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Die Organisatoren in der St.-Franziskus-Kirche: Mathias Kohlmann an der Orgel und Diethard Stephan Haupt. Foto: Meyer

16. Pforzheimer Orgelsommer in Kirche St. Franziskus gestartet

Pforzheim. Von Meistern gespielt, besitzt die Orgel die Eigenschaft, mit ungewohnt reizvollen Klangfarben zu überraschen. Der Eröffnungsabend des 16. Pforzheimer Orgelsommers in der Pfarrkirche St. Franziskus bot solche Überraschungen.

Denn Kirchenmusikdirektor Mathias Kohlmann präsentierte mit „Meisterwerken der Orgelmusik“ ein Programm, das sich durch eine Vielfalt an Klängen und Farben auszeichnete. Die in der Goldstadt sehr erfolgreich eingeführte, inzwischen zu einer schönen Tradition gewordene sommerliche Konzertreihe demonstrierte erneut, wie klangschön und gehaltvoll mit der Königin der Instrumente musiziert werden kann, wie ihre bespielten Manuale und das Pedal sowie die von unterschiedlichsten Registern geprägten Klangcharaktere melodiös kunstvoll miteinander verwoben werden können.

Anspruchsvollste Komposition

Mit Toccata und Fuge in F-Dur (BWV 540) interpretierte der Organist eine von Johann Sebastian Bachs repräsentativsten und anspruchsvollsten Orgelkompositionen, die wohl 1716 anlässlich eines Besuchs in Weißenfels entstanden ist und für die dortige Schlosskapellen-Orgel mit ihrem umfang-reichen Pedalambitus konzipiert wurde. Die weiträumig ausgreifende Toccata mit den auf zwei Pedal-Orgelpunkten basierenden, virtuos ausgeformten Durchgängen entfaltete in eher dunklen Farbtönungen die ganze Klangpracht der Steinmeyer-Göckel-Orgel und schöpfte ihr versammeltes Plenum aus. Die anschließende Fuge erklang hingegen mit gemessen fortschreitenden Thema in sehr hell registriertem Timbre.

César Francks in Dialogform angelegter Choral E-Dur (Nr.1 aus „Trois Chorales“, 1890) erfreute in der Pforzheimer Wiedergabe mit den gegensätzlichen Registern einer eher sanglich leisen „vox humana“ und wuchtigen Bläser-Fanfaren. Von Franck stammt das Diktum „Meine Orgel ist ein Orchester“ – genau in diesem Sinne entfaltete Kohlmann die Komposition mit leuchtender Expressivität. Claud Debussys „La fille aux cheveux de lin“ („Das Mädchen mit den Flachshaaren“ aus „Préludes pour piano“) wirkte dagegen wie ein impressionistisch zart getupftes, in Goldglanz getauchtes Klangfarben-Tableau.

Heroisch und leidenschaftlich

Abschließend spielte der Kirchenmusikdirektor Edward Elgars Orgel-Sonate G-Dur (op.28) und verlieh diesem technisch fordernden Werk von der Struktur und Ausdehnung einer Symphonie vor allem in den temperamentvollen Eck-Sätzen den Elgar-typischen, heroisch-leidenschaftlichen Schwung. Das viersätzige Stück, das auf der Orgel in der Kathedrale von Worcester uraufgeführt wurde, gewinnt durch voluminösen Kirchenhall, fand also auch in der St.-Franziskus-Kirche einen geradezu idealen Aufführungsort.

Die zahlreichen Konzertbesucher, die trotz des wunderschönen Sommerabends ihren Weg in das Gotteshaus gefunden hatten, waren vom musikalischen Reichtum der interpretierten Orgelwerke sehr beeindruckt.