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Grund zu guter Laune haben die Fußballnationalspielerinnen, denn die Frauen-WM findet im Juni und Juli in Deutschland statt. © dpa
09.06.2011

Frühlingserwachen für deutschen Frauenfußball

Kein zweites Sommermärchen, aber das große Frühlingserwachen für den Frauenfußball: Das erhoffen sich die deutsche Nationalmannschaft, die mehr als eine Million weiblichen Kickerinnen hierzulande und auch viele Männer von der sechsten Weltmeisterschaft. Vor fünf Jahren war «die Welt zu Gast bei Freunden», jetzt heißt es «20elf von seiner schönsten Seite». So lautet jedenfalls das Motto für das Endrundenturnier vom 26. Juni bis 17. Juli in Deutschland.

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«Es wird auf keinen Fall eine Kopie von 2006. Diese WM soll ihre eigene Geschichte schreiben», sagt Steffi Jones, Präsidentin des Organisationskomitees.

FIFA-Präsident Joseph Blatter ist überzeugt: «Aus dieser WM werden die Deutschen etwas Großartiges machen.» Ein Medienereignis wird das Endrunden-Turnier auf jeden Fall: Erstmals zeigen ARD und ZDF alle 32 Spiele. Für ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz ist die WM «aus Sicht eines Quotenjägers der sportliche Höhepunkt 2011». Seit der Deutsche Fußball-Bund (DFB) 2007 den Zuschlag bekommen hat, werben Verband und WM-OK mit einer großen PR-Kampagne für den Ballzauber mit 16 Teams von Äquatorialguinea bis Schweden.

Das Interesse ist beachtlich: 630.000 der 900.000 Karten sind verkauft, das hohe Ziel von Steffi Jones und Co. heißt aber weiterhin: volle Stadien in Berlin, Frankfurt/Main, Mönchengladbach, Sinsheim, Wolfsburg, Augsburg, Bochum, Dresden und Leverkusen.

Im Mittelpunkt der WM steht ein Team, das viele Jahre ein Mauerblümchen-Dasein im eigenen Land gefristet hat: Die deutsche Auswahl hofft auf ihren dritten WM-Titel hintereinander und sieht sich plötzlich auf Titelfotos und sogar Panini-Bildchen wieder. Lira Bajramaj, Alexandra Popp und Kim Kulig sind die neuen Sternchen, die vermarktet werden wie noch keine Kickerin zuvor. Beim Unternehmen Titelverteidigung setzt Bundestrainerin Silvia Neid aber auch auf Routiniers wie Torhüterin Nadine Angerer und Rekordnationalspielerin Birgit Prinz.

«Es wird sehr, sehr schwer und es wird immer schwieriger, weil die anderen Nationen nachziehen», warnte die 47-jährige Neid vor dem Eröffnungsspiel gegen Kanada im mit mehr als 73.000 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion. «Alle anderen Nationen machen mittlerweile eine ähnlich intensive Vorbereitung wie wir.» Der Druck wird immens für den Gastgeber. DFB-Präsident Theo Zwanziger warnt davor, einen Durchmarsch als Selbstverständlichkeit anzusehen. «Wir sind nicht Weltranglisten-Erster, das sollte man sich in Erinnerung rufen.» Der Freund und Förderer des Frauenfußballs hat vor allem Ranglistenprimus USA, Brasilien und die skandinavischen Mannschaften auf der Rechnung, aber auch Japan und Nordkorea.

Ansonsten müssen sich die WM-Hauptdarstellerinnen erst noch einen Namen machen: Außer der Brasilianerin Marta, siebenmalige «Weltfußballerin des Jahres», haben die Gast-Teams keine Weltstars zu bieten. Doch das soll sich ändern. «Während eines Monats wird die WM live in über 200 Länder übertragen. Fast 800 000 Menschen werden die Spiele in den Stadien verfolgen», sagt die Frauenfußball-Chefin bei der FIFA, Tatjana Haenni aus der Schweiz. «Die Weltmeisterschaft wird den Frauenfußball in ein neues Licht rücken.» 26 Millionen Mädchen und Frauen kicken nach Angaben der FIFA weltweit.

Bei ihrer Welcome-Tour durch alle Teilnehmer-Länder hat OK-Chefin Jones schon einmal versucht, «Aufmerksamkeit zu schaffen» für eine Sportart, die in der Popularität weit hinter der der Männer steht. «Kaiser» Franz Beckenbauer ist jedoch sicher: «Die Begeisterung in Deutschland wird groß sein.»

Der Vergleich zu 2006 hält schon bei der Organisation nicht stand: Der Etat bei der Männer-WM lag bei 530 Millionen Euro, jetzt sind 51 Millionen für das Frauen-Spektakel eingeplant. Allein für die Sicherheit stand vor fünf Jahren ein Budget von 80 Millionen bereit, nun sind es drei Millionen. «Es wird eine sichere Familienveranstaltung mit schöner Stimmung», prophezeit Ulrich Wolter, Gesamtkoordinator im OK. DFB-Torhüterin Angerer hofft: «Wenn alles passt, dann kann die WM die kleine Tochter vom Sommermärchen werden.» dpa