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Schalke © dpa
23.02.2012

Schalke 04 zittert sich ins Achtelfinale der Europa League, Hannover 96 siegt souverän

Gelsenkirchen (dpa) - Torjäger Klaas Jan Huntelaar hat mit seinen beiden Treffern in der Verlängerung den FC Schalke 04 vor einer Riesenblamage in der Europa League bewahrt. Drei Tage vor dem Fußball-Schlager am Sonntag beim krisengeschüttelten FC Bayern erreichte der Revierclub erst nach einem Zittersieg über Viktoria Pilsen das Achtelfinale im Europacup.

Eine Woche nach dem 1:1 bei den Tschechen gewannen die Gelsenkirchener am Donnerstag erst nach Überstunden mit 3:1 (1:1, 1:0). Klaas Jan Huntelaar traf in der 106. und 120. Minute - er hat nun 13 Europacup-Treffer für die Gelsenkirchener erzielt. Der Niederländer hatte schon nach acht Minuten den Führungstreffer erzielt.

Obwohl der tschechische Meister nach einer Roten Karte gegen Stürmer Marek Bakos nach einer Stunde mit zehn Mann spielen musste, erzielte Verteidiger Frantisek Rajtoral in der 88. Minute noch den Ausgleich.

Huntelaar wurde von den 54 142 Zuschauern in der ausverkauften Veltins Arena für seinen Dreierpack überschwänglich gefeiert. Der Niederländer hatte im 17. Spiel für Schalke auf der europäischen Fußball-Bühne seine Treffer elf bis 13 gemacht. Damit hat er Ebbe Sand als Euro-Rekordtorschütze der „Königsblauen“ abgelöst.

Huntelaar darf sich nun genau wie sein über weite Strecken der Begegnung arg verärgerter Trainer Huub Stevens auf ein Gastspiel in der Heimat freuen. Die „Knappen“ treten im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale zunächst am 8. März bei Twente Enschede an. Jefferson Farfan wird dann gelbgesperrt fehlen. Das Rückspiel steigt eine Woche später.

Fast in der Aufstellung der 4:0-Gala in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg hatte Stevens seine Elf auf das Feld geschickt. Lediglich der am vergangenen Samstag gelbgesperrte Kapitän Benedikt Höwedes war für Atsuto Uchida dabei. Und natürlich stand Timo Hildebrand für den verletzten Lars Unnerstall im Tor. Doch ein Fußball-Feuerwerk gab es diesmal nicht.

Im Gegenteil: Die Tschechen, bei denen der gesperrte Kapitän und Spielmacher Pavel Horvath fehlte, kamen besser ins Spiel. Schalke agierte nach der Pause wieder druckvoller, doch letztendlich ohne zwingende Chancen. Spätestens als nach genau einer Stunde Stürmer Bakos nach einer Tätlichkeit an Geburtstagskind Kyriakos Papadopoulos vom Platz gestellt wurde, sprach nichts, aber auch gar nichts mehr für die Gäste aus der Bierstadt.

Doch das Team von Trainer Pavel Vrba, der ein Angebot als tschechischer Nationaltrainer vorliegen hat, gab sich nicht auf. Nach dem Spanier Raul (70.) vergab auch Huntelaar eine gute Möglichkeit kurz vor Schluss der regulären Spielzeit - es wäre die Entscheidung gewesen. Dann brachte Höwedes auf der anderen Seite den Ball nicht weg, Rajtoral war zur Stelle - und es ging in die Verlängerung. Schalke war für seine Überheblichkeit bestraft worden.

Die Hausherren übernahmen wieder das Kommando. Pilsens Keeper Marek Cech parierte einen Huntelaar-Schuss. Auch gegen neun Gästespieler, Vaclav Prochazka musste in der ersten Hälfte der Verlängerung neun Minuten verletzt draußen bleiben und wechseln konnte sein Team nicht mehr, schafften die Schalker trotz guter Chancen kein Tor. Dann kam Huntelaar.

Hannover 96 besiegt Daums Brügge

Bereits zuvor hatte Hannover 96 Christoph Daum und seinen FC Brügge aus der Europa-League geschossen. Eine Woche nach dem hochdramatischen 2:1-Sieg über die Belgier schafften die Niedersachsen am Donnerstagabend mit einem 1:0 (1:0)-Auswärtssieg souverän den Einzug ins Achtelfinale.

AnzeigeFür den Bundesliga-Siebten ist es der größte Erfolg der Vereinsgeschichte auf der internationalen Fußball-Bühne. Mame Diouf (21.) erzielte für den zweimaligen deutschen Meister das Tor. Nationaltorhüter Ron Robert Zieler war mit einer Klasseleistung einmal mehr Garant und ist nun genau wie sein Team in diesem Jahr noch ungeschlagen. Mit starken Paraden verhinderte der junge Schlussmann durchaus mögliche Treffer der Hausherren im Jan-Breydel-Stadion.

Auf dem Fußball-Acker in Flandern erzielte der in der Winterpause aus Manchester gekommene Diouf die so wichtige Führung für das Team von Trainer Mirko Slomka. Vor der Begegnung hatte Brügges Trainer Daum geschimpft: „Unser Platz ist so schlecht, dass ein Bauer seine Kühe nicht darauf lassen würde, aus Angst, dass sie sich die Beine brechen.“ Hannover war ohne Angst auf dem Acker. „Wir sind bereit, auf jedem Platz zu spielen“, sagte Slomka.

Der Trainer hatte sein Team vier Tage nach der Gala gegen Stuttgart einmal mehr prima eingestellt. Die 96er standen in der Raute - Schlaudraff wirbelte hinter den beiden Spitzen Diouf und Abdellaoue. Der Norweger war es denn auch, der sich vor dem überraschenden Führungstor das Leder im Mittelfeld erkämpfte. Danach spielte er weiter auf Stindl und der hatte viel Platz für seine Flanke. Im Fünfmeterraum rutschte zunächst Hoefkens am Ball vorbei, doch Diouf stand goldrichtig.

Zu Beginn waren die Gäste im Glück gewesen, später hätten sie schnell auf 2:0 erhöhen können. Nach einem Alleingang scheiterte Schlaudraff (33.), zwei Minuten Abdellaoue aus kurzer Distanz an Brügges Schlussmann Coosemans.

Kurz vor und nach der Pause stand dann Hannovers Torhüter im Blickpunkt. Zunächst sah er die Gelbe Karte, weil er sich nach einem Foul heftig aufgeregt hatte. Danach sicherte Zieler die Führung, als er gegen Meuniers Kopfball einen tollen Reflex zeigte. Nach dem Wechsel drängten das Team von Trainer Daum auf den Ausgleich. Immer wieder war es Hannovers Keeper, der hielt, was zu halten war.

Nach der kurzen Sturm- und Drangphase der Gäste hatte dann der Bundesligst wieder die eine oder andere Chance. Hannover spielte richtig tollen Fußball, doch Tore gab es keine mehr.