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Bislang konnte noch kein europäisches Fußballteam bei einer WM in Süd- oder Nordamerika gewinnen. Die deutsche Nationalelf wurde in Mexiko einmal Zweiter (1986) und einmal Dritter (1970).
Bislang konnte noch kein europäisches Fußballteam bei einer WM in Süd- oder Nordamerika gewinnen. Die deutsche Nationalelf wurde in Mexiko einmal Zweiter (1986) und einmal Dritter (1970). © dpa
07.07.2014

Europa gegen Südamerika - richtungsweisende WM-Halbfinale

Brasilien leidet mit seinem verletzten Superstar Neymar, Fußball-Deutschland blickt sorgenfrei und optimistisch auf das WM-Halbfinale gegen den WM-Gastgeber. Vor dem ersten der beiden europäisch-südamerikanischen Showdowns fühlen sich die deutschen WM-Malocher bereit für ihren bisher härtesten Job.

«Wir haben eine große Möglichkeit, das Ding in der Hand zu halten», sagte Miroslav Klose. Der Oldie spürt wie Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler nach dem hart erkämpften Viertelfinalsieg gegen Frankreich die historische Chance auf den ganz großen Coup.

Alle wollen noch einmal zurück ins Maracanã, um am 13. Juli im Endspiel der 20. WM dabei zu sein und zum vierten Mal Weltmeister zu werden. Auch Löw wirkte nach seinen aufgegangenen taktischen und personellen Entscheidungen beim 1:0 gegen Frankreich optimistisch: «Wir waren bei den letzten fünf Turnieren unter den letzten Vier. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt machen.»

Für den ersten Sieg gegen die «Seleção» auf brasilianischem Boden verschob der Bundestrainer den Anreisetag in den Halbfinal-Spielort Belo Horizonte auf Montag. Der Bundestrainer will noch einen zusätzlichen Vorbereitungstag im Stammquartier Campo Bahia nutzen. «Wichtig wird sein zu sehen, wie die Spieler jetzt dieses Frankreich-Spiel verkraften», erklärte ein hochmotivierter Löw. Bisher war der DFB-Tross immer schon zwei Tage vorher angereist. Auch die Brasilianer trainieren am Montagvormittag noch im Camp «Granja Comary» in Teresópolis und starten erst danach nach Belo Horizonte.

Der Respekt vor dem Rekordweltmeister, der nach dem Ausfall von Superstar Neymar weiterhin unter Schock steht, ist im deutschen Lager groß. Doch noch größer ist die Freude auf das Halbfinal-Duell am Dienstag (22.00 Uhr/ZDF). «Glückwunsch, Brasilien! Ihr spielt und organisiert eine fantastische WM. Das wird ein großes Spiel in Belo Horizonte», erklärte Löw und wünschte Neymar schnelle Genesung. Für den 22 Jahre alten brasilianischen Ballzauberer ist die Heim-WM nach einem Wirbelbruch zu Ende. Zudem fehlt der Seleção im Halbfinale Kapitän Thiago Silva wegen einer Gelbsperre.

Nach dem WM-Aus für Neymar setzt Brasilien auf eine Trotzreaktion, um den Traum vom «Hexacampeão», dem sechsten WM-Titel, am Leben zu erhalten. «Wenn die deutsche Mannschaft jetzt glaubt, sie würde gegen eine schwache, entmutigte Mannschaft spielen, wäre das ein enormer Fehler. Wir haben wunderbare Spieler», sagte WM-Rekord-Torschütze Ronaldo und zog eine Parallele zum Turnier 1962, als Pelé verletzt ausfiel und die Seleção dennoch triumphierte. «Auch ohne Neymar ist Brasilien Favorit.»

Für Cheftrainer Luiz Felipe Scolari ist Neymars Verletzung «eine Katastrophe». Dennoch sei er nach diesem Schock «ruhig, sicher und voller Selbstvertrauen», dass die Seleção das Endspiel erreiche.«Wir sind über seinen Verlust traurig, aber wir gehen gestärkt daraus hervor, um unseren Traum wahr zu machen, ins Finale zu kommen und Weltmeister zu werden», meinte Willian.

Hollands Trainer Louis van Gaal wurde für seinen in der WM-Historie bisher einmaligen Schachzug, kurz vor einem Elfmeterschießen den Torwart zu wechseln, nach dem 4:3 im Viertelfinale über Costa Rica gefeiert. «Ich bin ein bisschen stolz, dass das alles so geklappt hat», kommentierte der Bondscoach mit diebischem Lächeln. Als Triumph über seine vielen Kritiker wollte van Gaal den Einzug ins Halbfinale aber nicht bewerten. «Das habe ich nicht nötig.»

Auf dem Weg zum ersten WM-Titel wartet auf die Niederlande nun Argentinien mit Superstar Lionel Messi. Die Albiceleste muss am Mittwoch in São Paulo eventuell ohne Ángel di María antreten. «Ich hoffe, dass es nicht so schwerwiegend ist», sagte Trainer Alejandro Sabella nach dem 1:0-Sieg über Belgien in Brasília. Die Zeitung «Olé» berichtete auf ihrer Homepage danach, dass die WM für den offensiven Mittelfeldspieler von Real Madrid beendet sei. Demnach soll sich di María einen Riss im rechten Oberschenkelmuskel zugezogen haben.

Bislang gab es noch nie einen Sieg einer europäischen Mannschaft bei einer Fußball-WM in Süd- oder Nordamerika. Deutschland war zweimal in Mexiko wenigstens halbwegs erfolgreich. 1970 wurde die Nationalelf Dritter, 1986 Zweiter.