Guillermo Mordillo 2012 in München neben zwei von ihm entworfenen Plüschtieren. Foto: Tobias Hase
Guillermo Mordillo 2012 in München neben zwei von ihm entworfenen Plüschtieren.  Foto: Tobias Hase 

Zeichner Guillermo Mordillo gestorben

Das Rundliche zeigte sich auch bei den Planeten und Hügeln, auf denen seine Figuren sitzen, sowie bei den Herzen, die über den Liebespaaren schweben. Mit 86 Jahren ist der argentinische Zeichner nun gestorben.

Mordillo starb nach Angaben von Adrienne Hak vom Verlag Rubinstein in Amsterdam bereits am 29. Juni in seinem Wohnort Palma de Mallorca. «Es war total unerwartet», sagte die Agentin. Ihm sei in einem Restaurant plötzlich unwohl geworden. «Er war ein sehr vitaler Mann, joggte noch entlang der Strände von Mallorca und spielte Golf. Er war ein sehr besonderer Mann, sehr witzig. Wir werden ihn sehr vermissen.»

«The Very Optimistic Pessimist» - der sehr optimistische Pessimist, so nannte sich Mordillo einmal selbst, und so lautete auch der Titel einer Schau, die 2017 in der Ludwig Galerie in Oberhausen einen Einblick in sein Gesamtwerk gab. «Er sieht die Welt mit Humor», sagte damals Galerie-Direktorin Christine Vogt. «Es ist seine Art, mit den vielen Bedrohungen umzugehen.» Schwer getroffen hatte den Freigeist etwa 2015 der Anschlag auf das französische Satire-Magazin «Charlie Hebdo». «Es gibt eine Zeit davor und danach (...) Es ist gefährlicher geworden, zu zeichnen», sagte er danach bei einer Ausstellungseröffnung im österreichischen Krems.

Mordillo wurde am 4. August 1932 als Sohn spanischer Einwanderer in Buenos Aires geboren. In den ersten Jahren als Künstler schlug er sich auch als Zeichner für Glückwunschkarten durch. Nach Stationen unter anderem in Lima, New York und Paris gelang ihm Ende der 60er Jahre der Durchbruch: mit der Veröffentlichung seiner Cartoons in «Paris Match» und dann auch im «Stern» und anderen führenden Magazinen rund um die Welt. Selbst in China fand Mordillo viele Fans. In den 70er Jahren galt er als einer der meistveröffentlichten Zeichner weltweit.

Viele Werke des Argentiniers sind Einbild-Witze. Etwa die steil aus dem Meer aufragende Insel, auf der sich nur ein Fußballfeld befindet. Die Spieler schauen den Abhang hinunter, der Ball liegt tief unten im Wasser. Oder das schwer verliebte Paar: eine Giraffe und ein Elefant. Dahinter läuft eine genervt dreinschauende Giraffe, die sich einen Elefantenrüssel umgebunden hat, um dem Artgenossen zu gefallen - vergebens.

Aber Mordillo konnte auch poetisch: Vor einem tiefschwarzen Universum steht ein Mann mit Ringelshirt und Hut auf einem klitzekleinen Planeten und schaut ratlos nach oben. In der Hand hält er ein brennendes Streichholz - ein Zeichen der Hoffnung? Politisch wurde er, wenn er die Freiheitsstatue in Sträflingskleidung zeichnete - eine Anspielung auf die hohe Zahl Inhaftierter in den USA.

Immer wieder ließ sich Mordillo von Städten inspirieren, als Hommage an Dresden zeichnete er die Frauenkirche in seinem Stil. Große, rundliche Mordillo-Figuren tummeln sich auch in Zeichnungen mit dem Schiefen Turm von Pisa, Big Ben in London und dem Roten Platz in Moskau.

Um fünf Uhr morgens saß Mordillo meist schon am Zeichentisch, fast täglich beendete er ein Bild, immer von Hand. Den Computer brauchte er nur, um die Bilder hochzuladen. Zuletzt publizierte Mordillo allerdings kaum noch in Medien. Über Kalender, Puzzles, Bücher für Groß und Klein, T-Shirts, Plüschtiere und Uhren fanden seine drolligen Figuren aber weiter viel Verbreitung.

«Was er mit seinen Bildern betreibt, ist reine Philosophie», sagte zu Mordillos 85. Geburtstag Hugo Maradei, Direktor des Humor-Museums von Buenos Aires. «Man kann sich anmaßen, universal zu sein, aber nicht jeder kommt wie Mordillo überall an.» Der Zeichner selbst war auch an vielen Orten zu Hause. 1980 verlegte er seinen Wohnsitz nach Spanien, einige Jahre später zog er mit seiner Frau - mit der er zwei Kinder hat - nach Monaco. Die Sommermonate verbrachte er oft auf Mallorca, wo er jetzt auch starb.