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„Ten Years After“ haben es immer noch voll drauf.  Foto: Nico Roller 

1000 Besucher beim Festival „Sound of Woodstock“ in Remchingen

Remchingen. Vier spielfreudige Bands, mehr als sechs Stunden Programm, knapp 20 begnadete Musiker – und das alles an einem Ort, auf einer Bühne: Der Boden der Remchinger Kulturhalle bebt am Wochenende, als dort beim zweitägigen Festival „Sound of Woodstock“ eine längst vergangene Zeit wieder lebendig wird: Im August 1969 feierten 32 Bands zusammen mit mehr als 400 000 Menschen eine einzige große Party, die friedlich blieb trotz der teilweise schwierigen Versorgungslage.

Längst ist Woodstock zu einer Legende geworden, zu einem Meilenstein in der modernen Popkultur. Paul Taube und seine Kollegen wollten dem legendären Festival zu seinem 50. Geburtstag ein Denkmal setzen – und zwar in Form eines eigenen Festivals. „Wir hatten so viele Ideen, dass wir zwei Abende machen mussten“, erzählt der Leiter der Kulturhalle. Er recherchierte und nutzte seine Kontakte, um Musiker ausfindig zu machen, die 1969 auf der Bühne standen und heute noch aktiv sind. Er stellte fest: Viele gibt es nicht mehr. Umso mehr freute Taube sich, als er „Ten Years After“ für einen Auftritt gewinnen konnte. Am Sonntagabend um 20.15 Uhr spielte die 1967 gegründete britische Bluesrock-Band auf dem Woodstock-Festival. Wegen der Luftfeuchtigkeit musste sie damals ihren Song „Good Morning Little School Girl“ nach etwa einer Minute unterbrechen, um die Gitarren neu zu stimmen. Etwas Derartiges passiert den Musikern am Samstagabend in der Remchinger Kulturhalle nicht. 50 Jahre nach Woodstock sind die beiden Gründungsmitglieder Chick Churchill und Rick Lee zwar nicht mehr die Jüngsten, aber sie haben es immer noch voll drauf. Unglaublich, was sie aus ihren Instrumenten herausholen. In Windeseile lässt Churchill die Finger über die Tasten seines Keyboards gleiten – so schnell, dass man mit Gucken gar nicht hinterherkommt. Am Schlagzeug wirbelt Lee die Sticks durch die Luft, um sie krachend auf die Becken und Trommeln fallen zu lassen. Immer wieder kann er das tun, in hohem Tempo, minutenlang. Seit einigen Jahren verstärkt Bassist Colin Hodgkinson die Band genauso wie Marcus Bonfanti, der nicht nur begnadet Gitarre spielt, sondern auch singen kann: Kraftvoll ist seine Stimme, rau und schnoddrig. Wenn er und Hodgkinson sich wilde Duelle liefern, dann erschaffen sie mit den Saiten ihrer Instrumente Klanggemälde. Egal, ob sie „I’d Love To Change The World“, „I‘m Going Home“ oder „I Say Yeah“ spielen: Das Publikum rastet aus: Es wird getanzt, gesungen und im Takt geklatscht. Bonfanti muss nur den Arm anheben und schon schreit die ganze Halle „Yeah“. Nach anderthalb Stunden folgt die Zugabe.