Richard David Precht hält Verbote für vernünftig. Foto: Britta Pedersen
Richard David Precht hält Verbote für vernünftig.  Foto: Britta Pedersen

Richard David Precht: «Die Menschen lieben Verbote»

«Die meisten Leute sind natürlich erst einmal dagegen, aber nachher sind sie froh, dass es die Verbote gibt.» Als Beispiel nannte Precht das Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Gaststätten.

Weiter führte Precht aus: «Wenn Sie in Deutschland etwa die Massentierhaltung verbieten wollten, hätten Sie bereits jetzt eine Bevölkerungsmehrheit dafür. Natürlich wäre erst mal die Folge, dass der Fleischpreis steigt. Dann würden sich die Leute ein bisschen ärgern. Und innerhalb ganz, ganz kurzer Zeit würden sie sich daran gewöhnen, dass Fleisch teurer ist als früher. Und irgendwann würde man es gar nicht mehr vergleichen. Dann ist das halt so.»

Precht sagte auch, er finde es «furchtbar, dass die Politik vor Verboten eine solche Angst hat»: «Es ist schlimm, dass sie als Politiker heute, bis zur Blödigkeit darauf erpicht sein müssen, beliebt zu sein, und sich nie trauen, etwas zu machen, das vernünftig ist. Die Grünen sind da ein typisches Beispiel, weil man ihnen vorgeworfen hat, dass sie eine Verbotskultur einführen wollen. Und in jedem zweiten Satz sagen die Grünen: Nein, das wollen wir nicht! Aber wenn sie ihre Ziele umsetzen wollen, müssen sie genau das tun.»

Der Philosoph selbst, der im ZDF auch Gastgeber der Sendung «Precht» ist, hält es etwa «für völlig unverantwortlich, dass in Innenstädten noch SUVs rumfahren dürfen». «Entweder wir nehmen den Klimawandel ernst oder wir tun nur so.» Wer ihn wirklich ernst nehme, komme an bestimmten Verboten nicht vorbei.

«Also zum Beispiel Plastiktüten verbieten und bestimmte Verpackungsmaterialien verbieten. Dafür wären doch jetzt schon sehr viele Menschen dankbar. Denn selbst wenn ich es will: Es ist unglaublich aufwendig, Plastikmüll komplett zu vermeiden. Da wäre es mir doch lieber, solche Verpackungen würde es gar nicht erst geben. Und das zeigt: Natürlich ist der Verbraucher gefordert, aber eben nicht allein.»