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Bundestrainer Joachim Löw (Mitte) leitet in Düsseldorf das Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und beobachtet die Spieler (von links) Andre Schürrle, Mario Gomez, Toni Kroos, Marco Reus und Thomas Müller. Die DFB-Auswahl trifft am Mittwoch in Düsseldorf auf Argentinien. © dpa
03.09.2014

Löws Weltmeister starten gegen Argentinien in die neue Saison

52 Tage nach dem WM-Finalsieg von Rio de Janeiro tritt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erneut gegen Endspielgegner Argentinien an. Am Mittwoch (20.45 Uhr) startet das Weltmeister-Team von Bundestrainer Joachim Löw mit einem Test gegen die Südamerikaner in die neue Saison. Löw muss allerdings seine Elf kräftig umstellen.

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Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker werden vor der Partie offiziell aus der DFB-Auswahl verabschiedet. In der Düsseldorfer Arena werden auch die angeschlagenen Bastian Schweinsteiger, der neuer Kapitän ist, Shkodran Mustafi, Mesut Özil, Sami Khedira, Jérome Boateng und Mats Hummels fehlen.

Joachim Löw hatte bei seiner Rückkehr ins Fußball-Rampenlicht Großes zu verkünden - vor allem ein «klares» neues Ziel: «Das muss heißen: EM-Finale 2016 in Paris!» Deutschlands Trainer des Jahres gab am Dienstag in seiner ersten großen Ansprache an die Nation die Richtung vor: Fortschritt statt Stillstand, weiterer Titelhunger statt Zufriedenheit, Kontinuität statt eines radikalen Umbruchs.

Dazu passte die Kapitäns-Wahl: Löw beförderte vor der Final-Neuauflage gegen Argentinien am Mittwoch (20.45 Uhr) den bisherigen Stellvertreter Bastian Schweinsteiger zum neuen Chef der Nationalmannschaft.

«Ich habe Abstand vom Fußball gebraucht», gestand Löw nach dem «Rausch des Sommers», der gegen die Argentinier bei der offiziellen Verabschiedung der zurückgetretenen Weltmeister Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker für einen Abend noch einmal aufleben soll. «Man kann mit diesem Spiel den Leuten das Sommergefühl noch mal zurückgeben», betonte der Bundestrainer und schwärmte noch einmal: «Es waren viele magische Momente für die Ewigkeit.»

Brasilien wirkt nach, bei Löw, bei den Spielern und bei den Fans. Die Hierarchie in der Mannschaft hat der Chefcoach beim ersten Wiedersehen sofort neu geordnet, vorerst bis zur EM 2016 in Frankreich. «Bastian hat enorme Bedeutung und Akzeptanz in der Mannschaft. Er wird das Kapitänsamt in den nächsten zwei Jahren bekleiden», sagte Löw über den 108-maligen Nationalspieler, der seit 2004 das Nationaltrikot trägt.

Löw hob noch einmal die gewaltige Willensleistung von Schweinsteiger beim 1:0 im Finale gegen Argentinien hervor. «Er hat ein großes Ziel, die EM 2016. Er sprüht weiter vor Ehrgeiz.» Die häufigen Ausfälle des 30-Jährigen, der an Knieproblemen leidet, tat Löw ab: «Die Verletzung ist nicht solcher Natur, dass er monatelang ausfallen wird.»

Auch den Mannschaftsrat formierte der Bundestrainer neu: Nach dem Ausscheiden von Lahm, Klose und Mertesacker bilden die drei Bayern-Profis Schweinsteiger, Manuel Neuer und Thomas Müller, der Dortmunder Mats Hummels und Champions-League-Sieger Sami Khedira von Real Madrid den fünfköpfigen Führungszirkel. Khedira muss allerdings erneut länger pausieren.

Neu-Kapitän Schweinsteiger wird wegen einer Knieblessur bei der Premiere des neuen Vier-Sterne-Trikots auch nicht auf dem Rasen stehen. Das übernimmt gegen Argentinien Torwart Neuer. Die Weltmeister-Elf wird in der ausverkauften Esprit-Arena nur noch punktuell mit der von Rio übereinstimmen. Denn neben Lahm, Klose und dem eingewechselten Mertesacker werden auch Schweinsteiger, Mesut Özil (Knöchel) sowie die angeschlagenen Khedira, Jérome Boateng und Hummels fehlen.

Löw hofft auf den einen oder anderen am Sonntag in Dortmund zum Start EM-Qualifikation gegen Schottland. Özil wird am Mittwoch in Düsseldorf erwartet. «Man muss vorsichtig mit den hochbelasteten Spielern umgehen, dass sie nicht verschlissen werden nach diesem Turnier», mahnte der Bundestrainer.

Den Hoffenheimer Mittelfeldspieler Sebastian Rudy nominierte er nach. Junge Weltmeister wie Erik Durm (22) oder Matthias Ginter (20), die in Brasilien ohne Einsatz geblieben waren, sollen laut Löw «mehr Entfaltungsmöglichkeiten» erhalten. «Der Umbruch wird aber nicht radikal, er wird behutsam sein», kündigte der Bundestrainer an.

Dem schon 29 Jahre alten Mario Gomez soll nach dem Abschied von Rekordtorschütze Klose (71 Treffer) wieder die Zukunft im Angriff gehören. «Mario ist heiß, es zu zeigen», sagte Löw über Gomez, den er aus Fitnessgründen nicht für das WM-Turnier nominiert hatte.

Große WM-Gefühle werden auch den Mittwochabend dominieren. «Man kann den Schalter nicht von heute auf morgen umlegen und die WM in Vergessenheit geraten lassen», sagte Löw. Die Neuauflage gegen die Argentinier, die ohne Lionel Messi antreten müssen, sei aber keine Revanche: «Argentinien kann den Titel nicht zurückholen.»

Auch der neue Co-Trainer als Nachfolger von Hansi Flick steht fest: Der in der vergangenen Saison beim VfB Stuttgart als Chefcoach entlassene Thomas Schneider wird am 1. Oktober sein Amt antreten. Zehn Tage später wird der 41-Jährige, der einen Vertrag bis 2016 bekam, in Warschau gegen Polen erstmals bei einem Länderspiel neben Löw auf der Bank sitzen. «Ich glaube, er ist der Richtige für die Position», sagte Löw über Schneider, der einst beim VfB Stuttgart sein Bundesligaspieler war. «Die Aufgabe ist für mich eine große Herausforderung. Ich fühle mich geehrt», kommentierte Schneider seinen Aufstieg - er war aktuell ohne Beschäftigung.

In einem klassischen weiß-blauen Trainingsanzug dokumentierte Löw bei seiner Pressekonferenz in einem Düsseldorfer Autohaus, dass nach dem rauschenden WM-Sommer wieder die Arbeit in den Vordergrund rücken muss. «Stillstand darf es nicht geben. Wir sind nun noch mehr die Gejagten. Wir wollen aber auch weiter jagen», sagte der 54-Jährige.