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Festnahme vor dem EM-Spiel in Warschau.
Festnahme vor dem EM-Spiel in Warschau. © dpa
12.06.2012

Gewalt und Hassparolen vor EM-Spiel: Auch Deutscher unter den Verletzten, 100 Festnahmen

Warschau. Mindestens elf Verletzte, mehr als 100 Festnahmen - das ist die vorläufige Bilanz der Ausschreitungen vor dem sportlich wie politisch brisanten EM-Spiel zwischen Polen und Russland. Die Polizei verstärkte am Dienstagabend den Schutz der russischen Botschaft.

Während im Warschauer Nationalstadion vereinzelt Feuerwerkskörper aus dem russischen Fanblock flogen, versuchten in der Innenstadt Hooligans, durch einen Technik-Eingang in die Fanzone einzudringen. Dort hatten sich nach Angaben der Organisatoren rund 100 000 Fans vor allem in den polnischen Farben versammelt. Die Hooligans bewarfen Polizisten mit Steinen und Flaschen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP.

Zuvor waren mehr als 1000 russische Fans in einem Block zum Spiel ins Warschauer Stadion marschiert. Sie wollten mit dem gemeinsamen Marsch ihren Unabhängigkeitstag feiern. Die Organisatoren hatten sich vorher verpflichtet, keine sowjetischen Symbole zu tragen, die die aufgeheizte Stimmung noch weiter anfachen könnten.

Trotz eines massiven Polizeiaufgebotes versuchten polnische Hooligans wiederholt, die Russen zu provozieren und anzugreifen. Steine flogen, Feuerwerkskörper wurden gezündet. Auch aus dem russischen Block suchten Hooligans die Auseinandersetzung mit den Polen. Nach Angaben der Polizei gab es bei den verschiedenen Zusammenstößen elf Verletzte, darunter einen Deutschen. Keiner der Verletzten sei in Lebensgefahr, hieß es. Weitere Festnahmen wurden am Dienstagabend nicht ausgeschlossen. Ein Polizeisprecher sagte, die Polizei analysiere die Bilder der Überwachungskameras, um Gewalttäter zu identifizieren.

Auch eine Gruppe älterer Polen demonstrierte gegen Russland. „Russland hat den polnischen Präsidenten ermordet“ hieß es auf einem Plakat in Anspielung auf den Flugzeugabsturz des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski beim Anflug auf das russische Smolensk. „Stoppt Putin und den KGB“, hieß es auf einem anderen Plakat, das ein Mann dem russischen Fanblock entgegenstreckte. Als russische Fans während der Nationalhymnen vor dem Anpfiff eine riesige Flagge mit einer martialischen Figur mit einem Schwert und der Aufschrift „This is Russia“ enthüllten, gellten Pfiffe durch das Stadion.

Der polnische Innenminister Jacek Cichocki hatte den Polizeieinsatz vor dem politisch wie sportlich brisanten Spiel als bisher größte Herausforderung für die Sicherheitskräfte bei der EM bezeichnet. dpa