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Die stellvertretende Kulturamtsleiterin Claudia Baumbusch (links) und Katja Wengert vom Quartiersmanagement KF in der Ausstellung, die heute um 19 Uhr eröffnet wird. Foto: Ketterl
Die stellvertretende Kulturamtsleiterin Claudia Baumbusch (links) und Katja Wengert vom Quartiersmanagement KF in der Ausstellung, die heute um 19 Uhr eröffnet wird. Foto: Ketterl
05.12.2018

18-jährige Malerin zeigt in erster Einzelausstellung ausdrucksstarke Porträts

Pforzheim. Es sind Porträts, die in ihrer Direktheit und Verletzlichkeit direkt ins Herz gehen: Gerade mal 18 Jahre alt ist Jule Ehret – fertig mit dem Abi und mit Zeit zum exzessiven Malen. Und so sind die fast 30 Gemälde, die von Mittwochabend an in der Galerie KF/Hildebrandstraße 1 zu sehen sind, alle in diesem Jahr entstanden: „Porträts“, sagt die stellvertretende Kulturamtsleiterin Claudia Baumbusch, „die das Lebensgefühl einer jungen Generation erfassen.“

Mit der Ausstellung der Werke der jungen Frau aus Schutterwald, die über persönliche Kontakte nach Pforzheim zustande kam, setzen Kulturamt und Jugendarbeit Stadtteile des Stadtjugendrings ihre Zusammenarbeit im Quartier fort: Nach den Skulpturen von René Dantes und der Schau „Hautnah“ nun junge Kunst, die so gar nichts mit der Hochglanzästhetik von Facebook und Instagram zu tun hat. „Jule Ehret ist nah an den Menschen dran“, sagt Baumbusch, „nicht an ihrer Hülle, sondern an ihrem Innenleben“. Die Modelle kommen überwiegend aus dem Freundeskreis der 18-Jährigen. „Doch die Attribute der Nacht- und Schattenseiten, die Tränen, das Gewalt voraussetzende Veilchen am Auge und die markigen Tattoos sind in einer Art Collage zu den realen Gesichtern dazugedichtet“, schildert sie.

Doch so sehr auch Zweifel und Enttäuschung, Kränkung und Weltschmerz die Bilder von Jule Ehret prägen, so wenig sind sie Sozialkritik oder Lamento: Ihr Credo lautet eher, Schwächen in Stärken, dunkle Zeiten in Zuversicht zu verwandeln. Und Baumbusch ist sich sicher, dass die junge Autodidaktin gerade mit diesen Bildern einen Nerv in Pforzheim trifft: „Es sind Gesichter, wie sie in unserer Stadt mit ihrer hohen Kinderarmut und der Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher, die in multiplen Problemlagen aufwachsen, hinreichend bekannt sind.“ Schönes darzustellen sei leicht, ist die mit dem Jugendkunstpreis Baden-Württemberg ausgezeichnete Malerin überzeugt. Und wie ihre Vorbilder Otto Dix, Egon Schiele und Lucian Freud sieht sie die Herausforderung darin, die schmerzhaften und dunklen Seiten des Lebens aufzuzeichnen – mit einem ganz nahen Blick.

Denn die Köpfe und wenigen Akte sind formatfüllend, geben einen schonungslosen Blick frei auf die Physiognomie der jungen Menschen, auf große Augen, mit Lippenstift verschmierte Münder, auf eine junge dunkelhäutige Frau, die mit knallrotem Regenschirm im Meer steht. Was ist Realität, was ist Fiktion in diesen Werken? Eine Fragestellung, die die junge Künstlerin interessiert und die dem Betrachter viel Raum zur eigenen Interpretation lässt.