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Im Testspiel gegen Chile in Stuttgart wird es noch einmal ernst: DFB-Nationaltrainer Joachim Löw will wohl noch einige Neulinge testen. In zwei Monaten muss er seinen Kader für die Fußball-WM in Brasilien nominiert haben. © dpa
05.03.2014

Heute letzter Test vor der Kader-Nominierung für Fußball-WM

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft startet am Mittwoch (20.45 Uhr) in Stuttgart gegen Chile in das WM-Jahr. Für Bundestrainer Joachim Löw ist das Länderspiel bereits die letzte Sichtungsmöglichkeit vor der Kader-Nominierung für die Weltmeisterschaft in Brasilien am 8. Mai.

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Beim Test gegen den WM-Teilnehmer aus Südamerika wird Kapitän Philipp Lahm im Mittelfeld zum Einsatz kommen. Auf der rechten Verteidiger-Position darf der Dortmunder Kevin Großkreutz nach drei Jahren sein Comeback im Nationaltrikot feiern. Die drei Neulinge André Hahn vom FC Augsburg, Matthias Ginter vom SC Freiburg und Shkodran Mustafi von Sampdoria Genua hoffen auf ihr Länderspieldebüt. Pierre-Michel Lasogga vom Hamburger SV fällt wegen einer Muskelverhärtung aus. Die Partie wird live in der ARD übertragen.

Joachim Löw muss sein WM-Personalpuzzle in 64 Tagen fertigstellen, Oliver Bierhoff kontrolliert die Baustelle. Nach dem Testländerspiel gegen Chile in Stuttgart beginnt für die Verantwortlichen der Fußball-Nationalmannschaft die entscheidende WM-Vorbereitungsphase eher im Verborgenen. «Wir sind weltmeisterlich vorbereitet, wenn es losgeht. Wir haben alle Dinge tausendmal durchdiskutiert», versicherte Bundestrainer Löw trotz seiner «Kopfschmerzen» über die aktuelle personelle Situation im DFB-Team. Auch das WM-Stammquartier «Campo Bahia», das sich weiterhin im Bau befindet, werde rechtzeitig fertig sein, sagte Manager Bierhoff.

Der nächste wichtige öffentliche Termin für die Chefs der deutschen Titelmission ist der 8. Mai. An diesem Tag wird Löw die wenigen Geheimnisse um seinen Brasilien-Kader lüften. 26 oder 27 Namen werden höchstwahrscheinlich zunächst auf der Liste auftauchen. Einen Tag nach dem vorletzten WM-Test am 1. Juni in Mönchengladbach gegen Kamerun muss Löw sich endgültig auf die 20 Feldspieler und drei Torhüter festlegen, die am 7. Juni nach Brasilien fliegen werden.

«Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, mit welcher Zahl an Spielern wir in die Vorbereitung gehen», erklärte Löw. Das sei auch davon abhängig, wie weit der FC Bayern und Borussia Dortmund in der Champions League kommen. Schafft ein deutscher Verein den Einzug ins Königsklassen-Endspiel am 24. Mai in Lissabon, oder sind wie im Vorjahr sogar beide Clubs in Finale dabei, würde der Bundestrainer am 21. Mai wohl mit noch mehr Reservekandidaten ins Passeiertal nach Südtirol reisen. Bis zum 31. Mai ist dort das Trainingscamp gebucht.

Schon zum Start in die unmittelbare Vorbereitung am 13. Mai in Hamburg wird der Kader höchstwahrscheinlich eingeschränkt sein, da Löw auf die DFB-Pokalfinalisten unter seinen WM-Kandidaten im Test gegen Polen verzichten muss. Für den 17. Mai ist in Berlin mit einem weiteren Aufeinandertreffen der Dauerrivalen Bayern und BVB zu rechnen. «Da wird es einen erweiterten Kader geben», hat der 54-jährige Löw bereits für das Benefizspiel gegen Polen festgelegt. Als WM-Generalprobe wird der dreimalige Weltmeister Deutschland am 6. Juni unmittelbar vor der Abreise nach Südamerika in Frankfurt auf Armenien treffen.

Die organisatorische Planung des WM-Abenteuers, bei dem 35 Betreuer die 23 Spieler begleiten werden, ist fast abgeschlossen. «Alles, was in unser Verantwortung ist, darüber mache ich mir keine Sorgen», betonte Manager Bierhoff in Stuttgart. Dabei wird der Tross des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auch neue Wege beschreiten.

Ins Trainingslager nach Südtirol, wo sich das deutsche Team schon 1990 und 2010 auf WM-Turniere vorbereitet hatte, nimmt sich Löw als Sparringspartner die U 20-Auswahl des DFB mit. Im Zwei-Tages-Rhythmus können so die Taktiken der WM-Vorrundengegner Portugal, Ghana und USA in Trainingsspielen simuliert werden. Die Idee für das Novum stammt von Löws Assistenzcoach Hansi Flick, der nach der WM auf die Position des DFB-Sportdirektors wechselt. «Wir finden dort insgesamt hervorragende Bedingungen, ein sehr gutes Hotel, einen idealen Trainingsplatz in der Nähe, kurze Fahrten», begründete Löw den erneute gewählten Trainingsort in Norditalien.

In Brasilien selbst bezieht die deutsche Delegation in der Nähe des beliebten Urlaubsortes Porto Seguro eine Hotelanlage, an der noch fleißig gewerkelt wird. Brasilien-Experte Bierhoff, der mittlerweile schon fünfmal im WM-Land war, kontrolliert die Baufortschritte auf dem 15 000 Quadratmeter großen Sport- und Naturressort direkt am Strand. Philipp Lahm und Co. sollen in 14 zweigeschossigen Häusern in einer Art «WG» leben, Funktionsgebäude und ein eigener Trainingsplatz sind in unmittelbarer Nähe.

Auch im Turnier verändert Löw traditionelle Abläufe. Erstmals wird das Team schon zwei Tage vor den Partien in den jeweiligen Spielort reisen. Hauptgrund: Das letzte Training vor den 13-Uhr-Spielen gegen Portugal und die USA findet am Vortag ebenfalls um die Mittagszeit statt. «Wir haben festgestellt, dass bei einer frühen Anreise am selben Tag das Abschlusstraining nicht so effektiv ist», erläuterte Bierhoff. Das dritte Gruppenspiel gegen Ghana wird um 16.00 Uhr (21.00 Uhr in Deutschland) angepfiffen. «Diese Zeiten sind für uns gewöhnungsbedürftig», bemerkte der Bundestrainer.

Trotz der akribischen Planungen kann nicht für alles Vorsorge getroffen werden, weiß Cheforganisator Bierhoff: «Man muss in Brasilien mit Dingen rechnen, die man nicht beeinflussen kann. Es wird wichtig sein, dass wir die Mannschaft darauf einstellen, dass man ein bisschen entspannter und lockerer ist und mit Hindernissen umgehen muss.»

Die Aufstellung:

Deutschland: Neuer (Bayern München/27 Jahre/44 Länderspiele) - Großkreutz (Borussia Dortmund/25/3), Mertesacker (FC Arsenal/29/95), Boateng (Bayern München/25/36), Schmelzer (Borussia Dortmund/26/15) - Lahm (Bayern München/30/104), Schweinsteiger (Bayern München/29/100) - Götze (Bayern München/21/26), Kroos (Bayern München/23/41), Podolski (FC Arsenal/28/111) - Klose (Lazio Rom/35/130)

Chile: Herrera (Universidad de Chile/32/6) - Isla (Juventus Turin/25/44), Medel (Cardiff City/26/58), Marcos Gonzáles (Flamengo Rio de Janeiro/33/26), Gonzalo Jara (Nottingham Forrest/28/63) - Carmona (Atalanta Bergamo/27/43), Vidal (Juventus Turin/26/52), Mena (FC Santos/25/22) - Alexis Sánchez (FC Barcelona/25/64), Valdivia (Palmeiras Sao Paulo/30/55), Vargas (FC Valencia/24/26)