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20.07.2008

80 000 Menschen bei "Das Fest"

KARLSRUHE. „Ihr macht elf alte Männer sehr, sehr glücklich.“ König Boris (Boris Lauterbach) war spätestens nach dem dritten Lied der Formation „Fettes Brot“ einfach nur noch verzaubert von der Kulisse bei „Das Fest“ am Samstagabend in der Karlsruher Günther-Klotz-Anlage.

Obwohl zuvor, beim erfrischenden Auftritt der stimmgewaltigen Schottin K.T. Tunstall, ein kräftiger Regenguss niedergegangen war, hatte sich niemand der Besucher vertreiben lassen. Ganz im Gegenteil.
Als „Fettes Brot“ um 21.30 Uhr mit „Lieber verbrennen als verlieren“ auf die Bühne kamen, hatten sie den vielbesungen Hügel vom ersten Ton an im Griff. Um die 80 000 Menschen dürften es gewesen sein, die den vorläufigen Höhepunkt des Karlsruher Gratis-Open-Airs erlebten. Und die drei Hip-Hopper aus Hamburg hatten Mühe, ihre betont arrogant-großkotzige Attitüde aufrecht zu erhalten, die sie „Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich ich“ – dem Seitenhieb auf die stammelnde Konkurrenz – untermauern wollten.„War da vorher auch schon ein Hügel, oder steht Ihr aufeinander?“ fragte Dokter Renz (Martin Vandreier) ob der „relativ beeindruckenden Kulisse“.

Zauberhafte 101 Wunderkerzen

Titel wie „Schieb es auf die Brote“ und „Bettina (zieh dir bitte etwas an)“ ließen selbst weit hinten, weit weit weg von der Bühne, kein Bein mehr still stehen. „Fettes Brot“ hatte die Masse im Griff und ließ sie nicht mehr los. „Ihr seid komplett bescheuert, aber das wisst ihr ja“, lautete die etwas krude Liebesbekundung Richtung „Berg und Tal“. Atemlos ging es weiter mit „1 Euro Jobber“, „Emanuela“, „Ich lass Dich nicht los“ und wie zahlreichen Hits der Hamburger alle heißen. Die drei Stimmakrobaten waren ständig auf der Bühne unterwegs, vom fetten Sound ihres Acht-Mann-Orchesters (einschließlich DJ Pauly an den Plattentellern) angetrieben und von der zuckenden Menschenmasse animiert. Oben auf dem „Klotz Mountain“ rundeten zwischendurch 101 Wunderkerzen das zauberhafte Bild an einem zauberhaften Abend ab, für den sich Dokter Renz, König Boris und „Schiffmeister“ Björn Beton (Björn Warns) nach gut einer Stunde artig bedankten.

Umsatzeinbußen wegen Regens?

„Es war ein Fest für uns“, wortspielten sie, um sich mit „Hörst Du mich“ zu verabschieden. Doch da war schon längst klar, dass sie ohne fetten Zugabenteil nicht wegkommen würden: „Erdbeben“, „Jein“ und „Schwule Mädchen“ rundeten einen „Fest“-Tag ab, der den Veranstaltern neben einigem Sonnenschein auch viel Regen gebracht hatte.
Inwieweit das feuchte Wetter ein Loch in den Umsatz an den Getränkeständen, mit dem sich „Das Fest“ hauptsächlich finanziert, gerissen hat, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Am vergangenen Freitag hatten die Zahlen noch gestimmt. Rund 80 000 Besucher auf dem Gesamtgelände, davon bis zu 60 000 vor der Hauptbühne, sorgten für klingelnde Kassen.

Und das, obwohl „Revolverheld“ und insbesondere die „Sportfreunde Stiller“ musikalisch nicht ganz das hielten, was zumindest das ältere Publikum an musikalischer Qualität erwartet hatte. Doch, wie Cheforganisator Rolf Fluhrer lächelnd anmerkte, ging es weniger darum, den persönlich Musikgeschmack zu befriedigen, als vielmehr dem jüngeren Publikum, der eigentlichen Zielgruppe des veranstaltenden „Stadtjugendausschuss Karlsruhe e.V“., etwas zu bieten.
Diese Rechnung sei aufgegangen. „Ich habe noch nie so viele Zahnspangen auf dem Acker gesehen wie am Freitag“, stellte Fluhrer zufrieden fest. Die Bands selbst waren ebenfalls mehr als angetan von der prächtigen Kulisse. Die „Revolverhelden“ versprachen auch gleich hoch und heilig, wiederkommen zu wollen.Sie hätten vorher ja schon viel Gutes vom Fest gehört, doch die „gefühlten zwei Millionen Menschen“ vor der Bühne hätten sie zu einem ihrer besten Gigs überhaupt animiert. Mit dem traditionellen Klassik-Frühstück startete die 24. Auflage von „Das Fest“ gestern Vormittag in seinen Finaltag, der erst spät abends, mit den Auftritten von Willy DeVille und Roísín Murphy, beendet wurde.