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Timo Handschuh leitet vom Cembalo aus den ersten Teil des Konzerts des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim.
Timo Handschuh leitet vom Cembalo aus den ersten Teil des Konzerts des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim.
25.07.2017

40. Stadtteilkonzert des SWDKOs: Zwei glänzende Seiten einer Medaille

Pforzheim-Eutingen. Zwei völlig unterschiedlich geprägte Seiten zeigte das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim beim vierzigsten Stadtteilkonzert in der evangelischen Kirche Eutingen. Beide glänzten und strahlten wie die sprichwörtliche Medaille. Anfangs war gleichsam eine fürstliche Hofkapelle mit entsprechenden Werken von Carl Stamitz, Carl Ditters von Dittersdorf und Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Mit leichter Hand leitete Timo Handschuh sein Ensemble vom Cembalo aus, ganz in der Manier eines Hofkapellmeisters der frühklassischen Zeit.

Nach der Pause verwandelte sich das SWDKO in eine temperamentvoll aufspielende Kammersinfonie. Nun setzte Handschuh am Dirigenten-Pult Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schubert mit leidenschaftlicher Verve in Szene.Der höfische Teil des Konzerts wartete mit einem sensationell virtuosen Solopart auf, den Matthias Botzet in Dittersdorfs E-Dur-Konzert für Kontrabass und Orchester präsentierte. Fein um-spielt vom Orchester, zelebrierte der Solist in den Allegro-Ecksätzen rasante Skalen, atemberaubende Oktav-Sprünge und Flageoletts in extremen Höhen. Überraschend samtig weich der Ton seines Instruments im teils nur vom Generalbass begleiteten, zauberhaften Gesang des Adagio-Mittelsatzes, kunstvoll die Kadenzen.

Mit ansteckender Spielfreude interpretierte das Streicherensemble auch das Stamitz’sche Orchesterquartett in A-Dur, dessen Klang geradezu sommerfrisch wirkte. Mozarts „Mailander Sinfonie“ in C-Dur (KV 157) verstärkte den hellen, heiteren Grundcharakter dieser galanten Musik, wenngleich der ausdrucksvolle Andante-Mittelsatz vorübergehend nach c-Moll eindunkelte.

Dann die andere Medaillen-Seite. Als Dreizehnjähriger schrieb Mendelssohn zwölf einsätzige Streichersinfonien. Das zehnte, in h-Moll gehaltene Stück dieses Jugend-Zyklus, führte das Pforzheimer Kammerorchester als „Hinführung“ (wie Handschuh einführend betonte) zu einem im Orchester-Format gebotene Streichquintettsatz Schuberts auf. Der erste Satz dieser Komposition (Allegro ma non troppo) gilt mit seiner sinfonischen Klangfülle als bewegender Ausdruck von Schuberts seelisch verzweifelter Situation in seinen letzten Lebensjahren. Dem SWDKO gelang eine ergreifende Umsetzung der das Leid verklärenden Melodien, der klangdichten Steigerungen und romantisch intensiven Ausdrucksgewalt. Mit der von den beiden Celli gesungenen, dann von den Geigen übernommenen Weise verklang der anrührende Satz in wehmütiger Stimmung. Der vom Publikum in beiden Teilen begeistert aufgenommene Konzert-Abend wird in Erinnerung bleiben.