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Eine ZKM-Besucherin strampelt in der Installation „The Legible City“ aus dem Jahr 1988 von Frank Jeffrey Shaw. Foto: Deck
Eine ZKM-Besucherin strampelt in der Installation „The Legible City“ aus dem Jahr 1988 von Frank Jeffrey Shaw. Foto: Deck
16.07.2018

„100 Meisterwerke mit und durch Medien“ im ZKM

Karlsruhe. Einen eigenen Parcours hat das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe entworfen und für eine neue Ausstellung rund 100 Meisterwerke der Medienkunst versammelt. Der eigentliche Motor der Kunst ist Bewegung, so lautet die These für die Schau unter dem Titel „Kunst in Bewegung. 100 Meisterwerke mit und durch Medien“.

Gezeigt werden wegweisende Arbeiten von bekannten Künstlern wie dem Videopionier Nam June Paik, dem amerikanischen Komponisten und Künstler John Cage oder dem Filmemacher Sergei Eisenstein. Auch unbekanntere Arbeiten, etwa des neuseeländischen Bildhauers und Experimentalfilmers Len Lye oder des Ungarn Bertalan Székely, sind zu sehen.

Das besondere am Konzept ist nach Worten der beiden Kuratoren – ZKM-Chef Peter Weibel und Medientheoretiker Siegfried Zielinski – die Vernetzung mit zahlreichen Referenzwerken, die den Hauptexponaten als Reflexion an die Seite gestellt werden. So wird eine rekonstruierte kinetische Skulptur von Marcel Duchamp gezeigt: ein Fahrrad-Rad auf einem Küchenhocker. Daneben ein Film von Duchamp, in dem er die Idee der Skulptur in Bewegung verwandelt und das Rad sich in seinem Experimentalfilm „Anémic Cinéma“ als hypnotisch drehende Spirale wiederfindet. „Wir verstehen die Meisterwerke als Werke, die andere Werke benötigen, um ihre Stärke zu entfalten“, sagt Zielinski. In ihrem Liebreiz unmerklich diabolisch ist dabei die kleine Holzapparatur „The Ultimate Machine“ von Claude Shannon: Sobald der Betrachter den Schalter auf „on“ umlegt, erscheint eine filigrane silberne Hand aus einer Klappe und schiebt ihn umgehend auf „off“ zurück. „Man denkt, die digitale Revolution habe gerade angefangen“, sagt Zielinski. „Dabei beschäftigt uns das schon viele Jahrzehnte.“ Die Künstler, an denen die Schau sich orientiert, arbeiten mit Filmkameras, Fotoapparaten, Videogeräten, Computerrelais, Algorithmen, erschaffen Klänge und Bilder, verwandeln Bewegung in Kunst und Kunst in Bewegung. Entstanden ist so ein sperriger wie spielerischer Parcours durch die Medienkunstgeschichte: „Wir zeigen Zusammenhänge, wie man sie noch nie gesehen hat“, sagt Weibel.