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Angeblich wirbt ein junger australischer Fußballverein um Altstar Michael Ballack. Der Ex-Nationalspieler hat sich aber wohl noch nicht entschieden.
Angeblich wirbt ein junger australischer Fußballverein um Altstar Michael Ballack. Der Ex-Nationalspieler hat sich aber wohl noch nicht entschieden. © dpa
26.09.2012

Rentnerfußball in Australien: Junge Clubs locken Altstars wie Ballack

Vervollständigt Michael Ballack das Trio der Altstars in Australien? Das stand auch am Mittwoch nicht fest. Aber ganz gleich, ob der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft in Kürze «down under» kickt oder nicht, die kleine Liga auf der anderen Seite des Globus hat in den vergangenen Wochen in der ganzen Welt aufhorchen lassen.

Der frühere italienische Star Alessandro Del Piero hat bereits unterschrieben genau wie Emile Heskey, der mehr als 60 Spiele für Englands Nationalteam gemacht hat. Sollte jetzt auch noch Ballack auf dem fünften Kontinent gegen den Ball treten, ist das sonstige Fußballer-Exportland Australien plötzlich zum Importeur geworden.

 

Dabei existiert die Liga erst seit 2004 und ist damit im Vergleich mit ihren europäischen Verwandten allenfalls ein Baby. Wichtigster Geburtshelfer war Verbandspräsident Frank Lowy, ein milliardenschwerer Geschäftsmann, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ohne einen Dollar in der Tasche in Australien gelandet war. Lowy holte mit seinem Team die Randsportart «soccer» aus den ethnischen Nischen, in denen sie jahrzehntelang vor sich hingedümpelt war. Die vorher existierende National Soccer League litt unter ethnischen Konflikten, der «Runballsport» war beim Durchschnittsaustralier verpönt und litt an Bedeutungslosigkeit. Mittlerweile heißt «soccer» stolz «football» und ist der ansonsten eher Rugby- und Kricket-verrückten Öffentlichkeit zumindest ein bisschen vertrauter geworden. Dabei halfen vor allem die Teilnahmen bei den letzten beiden Weltmeisterschaften.

 

Finanziell ist die Liga immer noch schwach aufgestellt. Vom Verband vorgegeben dürfen die Vereine nur eine relativ geringe Summe für Spielergehälter ausgeben, Ausnahme ist der sogenannte Marquee Player, der durch Sponsoren unabhängig finanziert werden kann. So kam auch schon der erste bekannte Spieler nach Australien, Dwight Yorke, der in der Premier League in England Hunderte Spiele vor allem für Aston Villa und Manchester United absolviert hatte. Er arbeitete damals übrigens mit Pierre Littbarski zusammen, der den Sydney FC als Trainer in der ersten Saison zum ersten Titelträger der neuen Liga machte, bevor er überraschend geschasst wurde.

 

Beim selben Verein, der inzwischen einem russischen Multimillionär gehört, hat jetzt Del Piero angeheuert. Welchen Eindruck dies bei den nicht unbedingt von Stars verwöhnten Fußballfans macht, war schon zu sehen. Der mittlerweile 37 Jahre alte Juventus-Star hat allein mit seiner Vertragsunterschrift einen Run auf die Eintrittskarten ausgelöst. Und das nicht nur bei seinem neuen Verein, sondern auch bei jedem Konkurrenten, bei dem der Sydney FC antritt.

 

Sollte Ballack unterschreiben, müsste er einen deutlichen Gehaltsabstrich hinnehmen - von weniger als 1,5 Millionen Euro pro Jahr ist die Rede. Außerdem würde er für einen Verein spielen, der noch ganz neu ist. Die Western Sydney Wanderers werden das erste Mal in der Liga antreten, in der nur zehn Teams vertreten sind. Eines davon kommt übrigens aus Neuseeland, so dass die Partie zwischen den Wellington Phoenix und Perth Glory jeweils das extremste Auswärtsspiel der Welt darstellt. Acht Flugstunden müssen die Spieler reisen, der Zeitunterschied beträgt fünf Stunden.

 

Die Wanderers sollen im dicht besiedelten und stetig wachsenden Westen der größten australischen Stadt einen Kontrast zum Glamour-Club Sydney FC aus dem reichen Osten unweit vom weltberühmten Opernhaus und der ebenso bekannten Hafenbrücke bieten. Bis auf weiteres wird der Verein vom Verband betrieben und finanziert, erst wenn er erfolgreich integriert ist, soll er an private Investoren verkauft werden.

 

Von den Ausnahmespielern, zu denen auch Ballack gehören könnte, erwarten sich der Fußball und Verbandschef Lowy außer größerem Interesse noch deutlich mehr. Sie sollen als Vorbilder gelten und ihre jungen einheimischen Kollegen nicht nur auf dem Platz anführen, sondern ihnen auch vorleben, wie sich ein Profi im Training und im Umgang mit der Öffentlichkeit verhält. Und was springt für die Altstars heraus außer einem anständigen Antrittsgeld, das sie aber alle anderswo zum Beispiel in den Ölstaaten vervielfachen könnten? Allessandro Del Piero hat es bereits vorgemacht. Der Weltmeister von 2006 ging erstmal mit seinen Kindern in den fabelhaften Zoo von Sydney. So schön lässt es sich sonst kaum irgendwo arbeiten. dpa