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Hat ein Experiment gewagt und nur teilweise versagt: Fußball-Nationaltrainer Joachim Löw will vorerst nicht mehr mit einer Dreier-Abwehrkette spielen lassen. © dpa
12.11.2011

Fußball-Nationalelf spielt vorerst ohne Dreierkette

Joachim Löw hat seine gewagten Experimente von Kiew verteidigt, die Dreier-Abwehrkette für das Prestigeduell gegen die Niederlande aber wieder in die Schublade befördert. Am Dienstag in Hamburg wird der Bundestrainer mit gewohnter Taktik und seinem besten Personal spielen lassen. «Es gibt sicher keine Dreierkette gegen Holland», sagte Löw noch vor der Rückreise aus Kiew in die Hansestadt an diesem Samstag.

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Nicht nur die beim 3:3 gegen den EM-Gastgeber Ukraine fehlenden Miroslav Klose und Marco Reus werden wieder zum Team stoßen. Auch Stammkräfte wie Manuel Neuer, Thomas Müller, Per Mertesacker und Lukas Podolski dürften zum Jahresabschluss gegen Vizeweltmeister Niederlande sind wieder in der Startformation eingeplant.

Die Erkenntnisse beim verrückten, teilweise naiven und später äußerst engagierten Auftritt des DFB-Teams in Kiew sieht Löw dennoch als wertvoll. Auch den Versuch mit der Dreierreihe wollte er nicht als gescheitert bewerten. «Nein, ich war sehr zufrieden, absolut. Auch wenn ich jetzt vielleicht einer der wenigen bin», betonte Löw. «Zwei der drei Gegentore sind entstanden nach eigenen Eckbällen. Da waren eigentlich alle unsere Abwehrspieler vorne.»

Die Gegentore hätten «nichts mit dem System zu tun gehabt», meinte auch Mats Hummels, der im ungewohnten Abwehrverbund noch am besten zurecht kam. Abwehrchef Holger Badstuber und Jérôme Boateng hatten weit mehr Schwierigkeiten, waren bei zwei der drei Gegentore noch nicht zurück von ihren Vorstößen. Allerdings waren die Spieler von Löw mit der System-Umstellung ins kalte Wasser geworfen worden. «Wir wurden auch überrascht, haben erst in der Mannschaftssitzung davon erfahren», berichtete Hummels. «Wir wussten es nicht. Aber wir sind Profis, wir müssen es trotzdem spielen können», sagte Boateng.

Löw wollte offenbar die unverhofft neue Situation auch für seine Spieler simulieren. Nicht einmal hatte er vor dem Spiel die neue Taktik auf dem Trainingsplatz üben lassen. «Ich habe die Dreierkette deswegen getestet, um den Ernstfall vor dem Ernstfall zu proben», erklärte der Bundestrainer. Falls man zum Beispiel bei der EM-Endrunde im kommenden Sommer in einem Spiel durch einen Platzverweis in Unterzahl geraten würde, müsse es einen Plan B geben, erläuterte Löw. «Wir haben uns ein bisschen ungeschickt angestellt», räumte Dortmunds Supertalent Mario Götze ein.

Auch die Startelf-Premiere des Mittelfeld-Duos Götze/Özil verlief keinesfalls zauberhaft, auch wenn der 19 Jahre junge Götze nach der Partie vor 69 720 Zuschauern im renovierten Olympiastadion der ukrainischen Hauptstadt zum Zusammenspiel mit Mesut Özil sagte: «Wir verstehen uns beim Training und auch auf dem Platz. Das hat man in der einen oder anderen Situation auch gesehen.» Für die offensiven Akzente sorgte vielmehr Toni Kroos: Der 21-Jährige Münchner schoss ein Tor selbst (38. Minute) und bereitete den Ausgleich von Thomas Müller (77.) vor. Dazwischen traf Simon Rolfes (65.).

Dass Deutschland überhaupt noch mal zur Ausgleichschance kam, hatte das umgekrempelte Team auch Debütant Ron-Robert Zieler zu verdanken. Der Hannoveraner erlebte mit den Gegentoren durch Andrej Jarmolenko (28.), Sergej Konopljanka (36.) und Sergej Nasarenko (45.) erst die Hölle - drei Treffer in einer Halbzeit hatte in der Ära Löw noch kein deutscher Keeper kassiert. «Nach der Pause hat er noch zwei Tore verhindert», lobte dann der Bundestrainer seinen 50. Debütanten. dpa