Jan Gulbransson kennt Donald Duck aus dem Effeff. Foto: Sina Schuldt
Jan Gulbransson kennt Donald Duck aus dem Effeff. Foto: Sina Schuldt

Jan Gulbransson: Darum trägt Donald Duck keine Hose

München (dpa) - Jan Gulbransson ist einer der wenigen deutschen Disney-Zeichner und verfasst seit fast 40 Jahren Donald-Duck-Comics. Es scheint eine Art Schicksalsgemeinschaft zu sein.

Gulbransson hat fünf Tage vor Donald Geburtstag, ist gerade 70 geworden, und kennt den vielleicht berühmtesten Erpel der Welt wie kaum ein anderer. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München beantwortet er zum 85. Geburtstag der Ente am Sonntag (9. Juni) ein paar grundlegende Fragen.

Frage: Donald wird 85 - wie hat er sich verändert?

Antwort: So wie er ist, ist er gut. Vom Charakter kann er sich nicht ändern, weil er sich selber treu ist und es auch sehr schade wäre, wenn man ihn ändern würde. Was sich geändert hat, ist das technische Equipment, das er hat. Es gibt halt jetzt - um es auf einen Nenner zu bringen - Handys. Und das hat natürlich Einfluss auf die Geschichten. In Gefahrensituationen können die Ducks nun Hilfe rufen. In einer meiner Geschichten, die in Österreich spielt, erreichen die Notrufe Dagobert zum Beispiel nicht, weil er sein Handy ausgestellt hat. SMS sind ihm einfach zu teuer.

Frage: Was ist Donalds allerbeste Eigenschaft?

Antwort: Die liebste ist mir das Anarchische an ihm. Aber ob er deswegen unbedingt sozialkompatibel ist...? Mir gefällt er, aber ob jeder mit so einem Chaoten Umgang haben will, weiß ich nicht. Seine beste Eigenschaft ist vielleicht, dass er - anders als Goofy - alles andere als blöd ist. Er ist sehr intelligent und würde heute vielleicht sogar als hochbegabt gelten. Seine Einfälle sind eigentlich gut und wären nachahmenswert, wenn er sie nicht selbst ausführen würde. Aber er hat ein Charakterproblem und ist zu cholerisch.

Frage: Ist das seine schlechteste Eigenschaft?

Antwort: Das Voreilige, Cholerische, leicht Erzürnbare, ja. Er schaltet dann sein Gehirn aus. Das ist sicher keine tolle Eigenschaft - aber für das Geschichtenschreiben schön.

Frage: Warum hat er keine Hose an?

Antwort: Tja... Ich weiß es nicht. Das ist jetzt echt nicht ausgedacht: In öffentlichen Bibliotheken in Finnland wurden Donald-Comics in den 1970er Jahren verboten, weil Donald keine Hose trägt und seit 40 Jahren mit derselben Frau geht, ohne sie zu heiraten. Was schlimmer war, weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist der Grund ein ganz praktischer: Donald kommt ja aus dem Zeichentrick, und Hosen behindern in der Animation. Es ist auch schwieriger zu zeichnen, weil man auf den Faltenwurf achten muss.

Frage: Wer ist die wichtigste Ente für Donald?

Antwort: Er selber, würde ich sagen. Ich vermute: nicht Daisy. Was seine Zuneigung und emotionale Bindung angeht, stehen seine Neffen wohl an erster Stelle. Aber am meisten Einfluss auf sein Leben hat Onkel Dagobert. Wie deren Binnenverhältnis ist, weiß ich gar nicht. Aber obwohl der Alte den Jungen wahnsinnig nervt, nehme ich an, dass er ihn durchaus auch mag. Aber darüber habe ich tatsächlich noch nicht nachgedacht.

Frage: Warum hat Donald keine eigenen Kinder?

Antwort: Darüber könnte man natürlich lange philosophieren. Aber das ist auch wieder ein praktischer Grund. Wenn die Kinder gegen ihn rebellieren, dann ist das selbst in den zimperlichsten Zeiten für Disney kein Problem gewesen, weil er nur der Onkel ist. Mit dem eigenen Vater so umzugehen, wäre da einfach undenkbar gewesen. Dadurch, dass der Onkel inkompetent ist und als Elternteil eher ungeeignet wäre, ist zwischen ihm und Tick, Trick und Track eine gewisse Waffengleichheit hergestellt.

Frage: Und darum ist Onkel Dagobert nicht Opa Dagobert?

Antwort: Das ist auch sinnvoll. Wenn Dagobert einen Sohn wie Donald hätte, wäre Donald nicht so, wie er ist. So hat Dagobert zwar die Macht, weil er das Geld hat, aber nicht die Erziehungsgewalt über Donald.

Frage: Glauben Sie, dass Donald irgendwann mal altersweise wird?

Antwort: Da ich Donald wünsche, dass er mindestens 200 Jahre alt wird, ist mir das völlig egal. Sollte er wirklich altersweise werden, tun mir heute schon die späteren Schreiber von Donald-Geschichten leid.

ZUR PERSON: Jan Gulbransson ist der Enkel des Malers und Karikaturisten Olaf Gulbransson. 1980 begann er, Donald für einen niederländischen Verlag, der die Disney-Rechte innehatte, zu zeichnen. Alles darf Gulbransson im Übrigen nicht. Seiner Kreativität sind bei Donalds Abenteuern die disneyüblichen Grenzen gesetzt: «Es gibt natürlich die klassischen Disney-Tabus: Sex, Religion und Tod.»