nach oben
Potsdams Cheftriner Bernd Schröder kritisiert die Nationaltrainerin Silvia Neid. Foto: dpa
schröder © dpa
30.06.2011

Potsdamtrainer Bernd Schröder: «Spreche aus, was alle Leute denken»

BERLIN. Kritik an der WM-Vorbereitung, der mangelnden Präsenz von Bundestrainerin Silvia Neid und der Vermarktung von Nationalspielerin Fatmire Bajramaj: Cheftrainer Bernd Schröder von Turbine Potsdam lässt derzeit kaum eine Gelegenheit aus, öffentlich seine Meinung kundzutun. Seine Beweggründe erläutert der Meistertrainer im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

In letzter Zeit hagelte es von Ihnen Kritik an Silvia Neid - unter anderem, weil sie sich zu wenig in Potsdam blicken lässt. Was haben Sie eigentlich gegen die Bundestrainerin?

Schröder: «Wir haben keine Dinge, die uns in der Endkonsequenz entzweien. Wir sind uns viel näher als Neid es mit anderen Trainern der Clubs ist. Wenn sie uns nichts wert wäre, würden wir sagen: Bleib, wo du bist. Das Entscheidende ist nicht, dass sie nach Potsdam kommen soll, um Spieler zu beobachten. Es gehört sich einfach, dass man in eine Region mal kommt und sich präsentiert.»

Hätten Sie ihr das nicht auch unter vier Augen sagen können?

Schröder: «Es ist wichtig, dass ich diesen Hinweis gebe - auch in der Öffentlichkeit. Ich spreche das aus, was alle Leute denken. Ich finde, es muss einfach mal gesagt werden, weil es die Empfindung dieser Region ist.»

Was macht Bundestrainer Joachim Löw anders?

Schröder: «Jogi Löw ist öfter in Berlin und bei anderen Bundesliga-Vereinen. Er ist bei seinen Clubs wesentlich präsenter, wenn man es vergleicht.»

Sie haben auch die positive Wirkung der Frauenfußball-WM infrage gestellt. Sehen Sie das mittlerweile anders?

Schröder: «Ich bin da Realist. Das sehen Sie ja schon draußen auf den Straßen: 0,1 Prozent fahren hier mit deutschen Flaggen an den Autos rum. Es ist wichtig zu sehen, wie die Spiele weitergehen - vor allem die, die nicht mit der deutschen Mannschaft sind.»

Wie beurteilen Sie bisher die Leistung unserer Kickerinnen und Ihres ehemaligen Schützlings Fatmire Bajramaj?

Schröder: «Die Spielerinnen müssen sich noch ein bisschen bewegen. Fatmire Bajramaj ist im Moment nicht in der Lage, das, was im Vorfeld über sie gesagt wurde, auch zu bringen. Da kann natürlich auch eine Silvia Neid nichts machen. Ich habe das Gefühl gehabt, dass sie beim Auftaktspiel ein bisschen ausgegrenzt wurde.»

Warum?

Schröder: «Sie hat sich meiner Ansicht nach nicht so auf den Fußball konzentrieren können, wie wir uns das vorgestellt hatten. Dieses ganze Brimborium - auf jeder Zeitung fünfmal gedruckt - das kann sie nicht verkraften. Im Moment sieht es so aus, dass sie durch diese Aktionen mehr Konflikte mit den Mitspielerinnen hat. Mit Birgit Prinz hätte man das nicht machen können, weil die gesagt hätte: Nö.» dpa