstand die Kontrolle über das Spiel zu gewinnen, doch Gladbach stand in der Defensive auch ohne den gesperrten Abwehrchef Dante sehr gut und setzte mit seinen schnellen Kontern immer wieder Nadelstiche. Vier Minute vor der Pause zog der von Mike Hanke mustergültig bediente Herrmann auf und davon und ließ Neuer mit einem platzierten Schuss in die lange Ecke keine Abwehrchance. Der Borussia-Park war endgültig zum Tollhaus geworden. In der 44. Minute verfehlte ein Distanzschuss von Hanke nur haarscharf das Münchner Gehäuse.

Mit Gladbacher Kontern begann auch der zweite Spielabschnitt, die Chance zum schnellen 3:0 vergab Juan Arango mit einem überhasteten Abspiel leichtfertig (49.). Erst nach gut einer Stunde bekam der Spitzenreiter die Partie dank einer Temposteigerung besser in den Griff, doch gegen die schnell vorgetragenen Attacken des Gegners fand er kein Mittel. Der von Reus bediente Hermann spielte 19 Minuten vor dem Ende auch Neuer aus und machte die höchste Münchner Niederlage in dieser Saison perfekt. Erst im Schlussspurt gelang der Elf von Jupp Heynckes noch eine Resultatsverbesserung.

Die Bundesligisten konnten sich in den Trainigslagern schon einmal warm spielen. Die Münchner und Schalker trainierten im Wüstenemirat Katar in Doha, Mönchengladbach, Werder Bremen, Nürnberg, Stuttgart und Hertha BSC hatten ihr Lager im türkischen Belek, wo auch der KSC trainierte. Dortmund, Hamburg, Kaiserslautern sowie Mainz schlugen ihr Camp in Spanien auf.

Der Freitag mit der Gladbacher Überraschung war schon super aufregend. Auch der Samstag verspricht viel Spannung. Im Spitzenspiel hat der FC Schalke 04 den VfB Stuttgart zu Gast, der sich in dieser Saison endlich wieder für das internationale Geschäft qualifizieren will. Der SC Cissé war einmal – nach dem Abgang von Freiburgs Topstürmer beginnt der Abstiegskampf für die Braisgauer schon gegen den FC Augsburg. Der dritte Vertreter aus Baden-Württemberg, die Kraichgauer aus Hoffenheimer, müssen zu Beginn gegen Hannover 96 ran.

Zum Ende des Spieltags erwartet die Fußballfans am Sonntag schließlich noch eine hochklassige Begegnung zwischen dem Hamburger SV und dem BVB. Der amtierende deutsche Meister geht allerdings angeschlagen in die Partie. Mario Götze ist nach einem Faserriss noch nicht einsatzfähig. Darüberhinaus fallen auch Keeper Roman Weidenfeller (Rückenprobleme) sowie sein Ersatzmann Mitch Langerak (Bauchmuskel-Zerrung) aus. Wie Dortmund diese Ausfälle kompensieren kann, wird sich zeigen.

Der Spieltag im Überblick:

FC Schalke 04 - VfB Stuttgart (Samstag, 15.30 Uhr)

Mit den Schwaben hat Schalke nach dem 0:3 in der Hinrunde noch eine Rechnung offen. Trainer Stevens muss wegen der Jones-Sperre seine Defensive umbauen und wird wohl Innenverteidiger Matip auf die «Sechs» in das Mittelfeld beordern. Für ihn rückt Höwedes von rechts in die Innenverteidigung. Farfan und Holtby fallen aus. Der VfB hofft auf seine traditionell starke Rückrunde, muss aber in Bah, Boka und Traoré gleich drei Afrika-Cup-Starter ersetzen. (Heimbilanz: 26-4-11, 76:52 Tore)

1. FC Nürnberg - Hertha BSC (Samstag, 15.30 Uhr)

Im 1000. Bundesliga-Spiel plagen den «Club» große Personalsorgen. Stammkräfte wie Pinola und Chandler sowie Neuzugang Balitsch fallen verletzt aus, Feulner ist gelbgesperrt. Trainer Hecking will gegen Hertha möglicherweise mit zwei Spitzen agieren lassen. Nach dem Babbel-Rauswurf sorgte Skibbe für eine positivere Stimmung in Berlin. Bei seinem Debüt als Hertha-Trainer muss er aber auf den gesperrten Raffael und einige verletzte Stammspieler verzichten. (Heimbilanz: 8-2-4, 24:19 Tore)

SC Freiburg - FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr)

Der neue SC-Trainer Streich steht im Kellerduell gleich unter Druck. Ohne Torjäger Cissé dürfte dem Schlusslicht gegen den Vorletzten aus Augsburg ein Heimsieg noch schwerer fallen. Der Neuling kommt ohne Neuzugang Moravek (verletzt) in den Breisgau, kann aber wieder auf Torhüter-Routinier Simon Jentzsch bauen. Im Oberhaus treffen sich die Clubs erst zum zweiten Mal (Hinrunde 2:2): In der 2. Liga gewann Freiburg daheim immer (sechsmal) ohne Gegentor. (Heimbilanz: -)

1899 Hoffenheim - Hannover 96 (Samstag, 15.30 Uhr)

Nach durchwachsener Hinrunde muss 1899-Coach Stanislawski beim Start 2012 die Innenverteidiger Vorsah und Compper (beide gesperrt) ersetzen. Obasi wurde an Schalke verliehen. Mit einem Heimsieg könnte Hoffenheim den Tabellensiebten aus Hannover überholen und dicht an die Europacup-Ränge rücken. Die Chancen stehen gut, denn «96» präsentierte sich bisher auswärts schwach. Erst sechs Tore und ein Sieg gelangen. Zudem fehlen Ya Konan, Haggui (Afrika-Cup) und Schulz. (Heimbilanz: 2-1-0, 8:3 Tore)

VfL Wolfsburg - 1. FC Köln (Samstag, 15.30 Uhr)

Einkaufs-Meister Magath kündigte an, dass es womöglich nicht bei den bislang acht Winterzugängen bleibt. Wie viele davon schon gegen Köln auflaufen, weiß nur der Trainer-Manager selbst. Sollte Wolfsburg gleich zum Rückrundenstart patzen, setzt sich der Abstiegskampf fort. Der beste VfL-Schütze Mandzukic (acht Tore) fällt aus. Der FC holte in Angreifer Ishak nur einen Neuen. Podolski und der genesene Novakovic, der am 1. Oktober 2011 sein letztes Spiel machte, stürmen. (Heimbilanz: 5-2-1, 23:8 Tore)

1. FC Kaiserslautern - Werder Bremen (Samstag, 18.30 Uhr)

Das 0:3 gegen Hansa Rostock im letzten Test schockte die Bremer Clubführung. Beim Aufsteiger aus der Pfalz muss sich der Tabellenfünfte erheblich steigern, um keine böse Überraschung zu erleben. Zudem muss Werder-Coach Schaaf Naldo (verletzt) und Hunt (gesperrt) ersetzen. Kurios: Bremen verlieh Stürmer Wagner an den Gegner, ließ sich aber zusichern, der dieser gegen seinen Ex-Club nicht aufläuft. Ansonsten muss Kunz nur Shechter (gesperrt) ersetzen. (Heimbilanz: 24-11-7, 85:52 Tore)

Hamburger SV - Borussia Dortmund (Sonntag, 15.30 Uhr)

Meister BVB hat Sorgen vor dem Gastspiel in Hamburg, wo er in den zurückliegenden fünf Partien nur einen Punkt holte. Götze und Santana fallen aus. Der Einsatz von Torhüter Weidenfeller (Rücken) hängt am seidenen Faden. Immerhin trainierte dessen Vertreter, der Australier Langerak, wieder. Mit Trainer Fink, der auf einen «Schub für die Rückrunde» hofft, hat der HSV noch nicht verloren (2 Siege, 6 Remis). Allerdings fehlt Töre; Petric und Ilicevic sind fraglich. (Heimbilanz: 21-13-10, 97:65 Tore)

Bayer Leverkusen - 1. FSV Mainz 05 (Sonntag, 17.30 Uhr)

Mit der endgültigen Verpflichtung von Torhüter Leno (aus Stuttgart) hat Bayer eine wichtige Personalie langfristig geklärt, nun will der Werksclub auch spielerisch überzeugen. Im Heimspiel gegen Mainz muss der nicht unumstrittene Trainer Dutt jedoch gleich fünf Profis ersetzen. Sein Kollege Tuchel beklagt sogar sieben Ausfälle und benötigt dringend einen Sieg, um mit dem FSV nicht ganz unten reinzutschen. Nur zwei Punkte Abstand sind es bis Platz 16. (Heimbilanz: 2-1-2, 8:6 Tore. dpa/hol

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